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Bürgerinitiative gegen BoA- Erweiterung
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Braunkohleabbau- und Verstromung im großen Stil haben die Entwicklung der Kommunen im rheinischen Revier mehr gehemmt als gefördert. Das Erscheinungsbild insbesondere der Randgemeinden ist geprägt von riesigen Tagebaulöchern und gewaltigen Kraftwerken.

Umsiedlungen ganzer Regionen, sterbende und abgebaggerte Dörfer, Staub und Dreck aus den Braunkohlegruben, Grundwasserabsenkung, Bergschäden an Gebäuden, eine geschundene Natur, Rauchgase, Kühlturmschwaden, etc. erweisen sich insbesonder in der heutigen Zeit als Hemmnis für die Ortsentwicklung. Das Kraftwerk Frimmersdorf ist bekannt unter der Bezeichnung "Dreckschleuder der Nation" und auch die Kraftwerke in Neurath und Niederaußem belegen "erste Plätze" bei den Schadstoffemissionen.

Die Städtchen Bergheim und Grevenbroich kämpfen mehr oder weniger erfolgreich gegen ihr Negativimage. So hat sich z.B. der Erftkreis mal eben den Titel "Energiekreis" verliehen.
In Grevenbroich versucht man nun die etwa 114km² große Braunkohleabbaufläche (Tagebaue Garzweiler I+II, 66km²+48km²) und die Kraftwerke in Neurath und Frimmerdorf für eine Werbekampagne der ganz besonderen Art zu nutzen. Grevenbroich avanciert ganz unbescheiden gleich zur "Bundeshauptstadt der Energie".
Schilderposse in Grevenbroich


Um dieses "Bundeshauptstadt "-Schild wird gestritten.

"Hauptstadt" ohne Schilder?
ngz-online, 04.10.2006

GREVENBROICH - Es waren ausnahmsweise mal nicht die Schweizer, die es erfunden haben.
Der Slogan "Bundeshauptstadt der Energie" stammt aus der Feder von Sabine Kottmann aus Wevelinghoven. Seitdem die 21-Jährige im Vorjahr mit diesem Titel einen vom Bürgermeister ausgelobten Wettbewerb gewann, wirbt Grevenbroich mit dem Hauptstadt-Motto.

Der Spruch ist mittlerweile auf Anstecknadeln ebenso zu lesen wie auf Briefbögen und einem modernen Reisebus. Und natürlich auch auf den 25 Ortseingangstafeln, die rund um die 65 000-Einwohner-Kommune verteilt wurden - 15 in den Farben schwarz und gelb, zehn weitere in schwarz-rot-gold, um den Bundeshauptstadt-Charakter zusätzlich zu unterstreichen. Beide Variationen haben eines gemeinsam: die Internet-Adresse, die auf die Homepage der Stadt hinweist.

Ein Werbegag, der in der Landeshauptstadt mit Skepsis beäugt wird. Vor allem im Verkehrsministerium, das in den Hauptstadt-Schildern einen Verstoß gegen die Paragraphen 33 und 42 der bundesweit geltenden Straßenverkehrsordnung (StvO) sieht. Darin heißt es unter anderem: Schilder, die Verkehrszeichen gleichen oder deren Wirkung beeinträchtigen, dürfen dort nicht angebracht werden, wo sie sich auf den Verkehr auswirken können. Werbung und Propaganda - auch das ist gesetzlich geregelt - sind zudem in Verbindung mit Verkehrsschildern nicht zulässig.

Und: "Autofahrer könnten durch diese zusätzlichen Schilder verwirrt werden", argumentierte Simone Wichmann, Pressereferentin im Landesverkehrsministerium, am Mittwoch im Gespräch mit der NGZ. Denn: Ortseingangstafeln signalisieren dem Auto-, Motorrad- oder Lastwagenfahrer, dass gleich hinter dem Schild eine geschlossene Ortschaft beginnt. "Damit sind Geschwindigkeitsbegrenzungen verbunden, also maximal Tempo 50", so Wichmann weiter. Übrigens: Innerorts hat die Stadt die gelben Schilder unterhalb der regulären Tafeln montiert, außerhalb von Ortschaften steht die schwarz-rot-goldene Version

Über den Rhein-Kreis Neuss hat sich das Ministerium schriftlich an die Stadt Grevenbroich gewandt und um eine Stellungnahme sowie die "kurzfristige Entfernung beziehungsweise Korrektur der Tafeln" gebeten.

Wie sich die Stadt in diesem Fall verhalten wird, ist allerdings noch offen: "Bürgermeister Axel Prümm steht bereits in Verbindung mit dem Ministerium - mehr kann zurzeit nicht gesagt werden", meinte Rathaus-Sprecher Norbert Häke am Mittwoch gegenüber der NGZ.

Ganz blauäugig habe die Stadt die Ortstafeln jedoch nicht aufgehängt: "Für die Schilder in den Bundesfarben gibt es zwei Nutzungsverträge mit dem Landesbetrieb Straßenbau, für die gelben Tafeln haben wir eine Verwaltungsvereinbarung mit dem Rhein-Kreis getroffen. Darauf verlassen wir uns", betonte Häke.

Verkehrsminister gegen Bürgermeister
EXPRESS, 05.10.2006

DÜSSELDORD / GREVENBROICH - "Willkommen in der Bundeshauptstadt der Energie" heißt es auf 25 Ortseinfahrts-tafeln im Schilderwald vor Grevenbroich. Doch der Werbegag des Bürgermeisters Axel Prümm (CDU) gerät nun zur Schilder-Posse. Denn sein Parteifreund, Landesverkehrsminister Oliver Wittke, will die Hauptstadt-Tafeln weghaben. Sie seien unzulässig und verwirrend.

Um den Standort im rheinischen Braunkohlerevier mit seinen riesigen Kraftwerken hervorzuheben, wollte Prümm einen pfiffigen Slogan haben. Bei einem Wettbewerb wurde er unter 800 Vorschlägen ausgesucht und mit 500 Euro belohnt. Seitdem prangt der Hauptstadt-Spruch an allen Ortseinfahrten, auf Anstecknadeln, Visitenkarten und Briefbögen der Stadt und sogar auf einem Reisebus.

Zwei Schilder-Versionen hat die Stadt installiert. 15 gelb-schwarze Versionen unter dem amtlichen Ortsschild und zehn schwarz-rot-gelbe allein stehend, um den Bundeshaupstadt-Charakter zu unterstreichen. Doch einem "Erbsenzähler", so heißt es am Donnerstag spitzfindig aus dem Rathaus, missfielen die Schilder, und jetzt hat die Stadt die ministerielle Aufforderung am Hals, sie wieder zu entfernen.

Ministeriumssprecherin Simone Wichmann: "Derartige Schilder dürfen einem amtlichen Orsteinfahrtsschild nicht ähnlich sein. Denn sie signalisieren eine geschlossene Ortschaft mit Tempolimit. Nach der Straßenverkehrsordnung könnten die neuen Schilder der Stadt daher unzulässig sein. Es wird jetzt aber Gespräche darüber geben."

Wie geht die Posse um den Schilderwald nun weiter? Bürgermeister Axel Prümm: "Wir werden mit dem Minister gerne reden, ihm aber sagen, dass die Schilder vom Landesstraßenbauamt NRW genehmigt sind. " Vielleicht hätten sich Prümm und seine Jury doch für den dritten Slogan-Vorschlag entscheiden sollen: "Grevenbroich zwischen Kölsch und Alt". Aber dann hätte es wohl einen Bierkrieg gegeben.

Copyright auf Grevenbroich
ngz-online, 28.11.2006

GREVENBROICH - Eine Urkunde mit dem aufgedruckten Bundesadler liegt seit am Dienstag auf dem Tisch des Bürgermeisters. Sie belegt: Unter der Nummer 305 12 520 ist der Titel "Grevenbroich - Bundeshauptstadt der Energie" nun beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen.

Die Schlossstadt gehört damit zu den wenigen Kommunen in der Bundesrepublik, die ihren Namen haben schützen lassen: "So etwas kommt höchst selten vor. Spontan könnte ich jetzt keine zweite Stadt in Deutschland nennen", meinte eine Sprecherin der Behörde am Dienstag auf Anfrage der NGZ.

"Bundeshauptstadt der Energie", diesen Titel hat sich die Wevelinghovenerin Sabine Kottmann einfallen lassen. Sie gewann damit einen vom Bürgermeister initiierten Ideen-Wettbewerb. Schon seit Anfang März 2005, kurz nachdem sich die Jury für den Slogan der Studentin entschieden hatte, versucht Prümm, den Spruch unter Schutz zu stellen.

"Zunächst vergeblich, denn im Patent- und Markenamt wurde dieses Begehren eher etwas salopp behandelt", meint der Verwaltungschef: "Es wurde offenbar nicht als notwendig betrachtet, dem größten Energieerzeugungs-Standort in der Bundesrepublik eine markenrechtliche Alleinstellung zu verschaffen." Prümm blieb hartnäckig - und nach Monaten erreichte er sein Ziel. In der Dienststelle Jena des Deutschen Patent- und Markenamtes wurde die Schlossstadt jetzt offiziell ins Register eingetragen.

Und was hat Grevenbroich davon? "Auf jeden Fall mehr Publicity", meint der Bürgermeister. Er hat bereits den Rathaus-Sprecher Norbert Häke damit beauftragt, die Kunde von der "geschützten Stadt" so umfangreich wie möglich in die Öffentlichkeit zu tragen: In den nächsten Tagen sollen Mitteillungen in die bundesweite Medienlandschaft verschickt werden.

"Damit werden wir den Bekanntheitsgrad der Stadt mit Sicherheit steigern", betont Axel Prümm einen Vorteil. Der zweite: "Keine andere Kommune darf sich fortan mit dem Bundeshauptstadt der Energie-Titel schmücken." Ob es da etwa Begehrlichkeiten gibt? Prümm lächelt bei dieser Frage und zuckt mit den Schultern. Nach gewöhnlich gut informierten Kreisen soll angeblich die Stadt Essen - als langjähriger Sitz der RWE-Zentrale - bereits einen neidischen Blick auf den Slogan geworfen haben, mit dem sich die Schlossstadt schmückt.

Die "Bundeshauptstadt der Energie" ist in Grevenbroich derzeit nahezu allgegenwärtig: Der Titel wird auf Bussen und Lastwagen durch die Stadt (und darüber hinaus) gefahren, er schmückt die Briefköpfe aus dem Rathaus und die verschiedener Firmen und ist auch auf den Trikots der "Elephants"-Basketballer zu finden.

Von den Schildern an den Ortseingängen ganz zu schweigen. Wer künftig den Titel für seine eigene Werbung benutzen möchte, braucht indes die Genehmigung der Stadtverwaltung.
Denn wie Coca Cola, Tempo und Maggi ist auch die "Bundeshauptstadt der Energie"
nun ein Markenname.

Und auf dessen Schutz wird ab sofort ein besonderes Augenmerk gerichtet.

Vor den Toren der neuen Bundeshauptstadt.

Braunkohletagebau Garzweiler
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