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"Hauptstadt" ohne Schilder?
ngz-online, 04.10.2006
GREVENBROICH - Es waren ausnahmsweise mal nicht die Schweizer, die es erfunden haben.
Der Slogan "Bundeshauptstadt der Energie" stammt aus der Feder von Sabine Kottmann aus
Wevelinghoven. Seitdem die 21-Jährige im Vorjahr mit diesem Titel einen vom Bürgermeister
ausgelobten Wettbewerb gewann, wirbt Grevenbroich mit dem Hauptstadt-Motto.
Der Spruch ist mittlerweile auf Anstecknadeln ebenso zu lesen wie auf Briefbögen und einem
modernen Reisebus. Und natürlich auch auf den 25 Ortseingangstafeln, die rund um die
65 000-Einwohner-Kommune verteilt wurden - 15 in den Farben schwarz und gelb, zehn weitere
in schwarz-rot-gold, um den Bundeshauptstadt-Charakter zusätzlich zu unterstreichen.
Beide Variationen haben eines gemeinsam: die Internet-Adresse, die auf die Homepage der Stadt hinweist.
Ein Werbegag, der in der Landeshauptstadt mit Skepsis beäugt wird.
Vor allem im Verkehrsministerium, das in den Hauptstadt-Schildern einen Verstoß gegen die
Paragraphen 33 und 42 der bundesweit geltenden Straßenverkehrsordnung (StvO) sieht.
Darin heißt es unter anderem: Schilder, die Verkehrszeichen gleichen oder deren Wirkung
beeinträchtigen, dürfen dort nicht angebracht werden, wo sie sich auf den Verkehr auswirken
können. Werbung und Propaganda - auch das ist gesetzlich geregelt - sind zudem in Verbindung
mit Verkehrsschildern nicht zulässig.
Und: "Autofahrer könnten durch diese zusätzlichen Schilder verwirrt werden", argumentierte
Simone Wichmann, Pressereferentin im Landesverkehrsministerium, am Mittwoch im Gespräch mit der NGZ.
Denn: Ortseingangstafeln signalisieren dem Auto-, Motorrad- oder Lastwagenfahrer, dass gleich hinter
dem Schild eine geschlossene Ortschaft beginnt. "Damit sind Geschwindigkeitsbegrenzungen verbunden,
also maximal Tempo 50", so Wichmann weiter. Übrigens: Innerorts hat die Stadt die gelben Schilder
unterhalb der regulären Tafeln montiert, außerhalb von Ortschaften steht die schwarz-rot-goldene Version
Über den Rhein-Kreis Neuss hat sich das Ministerium schriftlich an die Stadt
Grevenbroich gewandt und um eine Stellungnahme sowie die "kurzfristige Entfernung beziehungsweise Korrektur
der Tafeln" gebeten.
Wie sich die Stadt in diesem Fall verhalten wird, ist allerdings noch offen: "Bürgermeister Axel Prümm
steht bereits in Verbindung mit dem Ministerium - mehr kann zurzeit nicht gesagt werden", meinte
Rathaus-Sprecher Norbert Häke am Mittwoch gegenüber der NGZ.
Ganz blauäugig habe die Stadt die Ortstafeln jedoch nicht aufgehängt: "Für die Schilder in den
Bundesfarben gibt es zwei Nutzungsverträge mit dem Landesbetrieb Straßenbau, für die gelben Tafeln haben
wir eine Verwaltungsvereinbarung mit dem Rhein-Kreis getroffen. Darauf verlassen wir uns", betonte Häke.

Verkehrsminister gegen Bürgermeister
EXPRESS, 05.10.2006
DÜSSELDORD / GREVENBROICH
- "Willkommen in der Bundeshauptstadt der Energie" heißt es auf
25 Ortseinfahrts-tafeln im Schilderwald vor Grevenbroich. Doch der Werbegag des Bürgermeisters
Axel Prümm (CDU) gerät nun zur Schilder-Posse.
Denn sein Parteifreund, Landesverkehrsminister Oliver Wittke, will die Hauptstadt-Tafeln weghaben.
Sie seien unzulässig und verwirrend.
Um den Standort im rheinischen Braunkohlerevier mit seinen
riesigen Kraftwerken hervorzuheben, wollte Prümm einen pfiffigen Slogan haben. Bei einem Wettbewerb
wurde er unter 800 Vorschlägen ausgesucht und mit 500 Euro belohnt. Seitdem prangt der
Hauptstadt-Spruch an allen Ortseinfahrten, auf Anstecknadeln, Visitenkarten und Briefbögen der Stadt
und sogar auf einem Reisebus.
Zwei Schilder-Versionen hat die Stadt installiert. 15 gelb-schwarze Versionen unter dem amtlichen
Ortsschild und zehn schwarz-rot-gelbe allein stehend, um den Bundeshaupstadt-Charakter zu unterstreichen.
Doch einem "Erbsenzähler", so heißt es am Donnerstag spitzfindig aus dem Rathaus, missfielen die Schilder,
und jetzt hat die Stadt die ministerielle Aufforderung am Hals, sie wieder zu entfernen.
Ministeriumssprecherin Simone Wichmann: "Derartige Schilder dürfen einem amtlichen Orsteinfahrtsschild
nicht ähnlich sein. Denn sie signalisieren eine geschlossene Ortschaft mit Tempolimit. Nach der
Straßenverkehrsordnung könnten die neuen Schilder der Stadt daher unzulässig sein. Es wird jetzt
aber Gespräche darüber geben."
Wie geht die Posse um den Schilderwald nun weiter? Bürgermeister Axel Prümm: "Wir werden mit dem
Minister gerne reden, ihm aber sagen, dass die Schilder vom Landesstraßenbauamt NRW genehmigt sind.
" Vielleicht hätten sich Prümm und seine Jury doch für den dritten Slogan-Vorschlag entscheiden
sollen: "Grevenbroich zwischen Kölsch und Alt". Aber dann hätte es wohl einen Bierkrieg gegeben.

Copyright auf Grevenbroich
ngz-online, 28.11.2006
GREVENBROICH - Eine Urkunde mit dem aufgedruckten Bundesadler liegt seit am Dienstag auf dem
Tisch des Bürgermeisters. Sie belegt: Unter der Nummer 305 12 520 ist der Titel
"Grevenbroich - Bundeshauptstadt der Energie" nun beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen.
Die Schlossstadt gehört damit zu den wenigen Kommunen in der Bundesrepublik, die ihren Namen haben
schützen lassen: "So etwas kommt höchst selten vor. Spontan könnte ich jetzt keine zweite Stadt in
Deutschland nennen", meinte eine Sprecherin der Behörde am Dienstag auf Anfrage der NGZ.
"Bundeshauptstadt der Energie", diesen Titel hat sich die Wevelinghovenerin Sabine Kottmann einfallen
lassen. Sie gewann damit einen vom Bürgermeister initiierten Ideen-Wettbewerb. Schon seit Anfang
März 2005, kurz nachdem sich die Jury für den Slogan der Studentin entschieden hatte, versucht Prümm,
den Spruch unter Schutz zu stellen.
"Zunächst vergeblich, denn im Patent- und Markenamt wurde dieses Begehren eher etwas salopp behandelt",
meint der Verwaltungschef: "Es wurde offenbar nicht als notwendig betrachtet, dem größten
Energieerzeugungs-Standort in der Bundesrepublik eine markenrechtliche Alleinstellung zu verschaffen."
Prümm blieb hartnäckig - und nach Monaten erreichte er sein Ziel. In der Dienststelle Jena des Deutschen
Patent- und Markenamtes wurde die Schlossstadt jetzt offiziell ins Register eingetragen.
Und was hat Grevenbroich davon? "Auf jeden Fall mehr Publicity", meint der Bürgermeister. Er hat bereits
den Rathaus-Sprecher Norbert Häke damit beauftragt, die Kunde von der "geschützten Stadt" so umfangreich
wie möglich in die Öffentlichkeit zu tragen: In den nächsten Tagen sollen Mitteillungen in die bundesweite
Medienlandschaft verschickt werden.
"Damit werden wir den Bekanntheitsgrad der Stadt mit Sicherheit steigern", betont Axel Prümm einen Vorteil.
Der zweite: "Keine andere Kommune darf sich fortan mit dem Bundeshauptstadt der Energie-Titel schmücken."
Ob es da etwa Begehrlichkeiten gibt? Prümm lächelt bei dieser Frage und zuckt mit den Schultern.
Nach gewöhnlich gut informierten Kreisen soll angeblich die Stadt Essen - als langjähriger Sitz der
RWE-Zentrale - bereits einen neidischen Blick auf den Slogan geworfen haben, mit dem sich die Schlossstadt
schmückt.
Die "Bundeshauptstadt der Energie" ist in Grevenbroich derzeit nahezu allgegenwärtig: Der Titel wird auf
Bussen und Lastwagen durch die Stadt (und darüber hinaus) gefahren, er schmückt die Briefköpfe aus dem
Rathaus und die verschiedener Firmen und ist auch auf den Trikots der "Elephants"-Basketballer zu finden.
Von den Schildern an den Ortseingängen ganz zu schweigen. Wer künftig den Titel für seine eigene Werbung
benutzen möchte, braucht indes die Genehmigung der Stadtverwaltung.
Denn wie Coca Cola, Tempo und Maggi ist auch die "Bundeshauptstadt der Energie"
nun ein Markenname.
Und auf dessen Schutz wird ab sofort ein besonderes Augenmerk gerichtet.

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