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Hier finden Sie einige Pressestimmen zum RWE-Konzern, zum BoA-Kraftwerk und zu unserer
Bürgerinitiative Big BEN. Wir haben zusammengetragen was an Veröffentlichungen zu finden war.
Auffallend ist dabei, dass das Unternehmen RWE nicht nur Strom produziert sondern auch fasst
ausnahmslos negative Schlagzeilen.
24.12.2002 Ausschussmehrheit lehnte Peters' Vorschlag
Kölnische Rundschau
17.12.2002 Stadtrat gegen weitere Blöcke
Kölner Stadt-Anzeiger
11.12.2002 "Überall scheint die Sonne
und bei uns regnet es" Kölnische Rundschau
11.12.2002 Eisiger Wind und heiße Schwaden
Kölner Stadt-Anzeiger
08.11.2002 "Wolken nehmen uns die Sonne"
Kölner Stadt-Anzeiger
08.11.2002 Rheinbraun sorgt für Schock
im Hinterzimmer Kölnische Rundschau
27.09.2002 "Die Wohnkultur ist gleich null"
Kölnische Rundschau
04.09.2002 Keine Gewerbesteuer von RWE Rheinbraun
Kölnische Rundschau
Ausschussmehrheit lehnte Peters' Vorschlag zu BoA-Plänen ab
Entschädigung ist noch kein Thema
Kölnische Rundschau
24.12.2002
Gestern traf sich der Hauptausschuss zu einer Sondersitzung. Es
ging um den Plan von RWE Rheinbraun, in Niederaußem noch vier
weitere BoA-Blöcke an das Kraftwerk anzubauen. Im Ausschuss
sollte das weitere Vorgehen abgestimmt werden.
Dabei wurde deutlich, dass es durchaus verschiedene Vorstellungen
gibt, wie dem Ansinnen des Konzerns zu begegnen sei.
Keine Mehrheit fand Bürgermeister Jürgen Peters für
den Vorschlag der Stadtverwaltung, mit der Landesregierung über
"städtbaulichen Maßnahmen" zugunsten des schwer
belasteten Standorts Niederaußem zu verhandeln.
Irritiert erklärte der CDU-Fraktionschef Winfried Kösters,
Peters Vorschlag klinge, als habe sich die Stadt schon mit dem Bau
der neuen BoA-Blöcke abgefunden und versuche jetzt nur noch,
soviel wie möglich herauszuschlagen. Kösters: "Soweit
sind wir noch nicht."
Der Vorsitzende der UBB/FDP-Fraktion Ulrich Martin sah dies ähnlich.
Er bemerkte, man solle RWE Rheinbraun zunächst die Gelegenheit
geben, einen neuen, vielleicht für die Anwohner erträglicheren
Vorschlag zur Erweiterung des Kraftwerks zu machen.
Zustimmung fand Peters Vorschlag lediglich bei der SPD-Fraktion,
dessen Sprecher, Willi Abts, sagte: "Wir sind nicht Herr des
Verfahrens." CDU, UBB/FDP und Artur Forge lehnten jedoch Peters
Vorschlag ab.
Der Ausschuss beschloss zudem mehrheitlich, dass sich demnächst
ein Arbeitskreis mit dem Thema "BoA-Planung" beschäftigen
solle. Ihm sollen jeweils zwei Vertreter der Anwohner von Niederaußem,
Rheidt-Hüchelhoven und Auenheim angehören, zwei Vertreter
von RWE, zwei Beamte der Stadtverwaltung und drei Politiker aus
dem Hauptausschuss.
Die CDU kündigte an, mit den Christdemokraten im Regionalrat
Gepräche zu führen, damit diese sich über die Folgen
der RWE-Pläne für Niederaußem klar würden.
Im Regionalrat wird über das Vorhaben entschieden.
Stadtrat gegen weitere Blöcke
Kölner Stadt-Anzeiger
17.12.2002
BERGHEIM - Das Kraftwerk Niederaußem soll nach Meinung des Rates nicht
erweitert werden.
"Wir brauchen Sonne" stand auf dem Plakat im gut gefüllten
Zuschauerraum des Bergheimer Ratssaales. Zahlreiche Menschen aus
Niederaußem, Rheidt-Hüchelhoven und aus anderen das Niederaußemer
Kraftwerk umgebenden Dörfern waren zur Ratssitzung gekommen.
Sie wollten wissen, was die Politik zu der auf der Bürgerversammlung
in der Niederaußemer Tennishalle vorgetragenen Kritik sagen
würde. Politik und Verwaltung aus Bergheim stehen an der Seite
der Bürgerinitiative. Eine Vergrößerung des Kraftwerks
wäre mit diesen Entscheidungsträgern nicht zu machen.
Doch damit ist das Rennen noch lange nicht gelaufen.
"Das wäre ein Fehler"
"Ist hier irgendjemand, der glaubt, das Verfahren für
die neuen BoA-Blöcke könnte an einer fehlenden Zustimmung
aus Bergheim scheitern?", fragte Bürgermeister Jürgen
Peters demonstrativ in die Runde, um sich die Antwort kurz darauf
selber zu geben: "Das wäre nämlich ein Fehler."
Denn letztlich entscheidet die Landesregierung. Die Stadt müsse
"zügigst" Kontakt mit den Ministerien aufnehmen,
mit RWE Rheinbraun und mit allen, die an der Entscheidung beteiligt
sind: "Und wir müssen uns beeilen."
CDU-Fraktionschef Dr. Winfried Kösters vollzog den Schulterschluss
mit den Bürgern: "Die CDU steht an der Seite der Bürger.
Wir wollen keine weiteren BoA-Blöcke als Kraftwerkserweiterung."
Aber auch Kösters ist sich bewusst, dass "nicht wir entscheiden".
Deshalb habe man die CDU-Fraktion im Regionalrat nach Bergheim eingeladen.
Den Abgeordneten soll deutlich werden: "Es geht nicht, dass
erst erweitert wird und dann sehen wir mal, wo wir Blöcke abschalten."
SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Peter Wolle unterstützte die
Meinung des Beigeordneten Albert Willems. Der hatte den Politikern
geraten, zunächst abzuwarten, bis RWE Rheinbraun die auf der
Bürgerversammlung gestellten Fragen beantwortet habe. Das soll
auf der Ratssitzung im Januar geschehen: "Es wäre falsch,
schon jetzt die Tür zuzuschlagen." An die Frage der Standortsicherung
müsse man mit "Augenmaß und Sachlichkeit" herangehen
"und die Bürgerinteressen nicht aus den Augen lassen",
sagte Wolle.
"Wir haben RWE mit BoA 1 den kleinen Finger gereicht, jetzt
wollen sie die ganze Hand", kritisierte Ingo Schäfer im
Namen der UBB / FDP. Mehr Belastungen als früher dürfe
es nicht geben, wobei der erste BoA-Block schon eine Mehrbelastung
sei. Reinhard Jütte von den Grünen findet, dass für
den ersten BoA-Block in Niederaußem alte Blöcke abgestellt
werden müssten. Elisabeth Hülsewig und Rolf Kremer stellten
als Ortsvorsteher von Fliesteden und Niederaußem klar, dass
sie gegen eine Erweiterung des Kraftwerks sind. Kremer forderte
sogar einen Baustopp an der Nord-Süd-Kohlebahn. Bisherige Beschlüsse
sehen die L 279 als Grenze.
Einstimmig entschied der Rat gegen eine Kraftwerkserweiterung. Auf
Vorschlag von UBB / FDP soll ein Arbeitskreis mit den Bürgern
gebildet werden. Schnellstmöglich soll Kontakt zu "allen
Verfahrensbeteiligten" aufgenommen werden. Damit beschäftigt
sich der Hauptausschuss einen Tag vor Heiligabend. Peters: "Ich
hoffe im Interesse der Stadt und ihrer Menschen, dass wir das Ding
geregelt kriegen."
Aufgebrachte Bürger diskutierten über den Bau von neuen
BoA-Blöcken in Niederaußem "Überall scheint die Sonne und bei
uns regnet es"
Kölnische Rundschau
11.12.2002
Eine schwarze Wolke quillt aus dem Kühlturm. "Rheidt
im Dauerschatten? Nee, Nö!", steht auf der großen
Pappfigur. Endlich wieder öfter die Sonne sehen wollen Hans-Joachim
Gilles, Georg Keulertz und Christoph Mödder von der Bürgerinitiative
gegen den Bau eines weiteren BoA-Blocks in Niederaußem. "Ursprünglich
hatten wir uns wegen des Baus eines neuen BoA-Blocks zusammen getan,
jetzt ist schon von vieren die Rede", sagte Mödder.
"Es ist eine Katastrophe, rundherum scheint die Sonne und bei
uns regnet es", schimpfen die Menschen aus Rheidt und Hüchelhoven.
Doch nicht nur dort ist man gegen den Bau eines weiteren BoA-Blocks,
sondern auch in den angrenzenden Ortschaften, in denen rund 12000
Menschen leben.
Rund 600 Menschen kamen am Dienstagabend nicht weit vom Streitobjekt,
dem Kraftwerk, entfernt, in der Niederaußemer Tennishalle
zusammen, um sich über die weitere Planung von RWE/Rheinbraun
zu informieren. Dabei waren die Gemüter reichlich erhitzt.
Die Menschen erzählten von ihren Ängsten, Sorgen und der
derzeitigen Situation.
Gerhard Schulz versucht derzeit sogar sein Haus in Niederaußem
zu verkaufen, denn bis zum Ende seines Lebens will er nicht in der
Nähe des Kraftwerks leben. Der 73-Jährige fand sogar einen
Käufer aus Köln, dem sein Haus gefiel, allerdings wollte
er eine Preissenkung um 40 Prozent wegen des Kraftwerks.
Vier weitere Boa-Blöcke, das ist einfach zu viel, waren sich
am Dienstag alle einig. Doch das sei derzeit noch gar nicht im Gespräch,
so Frank-Detlef Drake, Leiter der Planungsabteilung des Bereichs
Kraftwerk bei RWE Rheinbraun. Vielmehr solle zunächst einmal
die Fläche gesichert werden. Diese Fläche liegt direkt
zwischen dem derzeitigen BoA-Block und Rheidt. Die Mönchshöfe
und der Gilbach sollen zwischen den BoA-Türmen bestehen bleiben.
Die Bundesstraße 279 solle allerdings nicht überschritten
werden, hatte der Bergeimer Stadtrat gefordert. Zudem seien vier
Blöcke zuviel, maximal drei vertretbar _ einschließlich
dem schon gebauten.
Den Informationsabend moderierte der Bergheimer Bürgermeister
Jürgen Peters, der damit keine leichte Aufgabe hatte, stand
er doch oft in der Kritik der Anwesenden. Die Stadt könne bei
der Angelegenheit nicht alleine beschließen, betonte der Bürgermeister.
Bei der Vergabe der Grundstücke entscheidet nämlich die
Bezirksregierung, die an diesem Abend durch Joachim Diehl, Abteilungsdirektor
der Bezirksregierung, vertreten war. Die Bezirksregierung erstellt
den Gebietsentwicklungsplan und legt Bau- und Gewerbeflächen fest.
Weniger Dampfschwaden und weniger Schadstoffausstöße,
versprach Kraftwerksdirektor Theo Tippkötter. Zudem sollen
für die neuen BoA-Blöcke alte abgeschaltet werden, sowohl
in Neurath und Frimmersdorf, als auch in Niederaußem. Die
alte Kraftwerksfläche könne dann als Gewerbefläche
genutzt werden, schlug Drake vor. Während die Menschen im Saal
schimpften, lobte Tippkötter die 40-jährige gute Zusammenarbeit
mit den Ortsbewohnern und bat um deren weitere Mithilfe.
Neue Blöcke gebe es in diesem Jahrzehnt in Niederaußem
nicht mehr, versprach der Kraftwerksdirektor. Allerdings benötige
man, um die Braunkohlefördermenge zu verstromen rund zehn bis
elf neue BoA-Blöcke, erklärte Drake. Das nächste
Kraftwerk in Niederaußem wäre dann etwa für 2012 vorgesehen.
Nicht nur die Bürger, auch die Grünen machten mit einem
Flugblatt auf sich aufmerksam und forderten "Kein neuer Braunkohle-Kraftwerkstandort
in Bergheim". Dieter Hunke aus Niederaußem bat die Politiker,
für die Bürger zu kämpfen, bis es nicht mehr gehe.
"Denn wenn sich RWE Rheinbraun ersteinmal die Flächen
gesichert hat", ist sich Hunke sicher, "dann wird hier
auch gebaut."
Eisiger Wind und heiße Schwaden
Kölner Stadt-Anzeiger
11.12.2002
Weit auseinander gehen die Meinungen über den Bau weiterer
BoA-Blöcke in Niederaußem.
NIEDERAUSSEM - Die 570 Stühle in der Niederaußemer Tennishalle reichten
bei weitem nicht aus. An den Wänden drängten sich die
Besucher bis ins Foyer. Zwischen 600 und 700 Menschen hatten an
diesem eiskalten Montagabend den Weg zur städtischen Informationsveranstaltung
gefunden. Es ging schließlich um ein heißes Eisen: RWE
Rheinbraun möchte in den kommenden 30 Jahren in Niederaußem
bis zu vier weitere BoA-Blöcke errichten. Dafür sollen
alte Blöcke in Frimmersdorf, Weisweiler und auch Niederaußem
nach und nach abgeschaltet werden. Insgesamt, so versprach der Konzern
den Bürgern, würde der Wind durch die höhere Effizienz
von BoA weniger der heißen Schwaden über Rheidt und Hüchelhoven,
Büsdorf und Fliesteden treiben.
Doch die traditionelle Nestwärme zwischen Konzern und Bürgern
im Revier schien einer abgekühlten, distanzierten, bisweilen
sogar schroff ablehnenden Haltung gewichen zu sein. Zumindest war
das an diesem Abend so. Kraftwerkschef Theo Tippkötter und
auch Dr. Frank Drake von RWE, die die Kraftwerkserneuerungspläne
eingangs noch einmal vorgestellt hatten, wehte einige Male ein eisiger
Wind ins Gesicht. Und das, obwohl beide den Niederaußemern
für ihre Geduld bei erlittene Unbilden dankten, den höheren
Wirkungsgrad der BoA-Blöcke hervorhoben, sinkende Staubemissionen
voraussagten und auch Kompromissbereitschaft in der Frage, ob einmal
statt fünf nur vier Blöcke in Niederaußem stehen
sollen, signalisierten. Für das Frühjahr lud Tippkötter
die Bürger ins Kraftwerk ein. Außerdem soll es bald eine
ständige Informationsstelle über BoA geben.
Bürgermeister Jürgen Peters bemühte sich als Moderator
nach Kräften, manchen Wortbeiträgen Schärfen und
Spitzen zu nehmen. Doch auch er zeigte Verständnis: "Wenn
ich da fünf BoA-Blöcke vor meinem geistigen Auge sehe,
dann könnte das erdrückend wirken. Wir wohnen auch hier,
nicht nur Rheinbraun." Vorabsprachen zwischen RWE und der Stadt
gebe es ebenso wenig wie Entschädigungen für die Stadt.
Der Bürgermeister konstatierte vielmehr, dass die "Sensibilitäten"
in Niederaußem und Umgebung weit höher seien als an dem
zweiten von RWE bevorzugten Kraftwerksstandort in Neurath: "Hier
leben 12 000 Menschen im engsten Umkreis des Kraftwerks, in Neurath
nur 2000 bis 3000." Ein Überspringen der Landstraße
279 an den Mönchhöfen "ist mit uns nicht zu machen".
Applaus war auch dem Ex-SPD-Stadtrat Dieter Hunke sicher, der die
Politiker im Rat aufforderte, "bis zum Letzten" gegen
den Kraftwerksausbau zu kämpfen und weitere BoA-Blöcke
lieber am Tagebaurand zu errichten.
Umgekehrt sah sich Harald Könen, Betriebsratsvorsitzender im
Kraftwerk, einer ganzen Reihe von kritischen Zwischenrufen ausgesetzt,
als er daran erinnerte, dass viele Mitarbeiter, Frühruheständler
und Rentner ihr Einkommen Kraftwerk und Kohle verdankten: "BoA
sichert über 1000 Arbeitsplätze in Niederaußem.
Hier geht es vielen nur um Eigennutz, besonders die Rentner sollten
darüber mal nachdenken." Auch dafür gab es Applaus
von einem Teil des Publikums. Die Meinung gingen auseinander.
Der 73-jährige Gerhard Schulz aus Niederaußem reihte
sich hingegen bei den Kritikern ein. Er beklagte, dass die Preise
für Immobilien um das Kraftwerk herum verfielen. Gleich mehrere
Bürger monierten den Mangel an Sonnenlicht durch Kraftwerksschwaden.
Fliestedens Ortsvorsteherin Elisabeth Hülsewig fragte den Leiter
der Planungsbehörde beim Regierungspräsidenten, Joachim
Diehl, frei heraus: "Gibt es überhaupt noch Möglichkeiten,
die neuen Blöcke zu verhindern?" Der sagte: "Im Prinzip
ja."
Niederaußems Ortsvorsteher Rolf Kremer forderte Rheinbraun
auf, die Unternehmen aus der Region wie früher stärker
am Bau neuer Blöcke zu beteiligen: "Auf der BoA-Baustelle
musste man beim Pförtner schon Polnisch sprechen, sonst hat
der einen gar nicht reingelassen." Auch dass RWE keine Gewerbesteuer
mehr an die Städte zahle, kritisierte Kremer. Das alles sei
früher besser gewesen. Doch Vertreter der Bürgerinitiative
gingen auf Distanz zu Kremer: "Was gestern war, war gestern.
Es geht nicht ums Austarieren eines Preises, um uns zu kaufen. Wir
wollen keinen weiteren Block."
"Wolken nehmen uns die Sonne"
Kölner Stadt-Anzeiger
08.11.2002
In Hüchelhoven formiert sich Protest gegen den Bau weiterer
BoA-Blöcke. Die Gegner luden am Mittwoch zum Info-Abend ins Pfarrheim.
Das Ziel ist klar. Nur der Weg dorthin, der muss noch gefunden werden.
Denn ob und wie Hüchelhovener Bürger den Bau weiterer
Kraftwerksblöcke vom Typ BoA (Braunkohlenkraftwerk mit optimierter
Anlagentechnik) verhindern können, ist ungewiss. Fest steht
hingegen, dass die Zahl der Gegner rings um das Kraftwerk Niederaußem
wächst. Nachdem sich bereits unmittelbare Anrainer gegen weitere
Blöcke geäußert hatten, weitet sich der Protest
nun auf den Nachbarort Hüchelhoven aus. Dem Kraftwerksbetreiber
RWE Rheinbraun bläst von dort der Wind ins Gesicht.
Das bekamen am Mittwoch Vertreter des Unternehmens im Pfarrheim
des Ortes zu spüren. Auf Einladung der Initiatoren Georg Keulertz
und Hans Joachim Gille waren Klaus Henrich, zuständig für
die Genehmigungen und den Umweltschutz bei Kraftwerken, sowie Bernhard
von Rothkirch, zuständig für die Tagebaue, nach Hüchelhoven
gekommen, um über die BoA-Pläne zu informieren.
Kein Zweifel: Niederaußem soll neben Neurath der Kraftwerkstandort
der Zukunft werden, der nun planerisch "entwickelt" wird.
Das heißt konkret, dass bis zum Jahr 2030 bis zu vier neue
Blöcke samt Kühltürmen auf einer Fläche von
knapp 50 Hektar entstehen könnten. Und die liegen in Richtung
Hüchelhoven. Mit dem Bau des ersten Blockes dort soll aber
erst 2012 begonnen werden, vorausgesetzt, der geplante neue Kessel
am Kraftwerk Neurath kann in den nächsten Jahren errichtet
werden.
So lange wollen die Gegner nicht mit ihrem Protest warten, zumal
sie glauben, dass Rheinbraun bereits große Flächen zwischen
dem Kraftwerk und der Landstraße L 279n erworben hat. Aus
dem Unternehmen ist darüber allerdings nichts zu erfahren.
Aus den Reihen der knapp 100 Besucher waren die Stellungnahmen ganz
überwiegend negativ. Die Hüchelhovener sehen sich schon
einer Wand aus Kühltürmen und Kraftwerksanlagen gegenüber.
"Wir sind von Rauchschwaden umgeben", meinte einer. "Die
Wolken nehmen uns schon jetzt die Sonne und die Lebensfreude",
kritisierte ein anderer. Die Argumente der Unternehmensvertreter,
wonach die Blöcke schrittweise gebaut werden und dafür
alte Kessel sukzessive stillgelegt würden, konnten die Kritiker
nicht überzeugen. Ebenso wenig die Argumentation, dass RWE
damit die Klimaschutzanforderungen aus dem Kyoto-Protokoll erfüllen
könne und dadurch eine "deutlich günstigere Umweltsituation"
entstehe. Ebenso beruhigte der Hinweis nicht, die Pläne für
den Bau der Blöcke seien noch nicht eingereicht und folglich
sei auch noch nichts entschieden. Sie glauben, dass hinter den Kulissen
längst alles geregelt ist.
Die Besucher übten vielmehr Kritik am Arbeitsplatzabbau des
Unternehmens und ließen durchblicken, warum sie bisher mit
dem Kraftwerk leben konnten. "Jeder Zweite hat früher
bei Rheinbraun gearbeitet. Heute ist das anders, unsere Kinder werden
dort nicht mehr arbeiten."
Nach eigenen Angaben besteht die Initiative aus einem "harten
Kern" von zwölf Leuten. In eine Liste, auf der die Ziele
formuliert sind, haben sich knapp 170 Bürger eingetragen. Schon
in Kürze wollen die Initiatoren einen Verein gründen.
Im nächsten Schritt soll dann geklärt werden, wie man
gegen die Pläne von RWE Rheinbraun vorgehen könne. Gille:
"Da ist viel Kreativität gefragt."
Bis zu vier weitere
BoA-Kraftwerksblöcke könnten bis 2030 in Niederaußem entstehen
Rheinbraun sorgt für Schock im Hinterzimmer.
Kölnische Rundschau
08.11.2002
HÜCHELHOVEN. Die Niederaußemer, Rheidter und Hüchelhovener
sind gekommen, um gegen einen weiteren eventuell in Niederaußem
geplanten BoA-Block zu protestieren, doch RWE Rheinbraun bietet
mehr: Zum gerade in Betrieb genommenen Braunkohlenkraftwerk mit
optimierter Anlagentechnik könnten sich vier weitere gesellen.
Und eine ähnlich Konzentration wäre auch in Neurath möglich.
Die Rheinbraun-Abteilungsleiter Klaus Henrich und Bernhard v.Rothkirch
haben das RWE-Überraschungsei am Mittwoch im Pfarrheim in Hüchelhoven
serviert. 70Leute im Hinterzimmer, kein Rheinbraun-Vorstand in der
Nähe, aber eine unglaubliche Nachricht. Unternehmenssprecher
Guido Steffen bestätigt auf Anfrage die Planung, relativiert
sie aber als "Prophylaxe", als vorbeugende Maßnahme
also. Zum Bau eines weiteren BoA-Blocks in Neurath oder in Niederaußem
müsse der Gebietsentwicklungsplan geändert werden, so
Steffen. Und um sich in diesem Verfahren mögliche Standorte
zu sichern, stelle Rheinbraun diesen umfassenden Antrag. Herr des
Verfahrens sei der Regierungspräsident in Düsseldorf.
Und dem habe man nicht durch zu viel Öffentlichkeitsarbeit
vorgreifen wollen, erläutert Steffen. Der Bergheimer Bürgermeister
Jürgen Peters immerhin sei unterrichtet worden.
Zurück ins Pfarrheim: Jochachim Gille, Sprecher der Bürgerinitiative,
und Ortvorsteher Georg Keulertz haben zur Bürgerinformation
eingeladen. Henrich und Rothkirch finden ein staunendes Publikum:
Im Zuge des Kraftwerkerneuerungsprogramms, das 1994 mit der Landesregierung
vereinbart wurde, konzentriere sich RWE Rheinbraun in erster Linie
auf Neurath und Niederaußem.
Bis zum Jahr 2030 gelte es, 33 alte Kessel, die bislang auf vier
Standorte in der Region verteilt sind, gegen zehn neue Anlagen auszutauschen.
"Sie werden BoAI ähneln, aber wir denken auch darüber
nach, wieder kleinere Kessel zu bauen", berichtet Henrich.
Für vier weitere Blöcke brauche man 58Hektar Grund und
Boden zwischen der L279n und der Braunkohlenbahn. RWE Rheinbraun
werde nach Rücksprache mit der Stadt eine Nutzungsänderung
im Gebietsentwicklungsplan beantragen.
Der Saal kocht. Block neben Block mit bis zu 200 Meter hohen Kühltürmen
dicht Ortsrand, so skizzierten die Bürger ihre Schreckensvision.
"Bereits jetzt stehen wir vor einer Wand aus Kühltürmen
und Nebelschwaden", sagt ein Anwohner, sein Grundstück
sei nichts mehr wert. "Wir können ja den ganzen Tag das
Licht anmachen, dann verdienen die wenigstens dran", folgt
ein erbitterter Zwischenruf. "Dass die Politiker mitmachen,
ist für mich der eigentliche Skandal", schallt weitere
Empörung.
Ein zweiter BoA-Block stößt in Niederaußem auf Ablehnung
"Die Wohnkultur ist gleich null."
Kölnische Rundschau
27.09.2002
BERGHEIM-NIEDERAUSSEM. Ein Großteil der Bürgerinnen
und Bürger von Niederaußem lehnen einen zweiten BoA-Block
am Kraftwerk entschieden ab. In einer Umfrage, die der CDU-Ortsverband
bereits im März gemacht hatte, sprachen sich 53,5 Prozent der
Teilnehmer gegen den Bau eines weiteren BoA-Blocks aus.
Die Christdemokraten verbreiteten erst jetzt ihre Umfrageergebnisse
in einer Pressemitteilung. Bisher hatten sie sie lediglich ins Internet
gestellt. Einen Anlass zur nachträglichen Veröffentlichung
bot jetzt Bürgermeister Jürgen Peters. Er berichtete am
Montag in der Ratssitzung, dass RWE Rheinbraun erste Pläne
für einen zweiten BoA-Block zur Genehmigung eingereicht habe.
Bei seiner Umfrage hatte der CDU-Ortsverband Niederaußem/Auenheim
2500 Haushalten einen Fragebogen zugeschickt. 142 haben den Bogen
zurückgeschickt. Lediglich 12,6 Prozent der Beteiligten kreuzten
an: "Ich würde einen weiteren BoA-Block in Niederaußem
begrüßen." Immerhin 33 Prozent entschieden sich
für die Variante: "Ich würde einen weiteren BoA-Block
akzeptieren, wenn wirksame Maßnahmen zur Verkehrsentlastung
durchgeführt werden."
Die Befragten hatten auch die Möglichkeit, Bemerkungen auf
die Bögen zu schreiben. "Wir wollen kein zweites Ruhrgebiet
werden", war unter anderem zu lesen. Die Wohnungen und Häuser
im Ort würden immer mehr an Wert verlieren. Zuviel Dampf und
Nebel, zuwenig Sonne, dafür Staub und Lärm machen den
Niederaußemern zu schaffen.
"Die Wohnkultur ist gleich null. Der Lastwagen-Verkehr ist
unerträglich", beklagen Anwohner. Anderen reicht es: "Es
gibt kein lebenswertes Leben mehr in Niederaußem - wir verkaufen."
Wieder andere befürchten noch unbekannte Umweltbelastungen
durch einen weiteren BoA-Block. Die Vorteile durch den BoA-Bau -
etwa die Kaufkraft der 2000 am Bau beteiligten Arbeiter - schätzen
sie gering: "Da profitieren doch nur Aldi und die Frittenbuden
davon".
Und auch die vielen Steuern, die RWE zumindest früher einmal
gezahlt hat, sind kein Trost: "Das ganze Geld fließt
nach Bergheim und nicht nach Niederaußem." Mehr Arbeitsplätze
gibt es mit BoA auch nicht, im Gegenteil: "Ein zweiter BoA-Block
führt doch nur zu Stellenabbau."
Die BoA-Befürworter sehen das natürlich anders. "Es
sind die Arbeitsplätze unserer Kinder und Enkel", schreibt
einer. "Man kann nicht alles ohne Belastung bekommen",
ein anderer. "Investitionen müssen her. Ohne Investitionen
keine Arbeitsplätze, kein Einkommen", "Ohne Investitionen
stirbt der Ort" ist auch zu lesen. Oder: "Ohne Rheinbraun
ist das hier eine ganz arme Gegend."
Immer wieder beklagen sowohl Befürworter als auch Gegner die
Verkehrsbelastungen, die durch die BoA-Baustelle den Niederaußemern
zugemutet wurden. "Das Verkehrsproblem muss gelöst werden."
Eine Umgehungsstraße wird von vielen gefordert.
Tatsächlich plant RWE Rheinbraun einen zweiten BoA-Block in
Niederaußem zunächst nur als Ausweichlösung. Eigentlich
ist die Entscheidung für Neurath als Standort für den
nächsten BoA-Block schon gefallen. Wenn es allerdings in Neurath
Schwierigkeiten bei der Genehmigung geben sollte, sollen die - dann
schon genehmigten - Pläne für Niederaußem aus der
Schublade geholt werden.
Keine Gewerbesteuer von RWE Rheinbraun
"Das hatten wir nicht erwartet."
Kölnische Rundschau
04.09.2002
Die Kreisstadt wird von RWE im kommenden Jahr und 2004 keine Gewerbesteuervorauszahlung
bekommen. Diese Nachricht sorgt zurzeit im Bergheimer Rathaus für
erhebliche Unruhe. "Das hatten wir nicht erwartet" , sagte
Kämmerer Heinz Clemens gestern. RWE zahlt die Steuern für
alle Konzerntöchter, also auch RWE Rheinbraun.
Der Konzern habe auch schon in diesem Jahr keine Gewerbesteuer gezahlt,
sagt Clemens Dafür habe es jedoch im vergangenen Jahr eine
ungewöhnlich hohe Nachzahlung des Unternehmens gegeben. "Davon
kam einiges in die Rücklage, wovon wir in diesem Jahr profitieren
können", erläuterte Heinz Clemens.
Eigentlich hatte der Bergheimer Kämmerer erwartet, dass RWE
ab dem kommenden Jahr wieder wie gewohnt Gewerbesteuer zahlen werde.
"Wir haben früher regelmäßig zweistellige Millionenbeträge
bekommen, dann nichts mehr und dann diese dicke Nachzahlung. Wir
waren der Meinung, das würde sich wieder einpendeln",
sagte Clemens.
Es liegt nicht am ausgekohlten Tagebau
Früher habe die Stadt Bergheim mit Gewerbesteuern von RWE von
durchschnittlich etwa 17Millionen Euro im Jahr rechnen können.
Zuletzt waren es noch etwa neun Millionen Euro. Nun kommt erstmal
gar nichts mehr.
Der Rückgang der Steuergelder habe nichts mit dem Ende des
Tagebaues Bergheim zu tun, versichert Clemens. "Solange der
Tagebau noch in der Rekultivierung ist, zählt er. Einschnitte
gibt es erst danach". Das Ausbleiben der Kohle-Millionen habe
mit Steuergesetzen zu tun, die Großkonzernen eine Menge Möglichkeiten
böten, ihre Investitionen - wie zum Beispiel auch Firmenkäufe
- abzusetzen.
Dies bestätigte auch eine Sprecherin der RWE-Zentrale in Essen.
"Die momentane Steuergesetzgebung gibt uns die Möglichkeit,
Firmenkäufe geltend zu machen." Und RWE habe mit dem Erwerb
von Unternehmen wie Thameswater, TransGas oder Innogy eine Reihe
teurer Einkäufe getätigt.
Bergheim sei keineswegs die einzige Stadt, die wegen der ausbleibenden
RWE-Rheinbraun-Steuern in Schwierigkeiten geraten werde, meint Kämmerer
Clemens. "Ich gehe davon aus, dass es den anderen Kommunen
im Erftkreis nicht besser ergehen wird. Fast jede Kommune bekommt
Gewerbesteuer von RWE und Rheinbraun". Zwar gebe es in Bergheim
noch 500 weitere Gewerbesteuerzahler, aber die zahlten im Vergleich
jeweils eher kleine Beträge in die Stadtkasse.
Da eine Stadt, die wenig Gewerbesteuer erhält, einen höheren
Anteil an der Einkommenssteuer bekommt, wird das Ausbleiben der
Gewerbesteuer nicht mit voller Wucht auf den städtischen Haushalt
durchschlagen. Clemens rechnet mit einem Loch von 1,8 Millionen
Euro im kommenden Jahr und von 2,3 Millionen Euro im darauf folgenden
Jahr.
Das ist deutlich weniger als der Vorsitzende der CDU-Fraktion im
Bergheimer Stadtrat, Winfried Kösters, am Montag noch befürchtet
hatte. Aber es ist immer noch zuviel. Clemens: "Zwei Millionen
Euro pro Jahr einzusparen ist gar nicht so einfach." Der Ausgleich
des Haushaltes sei mit den relativ kleinen Einsparungen, die Politiker
üblicherweise vorschlügen, nicht mehr zu schaffen.
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