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Hier finden Sie einige Pressestimmen zum RWE-Konzern, zum BoA-Kraftwerk und zu unserer
Bürgerinitiative Big BEN. Wir haben zusammengetragen was an Veröffentlichungen zu finden war.
Auffallend ist dabei, dass das Unternehmen RWE nicht nur Strom produziert sondern auch fasst
ausnahmslos negative Schlagzeilen.
23.12.2003 Regionalrat will Zeitplan für
BoA Kölner Stadt-Anzeiger
16.12.2003 Stommelner machen mobil Kölner
Stadt-Anzeiger
16.12.2003 Stark machen gegen Braunkohlenkraftwerk
Kölnische Rundschau
29.10.2003 "Macht den Auenheimern Mut"
Kölnische Rundschau
22.10.2003 "Hier zieht keiner mehr hin"
Kölnische Rundschau
08.07.2003 Doppel-BoA in Neurath? Kölnische
Rundschau
15.08.2003 Initiative weiter gegen neue Blöcke
Kölner Stadt-Anzeiger
13.08.2003 "Bekenntnis zur Braunkohle"
Kölnische Rundschau
29.05.2003 Die Republik ohne Strom Kölner
Stadt-Anzeiger
29.05.2003 Pulheim protestiert gegen die BoA-Kraftwerke
Kölnische Rundschau
26.05.2003 Für Rheinbraun drängt die
Zeit ... Kölner Stadt-Anzeiger
23.05.2003 RWE muss nachbessern Kölnische
Rundschau
07.05.2003 "Wir wohnen wie auf einem
Fabrikgelände" Kölnische Rundschau
29.04.2003 RWE will Terrain für BoA sichern
Kölner Stadt-Anzeiger
09.04.2003 Rat bekennt sich zu BoA-Standort
Kölner Stadt-Anzeiger
25.03.2003 Zweiter Block erst 2012? Kölner
Stadt-Anzeiger
25.03.2003 SPD im Regionalrat für neue
BoA-Blöcke Kölnische Rundschau
22.03.2003 SPD will ins Verfahren einsteigen
Kölner Stadt-Anzeiger
15.03.2003 "Die alten Blöcke werden
nur ersetzt" Kölnische Rundschau
08.03.2003 Mitspracherecht gefordert Kölnische
Rundschau
26.02.2003 BoA-Block nach Störfall abgeschaltet
Kölnische Rundschau
22.02.2003 Im April kein Antrag für Blöcke
Kölner Stadt-Anzeiger
22.02.2003 Regionalrat vertagt BoA-Entscheidung
Kölnische Rundschau
19.02.2003 CDU-Chefs sind nun wieder einig
Kölnische Rundschau
18.02.2003 Jetzt kommt Protest aus Bedburg
Kölner Stadt-Anzeiger
15.02.2003 Kraftwerk bei Kirchherten? Kölner
Stadt-Anzeiger
01.02.2003 BoA bleibt Zankapfel in Niederaußem
Kölner Stadt-Anzeiger
25.01.2003 BoA-Pläne sorgen für Zündstoff
Kölner Stadt-Anzeiger
18.01.2003 Der Protest zeigt Wirkung Kölner
Stadt-Anzeiger
16.01.2003 CDU gegen BoA Kölnische Rundschau
Regionalrat will Zeitplan für BoA
Kölner Stadt-Anzeiger
23.12.2003
Müll und Papierschlämme werden in alten Kraftwerksanlagen verbrannt.
BERGHEIM - Präzisere Angaben über weitere BoA-Blöcke
fordert der Kölner Regionalrat von RWE Power. Das bestätigten
der Vorsitzende Gerhard Lorth (CDU) und seine Stellvertreterin,
die Grüne Bettina Herlitzius. Alle Parteien wollen laut Lorth
"eine Art Verpflichtungserklärung von RWE Power haben,
die Neubau, Abschalten und Abbau in ein Zeitraster bringt".
Die Bürgerinitiative "Big Ben" aus Rheidt-Hüchelhoven
begrüßte diese Entscheidung. Der stellvertretende Vorsitzende
Hans-Joachim Gille sagte: "Der Regionalrat hat die richtigen
Fragen gestellt und das über alle Fraktionen hinweg."
Tatsache ist, dass die neuen BoA-Blöcke nicht nur im Kohleverbrauch
effizienter sind als die alten, sondern auch weniger Platz brauchen.
So ersetze der hohe Turm in Niederaußem von seiner Stromleistung
(über 950 Megawatt) her mehr als sechs der alten 150-Megawatt-Blöcke
in Frimmersdorf. Dort, so folgern Gille und Big-Ben-Schatzmeister
Walter Winkelius, müsse dann auch Platz frei werden, den man
für den Bau von neuen BoA-Blöcken nutzen könne. Oder
andersherum: "Es ist nicht notwendig, zwischen Niederaußem
und Rheidt-Hüchelhoven aus einer jetzigen landwirtschaftlichen
Fläche neues Bauland für weitere Blöcke zu machen."
RWE Power habe in der Sitzung schließlich auch erklärt,
man wolle keinen der jetzigen Kraftwerksstandorte in Frimmersdorf,
Neurath, Niederaußem und Weisweiler aufgeben. Überall
sei der Bau der neun weiteren geplanten BoA-Blöcke möglich.
Nach jetzigen Planungen sollen in Neurath fast zeitgleich die nächsten
beiden BoA-Blöcke gebaut werden. 2008 und 2009 sollen sie laut
RWE Power ans Netz gehen. Dafür sollen in Frimmersdorf zwölf
und in Niederaußem zwei 150-MW-Blöcke außer Betrieb
genommen werden. Auch ein 300-MW-Block in Niederaußem soll
stillgelegt werden. Die Inbetriebnahme des zweiten BoA-Blockes in
Niederaußem soll laut RWE Power "nicht vor 2014 / 15
erfolgen". Auch für dieses BoA sollen Altanlagen in Niederaußem
und Frimmersdorf weichen.
Wann genau die Stilllegungen erfolgen und wie es nach 2014 weitergeht,
wollen die Politiker und die Mitglieder der Initiative nun von der
Firma wissen. Gille möchte Klarheit haben: "Die Braunkohle
in Hambach und Garzweiler reicht für etwa 40 Jahre. Das BoA-Programm
läuft aber bis etwa 2030. Was soll dann aus den Kraftwerken
werden?" Er fragt, ob langfristig geplant sei, statt Kohle
Müll, Klärschlamm, Holzabfälle oder auch Gas in den
Kraftwerken zu verheizen.
Sprecher Dr. Wolfgang Rönnebeck erklärte, RWE Power habe
die Fragen im Regionalrat umfassend beantwortet und werde auch die
Zusatzfragen beantworten. Man hoffe, dass das Gremium so zu einer
Entscheidung kommen könne. Rönnebeck bestätigte,
dass Ersatzbrennstoffe verbrannt würden. So werde in Weisweiler
und in Frimmersdorf versuchsweise Papierschlamm verfeuert. Da 2005
die Deponiegenehmigung durch eine Gesetzesänderung erlösche,
sei für manchen Abfall "die thermische Verwertung das
Mittel der Wahl" - aber nur in den alten Kraftwerken "als
Standortsicherung".
Stommelner machen mobil
Kölner Stadt-Anzeiger
16.12.2003
PULHEIM / STOMMELN - Vertreter von Umweltorganisationen, Kirchen
und Parteien haben sich zum "Aktionsbündnis Stommelner
Bürger - Leben ohne BOA" zusammengeschlossen.
Schon seit vielen Jahren kämpft die Bürgerinitiative Stommeln,
ebenfalls Mitglied des Bündnisses, für eine Verbesserung
der Lebensqualitäten für die Stommelner Bürger. In
den 80er Jahren litten vor allem viele Kinder unter "Pseudo-Krupp",
laut Initiative Auswirkungen der Schadstoff-Emissionen aus den benachbarten
Braunkohle Kraftwerken in Niederaußem, Neurath und Frimmersdorf.
Das Öko-Institut Darmstadt, das im Auftrag der Initiative ein
Gutachten erarbeitete, habe die Ableitung der Rauchgase über
die Kühltürme bei ungünstigen Wetterlagen für
den Nahbereich der Kraftwerke, also auch Stommeln, als sehr problematisch
bewertet, berichtet Willi Robertz, einer der Sprecher der Bürgerinitiative.
Mangels Messstationen in Stommeln habe man dies nie überprüfen
können. Angesichts der nach wie vor vorhandenen Bedrohung sei
die Intensivierung der Braunkohleverstromung durch den Bau neuer,
noch größerer Kraftwerkblöcke mit einer Betriebszeit
von bis zu 50 Jahren (je nach Stand der eingesetzten Technik) für
diese Region nicht mehr erträglich.
Ähnlich wie Bürger aus Niederaußem und eine Bürgergemeinschaft
aus Rheidt / Hüchelhoven kämpft das neue Aktionsbündnis
gegen die neuen Großblöcke, die die alten Türme
ersetzen wollen. Eine der zentralen Forderungen ist die Abschaltung
der alten Blöcke. Umweltschützer Helmut Spahn: "Wir
würden eine Übergangszeit für die Abschaltung der
alten Blöcke akzeptieren. Sechs bis acht Jahre sind uns aber
zu lang." Robertz forderte eine dezentrale Energieversorgung.
Dies könne im Zusammenschluss einiger Kommunen geschehen. Die
Stadt Pulheim solle frühzeitig einen Beschluss zum Ausstieg
aus den Konzessionsverträgen mit dem RWE fassen.
Weitere Punkte, die geklärt werden müssten, so Landschaftswärter
Dieter Bunge, seien der Verbleib der Kraftwerksasche und sichere
Zahlen über die künftige Belastung der Region mit Emissionen.
Ansprechpartner der Gruppe ist Georg Ecker.
Stark machen gegen Braunkohlenkraftwerk
Kölnische Rundschau
16.12.2003
PULHEIM - "Ich vermisse bei unserem Bürgermeister die
Fürsorge für unsere Bürger." Dieter Bunge, Sprecher
des "Aktionsbündnisses Stommelner Bürger - Leben
ohne BoA", gibt sich kämpferisch. Neun Monate vor der
Kommunalwahl scheinen die Bürger Stommelns ein Thema gefunden
zu haben, mit dem sie die Politik vor sich hertreiben könnten.
Es ist der geplante Bau von drei neuen Kraftwerksblöcken mit
optimierter Anlagentechnik in Niederaußem.
Schon das vorhandene Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik
(BoA) beunruhigt die Bürger Stommelns, die Dunstwolken würden
ihnen das Sonnenlicht rauben. Vor wenigen Wochen haben sich Bürger
zusammengetan, um das ihrer Meinung nach verschleppte Thema auf
die Tagesordnung zu setzen und stellen die provokante Frage: "Warum
hat der Pulheimer Rat bislang so pflaumenweich auf die RWE-Pläne
reagiert?", so Bunge. Und Willi Roberts, Experte für Solarenergie,
fürchtet, dass nach einem Bau "wir und die nachfolgenden
Generationen erheblich an Lebensqualität in der Region verlieren".
Zusammen mit Helmut Spahn, Mitglied des BUND und der Agenda 21 sowie
Georg Ecker (Bürgerinitiative Stommeln, BIS) hofft Roberts,
noch weitere Initiativen mit ins Boot zu bekommen. "Die Bevölkerung
muss endlich hinreichend aufgeklärt wird", fordert Helmut
Spahn. Das soll spätestens im Frühjahr in einer Bürgerversammlung
geschehen.
Vor allem wehrt sich die Gruppe gegen die Pläne von RWE, die
alten Feuerungsanlagen parallel zu den neuen zu betreiben. Damit
würde das Versprechen, Braunkohlekraftwerke mit optimierter
Kraftwerkstechnik produzierten weniger Schadstoffe, ad absurdum
geführt. Der Ausweg aus dem Dilemma könne nur sein, wenn
die Stadt Pulheim aus dem Konzessionsvertrag mit RWE aussteige und
die Stromversorgung im Verbund mit anderen Kommunen selbst in die
Hand nähme.
"Macht den Auenheimern Mut"
Kölnische Rundschau
29.10.2003
BERGHEIM / AUENHEIM - "Können Sie lauter reden, ich kann
nichts verstehen", kam es spöttisch aus dem Publikum.
Es dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass sich die Auenheimer
über den Lärm eines Überdruckventils aus der Brikettfabrik
gefreut haben. Denn so konnten die Stellvertreter von RWE Power
am Dienstagabend am eigenen Leib erfahren, worunter die Auenheimer
unter anderem leiden.
Michael Naujoks von der Brikettfabrik, Hermann Oppenberg vom Tagebau
Garsdorf und Achim Niepel vom Kraftwerk Niederaußem waren
zu einer Bürgerversammlung ins Festzelt gekommen. Hier stellten
sie sich den Fragen der Bewohner des von Braunkohlenkraftwerk, Tagebau
und Werksbahn umgebenen Dorfes. Seit 40 Jahren ertragen die Auenheimer
nun die Umwelt- und Lärmbelastungen. Nun, da im Gespräch
ist, einen weiteren BoA-Block zu bauen, gehen sie auf die Barrikade.
Den Auftakt bildete ein Film, den SPD-Stadtrat Wolfgang Sewelies
im Auftrag des Stadtteilforums Auenheim gedreht hat und der auf
dramatische Weise die Situation des kleinen Stadtteil präsentiert.
"Zurzeit funktioniert das Dorf noch, aber viele fragen sich,
wie lange noch", hieß es. Unter anderem wurden Bilder
von einer Aschewolke am Pfingstsonntag dieses Jahres gezeigt, der
Krach eines ausgelösten Überdruckventils abgespielt und
über die Gettobildung im Ort berichtet. Hans Lietzau, Sprecher
des Agenda-Forums, nannte die Situation erschreckend: "76 Leute
sind allein in den vergangenen drei Monaten weggezogen." Das
sind über zehn Prozent der Einwohner. Lietzau forderte "Planungssicherheit
für RWE Power und Auenheim gleichermaßen".
Im Gegenzug meinte Achim Niepel: "Es hat sich einiges geändert
seit der letzten Veranstaltung 1998." So würden zum Beispiel
75 000 von 90 000 Tonnen Kohle pro Tag über eine schall- und
staubgeschützte Kohlenversorgung transportiert, und der Eimerkettenbagger
laufe nur noch acht Stunden pro Tag. "Wir haben versucht, Ihnen
entgegenzukommen und den Lärm zu minimieren", sagte Niepel.
Doch das reicht den Auenheimern nicht. "Ich muss mir nachts
zum Teil Kissen auf die Ohren legen. Ich habe noch ein Gästezimmer,
da kann ja mal einer von den Herren von RWE Power übernachten."
Mathilde Mock sprach diese Einladung aus. Auch Ortsvorsteher Klaus
Gülden beschwerte sich: "Wir haben Doppelverglasung in
den Fenstern, aber es ist trotzdem zu laut." Noch vieles gebe
es zu verbessern. Und einiges davon wurde von den RWE Power-Vertretern
auch zugesagt. So versprach Hermann Oppenberg unter anderem, die
Fahrer der Oberbaufahrzeuge anzuhalten, den Missbrauch der Warnsignale
zu vermeiden. Außerdem sollen die Aschedeponien zukünftig
mit Kompost belegt werden, um Staubaufwirbelungen zu vermeiden.
Auch ein Bürgertelefon ist unter der Rufnummer (0 22 71) 75
47 30 eingerichtet worden.
Oppenberg versprach darüber hinaus, die Subunternehmer darauf
aufmerksam zu machen, nur noch die Hauptzufahrt zu benutzen, um
den Werksverkehr durch Auenheim zu verringern.
Zum Abschluss mahnte Gülden seine Mitbürger: "Nehmt
an unseren Festen teil und macht so den anderen Auenheimern Mut."
Ein Dankeschön ging von ihm an die "Power-Männchen",
weil sie sich dieser Diskussion gestellt hätten. Aber auch
eine Mahnung sprach er aus: "Denkt bitte an die Auenheimer."
"Hier zieht keiner mehr hin"
Kölnische Rundschau
22.10.2003
BERGHEIM / AUENHEIM - "Es geht um die Existenz eines 1000 Jahre
alten Dorfes", sagt Hans Lietzau. Und: "Die Frage ist,
wie lange es Auenheim noch geben wird." Lietzau ist Sprecher
des Agenda-Forums, das sich eine Menge Gedanken über die Zukunft
des Ortes im Schatten des Kraftwerks Niederaußem macht.
Er ist nicht der Einzige, der besorgt ist. "In den vergangenen
drei Monaten ist die Bevölkerung geschrumpft. Die Zahl der
Einwohner ist um 76 gefallen. Die Wohnungen stehen leer, hier zieht
keiner mehr hin", schildert SPD-Stadtrat Wolfgang Sewelies.
"Wenn das so weitergeht, müssen wir den Antrag auf Umsiedlung
gar nicht mehr stellen. Dann löst sich Auenheim von selbst
in Wohlgefallen auf."
Doch so weit wollen es die Bewohner des alten Dorfes nicht kommen
lassen. Sie wissen durchaus, warum die Mietwohnungen leer stehen,
ihre Häuser an Wert verlieren und keiner mehr nach Auenheim
ziehen will. Der kleine Ort ist umzingelt von Industrieanlagen:
Auf den Gleisen der Kohlebahnen fahren die Züge Tag und Nacht
im Zehn-Minuten-Takt um den Ort. Dabei hupen die Lokomotiven praktisch
ohne Unterbrechung - in der Nacht genauso wie am Nachmittag.
Dazu kommt das Kreischen der Bremsen kurz vor Einfahrt ins Kraftwerk,
das Zischen der Überdruckventile, die bei Betriebsstörungen
Dampf aus den Kraftwerkskesseln ablassen sowie das monotone Rattern
der Eimerkettenbagger am Kraftwerksbunker. Kohlestaub und Asche
aus den Bunkern, Zügen und der Deponie bedecken den Ort. Die
Dampfschwaden aus den Kühltürmen sorgten dafür, so
erzählen die Auenheimer, dass auch an schönen Tagen die
Sonne nicht vor 11.30 Uhr aufgehe. An schlechten Tagen bringt der
Dampf Nebel in die Straßen des Dorfes.
Seit mehr als 40 Jahren ist das so. Warum regen sich die Auenheimer
jetzt darüber etwas auf? "Weil nach dem Bau des BoA-Blocks
und den neuen Plänen klar wurde, dass es nur noch schlimmer
wird und nicht besser", sagt Sewelies. Immerhin wolle RWE Power
drei neue Kraftwerksblöcke an den Rand des Ortes setzen.
Und zudem, so Lietzau: "Vor 40 Jahren arbeiteten 98 Prozent
der Auenheimer bei RWE oder Rheinbraun. Sie haben sich mit dem Unternehmen
identifiziert." Heute, so schätzt Ortsvorsteher Klaus
Gülden, stehen noch eine Hand voll Auenheimer auf den Gehaltslisten
von RWE Power. Die Distanz zum Konzern wächst. RWE Power, das
sind jetzt "die". Früher hieß es "wir".
Die Auenheimer haben ihre Forderungen formuliert: Sie wollen, dass
RWE Power die etwa 100 Werkswohnungen so ausbaut, dass sie vermietet
werden können - oder sie abbricht und günstige Baugrundstücke
anbietet. Sie wollen, dass das Hupen der Loks aufhört und der
Staub im Kraftwerk gehalten wird. Sie wollen, dass die Kohle per
Band und nicht mit Zügen ins Kraftwerk gebracht wird.
Dass das alles Geld kostet, wissen sie, aber, so Sewelies: "Die
haben 40 Jahre lang auf Kosten der Bevölkerung richtig Geld
verdient. Jetzt kann RWE Power auch mal powern."
Am Dienstag, 28. Oktober, 19 Uhr, gibt es eine Bürgerversammlung
im Festzelt. RWE Power wird vertreten sein.
Doppel-BoA in Neurath?!
Kölnische Rundschau
08.07.2003
NEURATH - Holt RWE Rheinbraun zum Doppelschlag am Standort Neurath
aus? Bei einer Sitzung der FDP-Landtagsfraktion auf Schloss Paffendorf
beziehungsweise einer Besichtigung des Niederaußemer Kraftwerkes
sickerte die Information durch, das Unternehmen wolle Ende 2004
in Neurath gleich zwei Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik
(BoA) bauen.
Rheinbraun-Pressesprecher Guido Steffen bestätigte diese Überlegungen.
Ingenieure hätten errechnet, dass sich durch den Bau eines
Doppelblocks die Kosten um 20 Prozent senken ließen. Ein einzelner
BoA-Block wird derzeit in einer Größenordnung von 1,2
Milliarden Euro
kalkuliert. Die Entscheidung, so Steffen, hänge noch vom Verlauf
des Genehmigungsverfahrens ab und werde Ende 2004 getroffen.
Initiative weiter gegen neue Blöcke
Kölner Stadt-Anzeiger
15.08.2003
Erste Erfolge kann die "Bürgerinitiative gegen BoA-Erweiterung
Niederaußem",
kurz "Big BEN", schon verzeichnen.
Und die 100 Mitglieder wollen nicht nachlassen.
BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - Dass sich sowohl der Bergheimer Stadtrat
als auch der Regionalrat bis auf weiteres gegen die Bereitstellung
von Flächen für BoA-Blöcke in Niederaußem ausgesprochen
haben, kann "Big BEN" sich schon auf die Fahne schreiben.
Immer wieder hat der Vorstand, allen voran der zweite Vorsitzende
Hans-Joachim Gille, selber Diplom-Ingenieur für Anlagenbau
und Kraftwerkstechnik, das Gespräch mit den Politikern gesucht
und auf die Probleme für Auenheim, Niederaußem und Rheidt-Hüchelhoven
aufmerksam gemacht, wenn - wie von RWE Rheinbraun angedacht - eines
Tages wirklich fünf BoA-Blöcke in Niederaußem stehen
sollten.
Vor zwei Jahren hat sich die Bürgerinitiative gegründet,
die betont, nicht generell gegen die BoA-Blöcke zu sein. "Wir
plädieren nur dafür, dass keine weiteren Flächen
zur Verfügung gestellt werden", sagt der Vorsitzende Georg
Keulertz. "Wenn an einem Standort alte Kraftwerke abgeschaltet
und abgebrochen werden, können dort auch neue Blöcke gebaut
werden", stimmt der Kassierer Walter Winkelius zu.
Anderer Standort
Darüberhinaus haben die Mitglieder der Bürgerinitiative
dem Unternehmen bereits einen alternativen Standort für neue
BoA-Blöcke vorgeschlagen. "Am Rand von Garzweiler I",
sagt der zweite Vorsitzende Gille, "an der A 61, liegt ein
Gebiet, auf dem sechs bis sieben neue BoA-Blöcke gebaut werden
könnten, ohne dass Bürger betroffen wären".
So bliebe Kirchherten bei den vorherrschenden Westwinden auf der
Sonnenseite, der Autobahnanschluss sei schon da und die Kohle auch
in der Nähe, zählt Gille die Vorteile auf.
Den Einwand, Schienen, Wasserleitungen und Hochspannungstrassen
müssten gelegt werden, will "Big BEN" nicht gelten
lassen. "Das kostet nicht mal zehn Prozent dessen, was ein
neuer Block kostet", argumentiert Gille, und bei sieben möglichen
Blöcken seien die Investitionen verschwindend gering.
"Wie dem auch sei", gibt sich die Bürgerinitiative
kämpferisch, "wir bleiben jedenfalls dran und werden alles
ausschöpfen, was rechtlich machbar ist, damit hier kein BoA-Riegel
mit fünf Blöcken entsteht und die Bürger die Sonne
gar nicht mehr sehen". Zu diesem Zweck hat die Bürgerinitiative
bereits eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, die die Interessen von
"Big BEN" vertritt.
"Bekenntnis zur Braunkohle"
Kölnische Rundschau
13.08.2003
ESSEN - Vor Mitte des kommenden Jahres wird keine Entscheidung über
den Bau eines weiteren Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik
(BoA) fallen. Das erklärte RWE-Vorstandschef Harry Roels gestern
bei der Halbjahresbilanzkonferenz seines Unternehmens in Essen.
Diese Entscheidung hänge - wie andere große Investitionsvorhaben
auch - davon ab, nach welchen Prinzipien die Emissionsrechte verteilt
würden. Grundsätzlich halte RWE jedoch am breiten Energiemix
in Deutschland fest - und in dieser Mischung habe die Braunkohle
nach wie vor eine wichtige Stellung.
"Wir haben nachgewiesen, dass Kohlekraftwerke ,made in Germany
und Klimaschutz sich gut vertragen können", sagte Roels
in seiner Rede. Das neue Braunkohlenkraftwerk in Niederaußem
senke den Kohlendioxid-Ausstoß um 30 Prozent. (Kommentar Big
BEN: Bei der Verbrennung von 1t Braunkohle wird 1t CO2 freigesetzt,
unabhängig von der Kraftwerkstechnik, der BoA-Block in Niederaußem
verfeuert ca. 800t/h. Will man den CO2 Ausstoß wirklich senken
muß man weniger Kohle verbrennen und nicht mehr.)
Ob es noch eine zweite Anlage dieser Art geben werde, hänge
jedoch entscheidend von den politischen Rahmenbedingungen ab. Es
gebe zwar eine gemeinsame Erklärung der Minister Trittin und
Clement, dass der ab Januar 2005 geplante Emissionshandel nicht
zu einem Ausstieg aus der Kohleverstromung führen dürfe.
Dafür müssten jedoch einige Bedingungen erfüllt sein.
Vor allem müsse der Handel so geregelt sein, dass langfristige
Planungssicherheit für große Investitionen bestehe. Die
Bundesregierung müsse auch darüber nachdenken, ob Begünstigungen
anderer Energieformen dann noch vertretbar seien.
"Wollen und können wir uns zukünftig neben dem Emissionshandel
weiterhin Regelungen leisten wie die Ökosteuer, die Förderung
der Kraft-Wärme-Kopplung oder das Erneuerbare-Energien-Gesetz?",
fragte Roels. (Kommentar Big BEN: Die genannten Steuern und Abgaben
werden vom Verbraucher getragen, nicht von RWE Power. Sie werden
aber zum Teil von RWE über die Stromrechnung eingezogen.)
Den künftigen "Doppelsitz" für den Bereich RWE
Power, in dem auch Rheinbraun aufgehen wird, in Essen und Köln
verteidigte Roels: "Wir zeigen so, dass uns die Braunkohle
und unser Engagement im rheinischen Braunkohlenrevier wichtig sind."
Die Republik ohne Strom
Kölner Stadt-Anzeiger
29.05.2003
NIEDERAUSSEM - Das Werk in Niederaußem war stets Vorreiter in
Sachen Technik. Als kürzlich ein Stahlträger einknickte
und das neue BoA-Kraftwerk vom Netz genommen werden musste, da rümpften
manche schon die Nase über die neue Technik, die Milliarden
verschlungen hatte. Dr. Günther Schöddert tat das nicht,
denn der frühere Niederaußemer Kraftwerksdirektor kennt
sich in der Geschichte der Bergheimer Stromfabrik bestens aus, weil
er von Anfang an dabei war: "Niederaußem war immer das
Test-Kraftwerk für die neuen Blockgrößen. Von den
Kinderkrankheiten, die wir erleben mussten, haben andere Kraftwerke
profitiert." In Niederaußem zu arbeiten, sei aber gerade
wegen dieser Pionierarbeiten "spannend und schön"
gewesen.
Als 1961 mit dem Bau der ersten beiden 150 Megawatt-Blöcke
am Rande von Niederaußem begonnen wird, hat RWE gerade eine
denkwürdige Stunde hinter sich. Am 21. Juni 1960 erleben die
deutschen Energieversorgungsunternehmen einen "Black-out".
Seit längerer Zeit schon fahren die Kraftwerke der Bundesrepublik
an der Grenze ihrer Kapazität. Aus dem Ausland wird jede Menge
Strom bezogen.
Um 11.43 Uhr ist es dann an diesem Junimorgen so weit. Es gibt auf
dem Strommarkt kein einziges Megawatt mehr zu kaufen. Die Folge:
Das Netz bricht zusammen. Im alten Kraftwerk Fortuna bleibt nur
der Block I noch am Netz, doch auch der schaltet sich um 12.12 Uhr
ab. Kein Strom fließt mehr. Erst im Laufe der nächsten
Stunde kommen die deutschen Kraftwerke langsam wieder auf Touren.
Als Folge des Stomausfalls wird am 30. Mai 1961 der Grundstein für
das Kraftwerk "Fortuna IV" gelegt - das spätere Kraftwerk
Niederaußem.
Zunächst besteht es aus den beiden 150-Megawatt-Blöcken
A und B, 1965 geht mit Block C die erste 300-MW-Dampfmaschine ans
Netz. Weitere 300-MW-Blöcke folgen 1968, 1970 und 1971. 1974
kommen zwei 600-MW-Blöcke hinzu. Im vergangenen Jahr drückte
Bundeskanzler Gerhard Schröder symbolisch auf den roten Knopf,
um den knapp 1000 Megawatt produzierenden BoA-Block anzuwerfen.
Dass mehr verkaufter Strom mehr Menschen in Lohn und Brot bringt,
ist allerdings eine Rechnung, die weder in Niederaußem noch
anderswo aufgeht. Schöddert erinnert sich an die 80er Jahre,
als es im auslaufenden Kraftwerk Fortuna, das vom Tagebau geschluckt
wurde, und in Niederaußem zusammen inklusive Auszubildenden
mehr als 2200 Arbeitsplätze gab, davon rund 900 in Fortuna.
Heute gibt es im Kraftwerk Niederaußem nur noch knapp 850
Beschäftigte.
Seinen Glück verheißenden Namen "Fortuna" hat
das Kraftwerk übrigens abgelegt, noch bevor der erste Strom
produziert wurde. Grund: Das alte Kraftwerk "Fortuna"
gehörte Rheinbraun. Als RWE ein eigenes baute, musste ein neuer
Name her - und so hieß es eben "Niederaußem".
Jetzt, da RWE und Rheinbraun zu einer Einheit verschmolzen sind,
könnte man es eigentlich wieder Fortuna nennen.
Nummer zwei in Europa
Um eine Kilowattstunde Strom herzustellen, muss ungefähr ein
Kilogramm Braunkohle verbrannt werden. In Deutschland wurden 2002
insgesamt 581 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht. Das Niederaußemer
Kraftwerk inklusive des neuen BoA-Blockes soll künftig nach
Konzernangaben pro Jahr 27 Milliarden Kilowattstunden liefern. Damit
werden knapp fünf Prozent des in der Bundesrepublik verbrauchten
Stroms in Niederaußem hergestellt. Dazu werden in den neun
Blöcken 30 Millionen Tonnen Braunkohle verfeuert.
Das Kraftwerk Niederaußem mit seinen 745 Beschäftigten
und rund 100 Auszubildenden ist damit nach der Anlage im polnischen
Belchatów das zweitgrößte Braunkohlekraftwerk
Europas. Die Maximalleistung in Belchatów liegt bei 4400
Megawatt, die in Niederaußem bei 3852 Megawatt.
(Kommentar Big BEN: Dazu kommen dann noch die Kraftwerke in Neurath
und Frimmersdorf, beide nur wenige km von Niederaußem entfernt
- Luftlinie zwischen Niederaußem und Neurath ca. 1,6km. Hier
wachsen drei Kraftwerksstandorte zu einem Kraftwerkspark zusammen.)
Pulheim protestiert gegen die BoA-Kraftwerke
Kölnische Rundschau
29.05.2003
PULHEIM - "Bald sehen wir die Sonne nur noch, wenn sie von
Osten her scheint." Josef Heibel (SPD) drückte drastisch
die Sorge der Pulheimer Bürger über den Kraftwerksneubau
in Niederaußem aus. Bislang wurde Pulheim aber nie gesondert
informiert. Deshalb wurden Vertreter des Energie-Konzerns RWE zu
einer gemeinsamen Sondersitzung von Haupt- und Finanzausschuss,
Umweltausschuss und Stadtplanungsausschuss eingeladen.
Diese Sondersitzung erlebte einen erregten Bürgermeister, erboste
Stadtpolitiker und zum Kampf entschlossene Bürger. Selten war
Meinung so einträchtig. Zu keinem Zeitpunkt gelang es den Vertretern
des Konzerns, die Kommunalpolitiker davon zu überzeugen, dass
die Pläne der RWE keine Nachteile für die Bevölkerung
Pulheims bringen. Vielfach wurde über deren Darstellungen nicht
mal geschimpft, sondern gelacht.
Es sind die Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik
(BoA), die die Gemüter erregen. Vier davon sollen in Niederaußem
errichtet werden. Mit der neuen Technologie sollen 34 veraltete
Kraftwerke ersetzt werden. Allerdings sollen die neuen, leistungsfähigeren
Kraftwerksanlagen an zwei Standorten konzentriert werden, Niederaußem
und Neurath.
"Was bringt die Verringerung an CO2-Ausstoß, wenn an
einem Platz die vierfache Menge an Kraftwerksleistung konzentriert
werde?", kritisierten die Politiker.
Für die RWE-Vertreter steht Effizienz in der Energiegewinnung,
Umweltschutz und die Sicherung von Arbeitsplätze im Vordergrund.
Bei der Frage nach den Arbeitplätzen wurde auf intensives Nachbohren
eingeräumt, dass sich mit der neuen Technik die Zahl der Beschäftigten
um die Hälfte reduziere. Groß war die Angst vor der "Verschattung"
durch die Dampfschwaden. Vier Kühltürme von je 200 Metern
Höhe wirkten wie eine "riesige Wand vor dem Himmel",
befürchteten die Ausschussmitglieder.
Vor allem erregte die Volksvertreter, dass der Zeitplan der Bauvorhaben
nicht vertraglich gesichert sei. Es gäbe, so bestätigten
die RWE-Vertreter, keine Maßgabe, wann die alten Kraftwerke
abgeschaltet werden. In der Erprobungsphase der BoA-Blöcke
sollen die alten Kraftwerke zusätzlich weiter am Netz bleiben.
(Komentar Big BEN: Laut verschiedenen, sich zum Teil widersprechenden,
Aussagen von RWE Power werden die alten Kraftwerksblöcke in
Niederaußem noch ca. 20 Jahre am Netz bleiben.)
Verärgert war Bürgermeister Karl August Morisse, dass
die Stadt Pulheim kein Mitspracherecht habe: "Ich sehe die
Gefahr, dass alle über uns wegmarschieren, als wären wir
gar nicht da." "Wir werden Widerstand leisten. Auch wenn
wir die Pläne nicht verhindern können, so wollen wir zumindest
dafür sorgen, dass sie erheblich modifiziert werden",
sagte Paul Maenz für die Gruppe Agenda 21.
Für Rheinbraun drängt die Zeit.
Die Planung für neue Kraftwerke bei Niederaußem verzögert sich.
Kölner Stadt-Anzeiger
26.05.2003
Köln / Bergheim - Das für Kraftwerksneubauten vorgesehene
Gebiet zwischen der Landstraße 279 und der Bundesstraße
477 bei Niederaußem bleibt vorläufig "Allgemeiner
Freiraum mit Agrarbereich". Der Regionalrat folgte am Freitag
einstimmig einem Beschlussvorschlag der CDU-Fraktion. Danach wird
das Verfahren zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans (GEP)
vorerst nicht eingeleitet.
Bereits vor Tagen hatte die CDU-Fraktion erklärt, dass der
Antragsteller RWE Rheinbraun eine Reihe von Fragen "nicht zufrieden
stellend" beantwortet habe. Dabei ging es nicht nur um die
exakte Größe der Fläche, um den genauen Zeitplan
und Abbruch alter Anlagen. Gefragt ist im CDU-Antrag auch nach der
"Planungsnotwendigkeit zum heutigen Zeitpunkt". Politiker
im Regionalrat erkennen den Grund zur Eile offenbar nicht. Denn
im Antrag heißt es: "Durch die Beschlüsse zur Ausweisung
weiterer Flächen in Neurath ist für die RWE Rheinbraun
AG bereits Planungssicherheit zum Bau weiterer Kraftwerke für
das nächste Jahrzehnt gegeben.
Eingegangen waren die Christdemokraten in ihrem Antrag aber auch
auf Einwände der Bürgerinitiative gegen den Bau neuer
Anlagen. Die Anwälte der Initiative hielten die Einleitung
des Änderungsverfahrens aufgrund fehlender Angaben sogar für
unmöglich. Rheinbraun-Pressesprecher Guido Steffen bedauerte
die Entscheidung des Gremiums. "Schade", sagte er, "dadurch
entsteht eine Verzögerung". Die aus der Sicht der CDU
offenen Fragen hätte man auch während des Verfahrens klären
können. "Wir hoffen nun, dass in der nächsten Sitzung
des Regionalrates entschieden werden kann." Steffen machte
deutlich, dass Rheinbraun an einem zügigen Verfahren gelegen
ist. Dass der nächste BoA-Block in Neurath gebaut werde, sei
zwar wahrscheinlich, stehe aber längst nicht fest. Für
Rheinbraun drängten daher die Zeit und die Notwendigkeit, eine
Alternative zu Neurath zu haben. Denn 2005 soll auf jeden Fall der
Bau des zweiten BoA-Blocks beginnen.
RWE muss nachbessern
Kölnische Rundschau
23.05.2003
KÖLN / BERGHEIM - RWE Rheinbraun muss nachbessern. Der Regionalrat
Köln hat es gestern einstimmig abgelehnt, das Verfahren zur
Änderung des Gebietsentwicklungsplans einzuleiten und damit
dem Bau weiterer Kraftwerksblöcke in Niederaußem zuzustimmen.
Die Politiker aller Fraktionen möchten Fragen beantwortet haben,
die schon lange gestellt, vom Unternehmen aber bisher ignoriert
worden sind. "Wir sind enttäuscht über dieses Verhalten",
sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Regionalrat, Stefan Götz,
gestern und forderte Rheinbraun auf, das Versäumte rasch nachzuholen.
Alternativen zum Standort Niederaußem soll das Unternehmen
unter anderem aufzeigen, ein Gutachten zu Klimaauswirkungen vorlegen,
technische Ansätze zur Reduzierung der Dampfschwaden belegen
und einen verbindlichen Zeitplan für die Stilllegung der alten
Kraftwerksblöcke aufstellen.
(Kommentar Big BEN: Das kann oder besser will RWE zur Zeit absolut nicht.)
"Bevor diese und andere Fragen nicht geklärt sind, wollen
wir das Thema nicht mehr auf der Tagesordnung sehen", sagte
Götz mit Zustimmung seiner Kollegen Horst Becker (Grüne)
und Rudolf Finke (FDP). Gleichwohl unterstütze man das Kraftwerkserneuerungsprogramm.
SPD-Fraktionsvorsitzender Wilfried Mercks nahm inhaltlich nicht
Stellung, stimmte aber der vorläufigen Absetzung zu.
Der Vorsitzende des Rates, Gerhard Lorth, riet Rheinbraun dringend
zu "weitreichender Kompromissbereitschaft".
"Wir wohnen wie auf einem Fabrikgelände!"
Kölnische Rundschau
07.05.2003
AUENHEIM - "Die Grube kommt!" Als im Tagebau Garsdorf
noch Kohle gefördert wurde, eilte dieser Schreckensruf öfters
durch Auenheim. Am helllichten Tag gingen die Straßenlampen
an. Braunkohlenstaub wirbelte durch die Straßen, drang in
die Häuser. "Fenster zumachen, Wäsche abhängen!"
Die Warnung erreichte nicht immer alle rechtzeitig.
Seit über 40 Jahren leben die Bewohner des kleinsten Stadtteils
mit der Kohle und dem Kraftwerk Niederaußem. "Die Grube
kommt" zwar heute nicht mehr, doch die Auenheimer leiden noch
immer. Der Plan von RWE Rheinbraun, in den nächsten 30 Jahren
drei weitere Kraftwerke zu bauen, hat sie empört. Deshalb kamen
sie auf eine kühne Idee: Sie wollen umgesiedelt werden. Dann
könne RWE auf dem Gebiet des Ortes seine BoA-Kraftwerke bauen.
Den Umsiedlingsantrag haben die Bewohner jetzt bei der Stadt gestellt.
Am Montag stellten Ortsvorsteher Klaus Gülden und Hans Lietzau
vom Stadtteilforum den Plan vor.
Lärm, Staub, Dampfwolken, Verschattung - das sind die Klagen.
Züge hupen, Sirenen heulen - morgens oder nachts. Lärm
gibt es etwa, wenn am Wochenende Kraftwerksblöcke hochgefahren
werden. Und noch immer kommt Kohlenstaub von den Bunkern und den
Zügen. Die Auenheimer befürchten, dass noch mehr Züge
fahren, wenn neue Blöcke gebaut werden.
"Wir wünschen uns Neu-Auenheim, wir kämpfen dafür",
sagte Gülden. In ihrem Umsiedlungsantrag machen die Auenheimer
Vorschläge, wie RWE Umweltbelastungen verringern könnte.
"Wir wollen ein offenes Gespräch und gemeinsam eine Lösung
suchen", meinte Hans Lietzau. Nach Angaben von Albert Willems,
Beigeordneter der Stadt, prüft die Stadt, in welchem Gremium
der Antrag beraten werden soll. Eine Umsiedlung ohne die Zustimmung
von RWE Rheinbraun sei aber wohl nicht möglich. Das Unternehmen
müsse prüfen, ob eine Umsiedlung nicht günstiger
sei als alle Lärmschutzmaßnahmen. Wenn neue Kraftwerke
gebaut würden, sei zusätzlicher Lärmschutz in Millionenhöhe
nötig.
RWE Rheinbraun hat inzwischen beim Regionalrat den Antrag gestellt,
den Gebietsentwicklungsplan für drei neue Kraftwerksblöcke
zu ändern.
Eine Umsiedlung ist für RWE Rheinbraun kein Thema. "Auenheim
kann kein Standort für Kraftwerksblöcke sein, weil dies
die Landesplanung nicht zulässt", sagt Rheinbraun-Sprecher
Guido Steffen. Ein Ort könne nur dann umgesiedelt werden, wenn
er auf einer Lagerstätte stehe. Außerdem würde eine
Umsiedlung zu lange dauern. Werde der zweite BoA-Block nicht wie
geplant in Neurath gebaut, müsse er um 2008 in Niederaußem
ans Netz gehen. BoA-3 würde in Niederaußem um 2012 ans
Netz gehen - nach etwa vier Jahren Bauzeit.
RWE will Terrain für BoA sichern
Kölner Stadt-Anzeiger
29.04.2003
Rheinbraun hat eine Änderung des Gebietsentwicklungsplans
am Kraftwerk Niederaußem beantragt.
ERFTKREIS - Die RWE Rheinbraun AG will das Kraftwerkserneuerungsprogramm
fortsetzen und plant den Bau eines weiteren Kraftwerksblocks mit
optimierter Analgentechnik (BoA) in Bergheim-Nieder-außem.
Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen dazu einen entscheidenden
Schritt getan: Rheinbraun hat den Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplans
bei der Kölner Bezirksregierung eingereicht. Ziel des Antrages
ist es, das Gelände am bestehenden Kraftwerk Niederaußem
von anderen Nutzungen frei zu halten, damit das Terrain für
den Bau von neuen Anlagen zur Verfügung steht.
Nicht über die Landstraße
Nach Angaben des Unternehmens ist die Planung des Areals überarbeitet
worden. Demnach soll die Landstraße 279 entlang der Mönchshöfe
nicht überschritten werden. Der Raum hingegen, auf den sich
der Betrieb der Anlage auswirken kann, ist von einem Radius von
500 Metern auf 2000 Meter erweitert worden. Damit werden die Auswirkungen
auf Umwelt und Anwohner intensiver als ursprünglich geplant
untersucht. "Wir wollen mit diesen Anpassungen schon im Antrag
deutlich machen, dass wir um Konsens mit der Stadt Bergheim und
den Anliegern des Kraftwerks bemüht sind", sagte Dr. Johannes
Lambertz, im Rheinbraun-Vorstand für die Verstromung zuständig.
Außerdem seien bereits damit Forderungen der Stadt erfüllt
worden.
Das Unternehmen hofft, dass sich der Regionalrat bei der Bezirksregierung
noch vor der Sommerpause mit den Antrag beschäftigt.
Erst vor wenigen Wochen war Rheinbraun im Regierungsbezirk Düsseldorf
mit einem Antrag auf Änderung des Gebietsentwicklungsplanes
für die Errichtung eines BoA-Blocks in Neurath erfolgreich
gewesen. Dem Antrag hatte auch der Kölner Regionalrat zugestimmt.
Rat bekennt sich zu BoA-Standort
Kölner Stadt-Anzeiger
09.04.2003
Einstimmig verabschiedete der Rat eine Stellungnahme zur geplanten
Erweiterung des Kraftwerks.
NIEDERAUSSEM - Bürgermeister Jürgen Peters freute sich:
"Die Richtung stimmt. Wir dürfen auf der einen Seite
nicht jammern, die Hauptverwaltung von RWE Rheinbraun dürfe
nicht nach Essen ziehen, und auf der anderen Seite sagen, die Kraftwerke
sollten weg." Sonst würde man aus Sicht der Wirtschaftsförderung
Chancen verspielen, warnte Peters. Mit dem Beschluss, den der Rat
bei einigen Enthaltungen auf Seiten der SPD einstimmig traf, war
nicht nur der Bürgermeister zufrieden. Auch die Bürgerinitiative
gegen die Kraftwerkserweiterung "Big BEN" zeigte sich
einverstanden.
Der Vorschlag werde zwar von der CDU eingebracht, sagte Fraktionschef
Dr. Winfried Kösters, aber er werde auch von UBB, FDP, Grünen
und der Bürgerinitiative mitgetragen. In dem Beschluss heißt
es, dass der Rat den Standort Niederaußem "ausdrücklich"
begrüßt. Man wolle RWE Rheinbraun darin unterstützen,
Emissionen zu mindern und einen "effektiven Beitrag zur Kohlendioxid-Klimaproblematik"
zu leisten. Deshalb plädiere auch der Rat für den Einsatz
der "stets modernsten Technologie".
Allerdings gebe es Zielkonflikte zwischen Großtechnologie
und deren Akzeptanz "in der unmittelbar umliegenden Bevölkerung".
Deshalb sieht die Stellungnahme des Rates zum geplanten Neubau von
BoA-Blöcken in Niederaußem eine Reihe von "Eckpunkten"
vor, die der Regionalrat im weiteren Verfahren beachten soll (siehe
integrierten Artikel). Wenn er einen der Eckpunkte nicht befürwortet,
soll der Rat erneut darüber beraten.
Während UBB / FDP und Grüne dem Beschlussvorschlag gleich
zustimmten, lehnte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende
Helmut Tilmanns ihn zunächst ab, weil er "keine klare
Position" enthalte. Die SPD begrüße die Einleitung
des Verfahrens zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans, sagte
Tillmanns. Sie ist für den Neubau weiterer Blöcke notwendig.
Allerdings sei man gegen eine Ausdehnung des Kraftwerks über
die Landstraße 279 hinaus. Bedenken der Bürger könne
man innerhalb des Verfahrens einbringen. Nachdem Peters einige Punkte
ergänzt hatte, stimmten auch die meisten Sozialdemokraten zu.
Zweiter Block erst 2012?
Kölner Stadt-Anzeiger
25.03.2003
Regierungspräsident Jürgen Roters will sich in der Frage
der Planung künftiger BoA-Kraftwerksblöcke noch nicht
festlegen.
BERGHEIM - Für den Regierungspräsidenten wird ein neuer
BoA-Block in Niederaußem "erst 2010 / 2012" stehen.
"Vorher tut sich da nichts", sagte er gestern im Gespräch
mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Und wie es dann
mit dem Problem der Verschattung und der Dampfschwaden aussehe,
könne heute nicht gesagt werden. "Da muss die technische
Entwicklung abgewartet werden." Bei der Planung sei man noch
in einem "sehr, sehr frühen Stadium". Er gehe davon
aus, dass "der nächste Block in Neurath platziert wird".
Zurzeit befinde man sich im "informellen Vorverfahren"
zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes, das "möglicherweise
in ein formelles Verfahren mündet". Und erst wenn das
abgeschlossen sei, gehe es in ein Genehmigungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung.
Zur Frage, ob er sich dafür einsetzen würde, dass die
Belastung der Niederaußemer künftig zumindest nicht steige,
mochte Roters sich nicht äußern. "Ich muss das Genehmigungsverfahren
abwarten." Nur so viel: Während des gesamten Prozesses
müssten die Bürgerinitiativen umfassend informiert und
ihre Interessen ernst genommen werden.
SPD im Regionalrat für neue BoA-Blöcke
Kölnische Rundschau
25.03.2003
ERFTKREIS - "Die SPD-Fraktion im Regionalrat Köln steht
zum Kraftwerkserneuerungsprogramm", sagt Fraktionschef Wilfried
Mercks aus Erkelenz.
Die SPD sehe zwar die Probleme der Menschen in der Nachbarschaft
der Standorte Niederaußem und Neurath, setze aber darauf,
dass bis zur Realisierung neuer Blöcke die Technik weitere
Fortschritte machen und die Belastungen verringern werde. Außerdem
weist Mercks auf die wirtschaftliche Bedeutung hin: "Ein Auftragsvolumen
für ein neues Kraftwerk in Höhe von einer Milliarde Euro
stellt in dieser Zeit und für unsere Region einen wichtigen
Beitrag dar."
Teile der von den Kommunen und den Kraftwerksgegenern gestellten
Fragen können nach Meinung der SPD erst im Verfahren zur Änderung
des Gebietsentwicklungsplans (GEP) beantwortet werden. Deshalb sei
es sinnvoll der Einleitung des Prozesses zuzustimmen, ihn aber kritisch
zu begleiten.
Die CDU-Mehrheit im Regionalrat hat sich zumindest zum Standort
Niederaußem ablehnend geäußert. Die Menschen dort
hätten die Belastungsgrenze erreicht.
RWE Rheinbraun plant in Neurath und Niederaußem den Bau weiterer
Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA). Insgesamt
sollen acht bis zehn solcher Blöcke die alten Kraftwerke im
rheinischen Revier ersetzen. In Niederaußem möchte sich
RWE Rheinbraun die Option auf drei weitere Blöcke sichern,
in Neurath sollen bis zu fünf BoA-Blöcke gebaut werden.
In seiner Sitzung am 4. April wird sich der Regionalrat Köln
noch einmal umfassend über die Pläne des Unternehmens
informieren lassen, am 23. Mai soll dann die Entscheidung über
die Einleitung des Verfahrens zur GEP-Änderung fallen.
SPD will ins Verfahren einsteigen
Kölner Stadt-Anzeiger
22.03.2003
BERGHEIM - Am Freitagnachmittag fand eine Sitzung der SPD-Fraktion im Regionalrat
im Bergheimer Rathaus statt.
Wie Fraktionsgeschäftsführer Hajo Hoffmann mitteilte,
befasste sich die SPD im Regionalrat mit den Plänen von RWE
Rheinbraun, am Kraftwerksstandort Niederaußem weitere BoA-Blöcke
zu bauen. Man habe sowohl mit den SPD-Fraktionen in Stadtrat und
Kreistag, aber auch mit RWE Rheinbraun, Vertretern der Bezirksregierung
und der Bürgerinitiative gegen den Bau weiterer Blöcke
aus Rheidt-Hüchelhoven gesprochen, berichtete Hoffmann unmittelbar
nach der Sitzung.
Die SPD im Regionalrat sei grundsätzlich für das Kraftwerkserneuerungsprogramm
von RWE Rheinbraun, erklärte Hoffmann. Man erwarte, dass RWE
Rheinbraun den Antrag zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes
stelle: "Alle Bedenken, die inzwischen aufgekommen sind, sollen
innerhalb des Verfahrens behandelt werden. Wir wollen nicht, dass
das Verfahren im Vorfeld überfrachtet wird." Es habe noch
nie eine so große Öffentlichkeit wie bei den BoA-Plänen
gegeben, berichtete Hoffmann: "Wir erwarten von der CDU, dass
sie im Vorfeld die Entscheidung des Regionalrates nicht überfrachtet.
Schließlich haben wir lediglich darüber zu entscheiden,
ob ein Verfahren eingeleitet wird und nicht über inhaltliche
Fragen." Nach Einstieg in das Verfahren gebe es noch "eine
ganze Latte von Verfahren", bis die BoA-Blöcke gebaut
werden könnten. Daran seien auch die Bürger beteiligt.
"Die alten Blöcke werden nur ersetzt"
Kölnische Rundschau
15.03.2003
KÖLN / NIEDERAUSSEM - RWE Rheinbraun möchte sich die Standorte Bergheim-Niederaußem
und Neurath großzügig für weitere Braunkohlenkraftwerke
mit optimierter Anlagentechnik (BoA) sichern. Dazu bedarf es mancherlei
Überzeugungsarbeit - auch bei Politikern.
Gestern ließen sich die Mitglieder des Braunkohlenausschusses
und des Regionalrates Köln in Niederaußem den bereits
bestehenden BoA-Block zeigen und über weitere Bauvorhaben informieren.
Rheinbraun-Vorstandsmitglied Johannes Lambertz erläuterte noch
einmal das Kraftwerkserneuerungsprogramm und seine vom Unternehmen
gewünschte Konzentration auf die Standorte Niederaußem
und Neurath. Drei weitere BoA-Blöcke sollen in Niederaußem
entstehen, fünf in Neurath. Dabei betonte Lambertz, dass aufgrund
des höheren Wirkungsgrades nach der Kraftwerkserneuerung zwar
mehr Strom produziert, aber nur die heutige Menge Braunkohle verfeuert
werde. "Wir erweitern den Standort nicht, wir ersetzen nur
die alten Blöcke."
Bei einer Rundfahrt erkundeten die Besucher die so genannten Vorhabensflächen.
Die eine erstreckt sich östlich der Bundesstraße 477
über einige Hektar Ackerfläche, die im Wesentlichen auch
erhalten bleiben soll. Sie wird eine Gleisschleife aufnehmen, die
den Zügen der Kohlenbahn das Wenden ermöglicht. Westlich
der Bundesstraße Richtung Auenheim sollen die weiteren Kraftwerksblöcke
entstehen. Die denkmalgeschützten Mönchshöfe und
der Verlauf des Gillbachs sollen dabei erhalten bleiben. Das Areal
könne als Grünzone und Besucherzentrum genutzt werden,
hieß es. Die Vorhabensflächen umfassen 163 Hektar, von
denen die neuen Kraftwerksblöcke 36 Hektar einnehmen sollen.
Die Mitglieder des Regionalrates, die ursprünglich am 4. April
über die Einleitung des Verfahrens zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans
entscheiden sollten, werden in dieser Sitzung zunächst weitere
Informationen einholen. Eine Entscheidung ist jetzt in der Sitzung
am 23. Mai vorgesehen.
Mitspracherecht gefordert
Kölnische Rundschau
08.03.2003
STOMMELN - Die vier neuen von der RWE geplanten Kraftwerksbauten in Niederaußem
verschatten schon jetzt die Gemüter der Stommelner Einwohner.
Karl-Heinz Grebe, Ortsverbandsvorsitzender der CDU für Stommeln
und Ingendorf, wandte sich deshalb in einem Brief an den Regierungspräsidenten
Jürgen Roters.
In dem Schreiben widerspricht Grebe "nachdrücklich"
der Behauptung von Kreisbehörde und Kraftwerksbetreibern, die
Bürger Pulheims seien von dem Bau der vier Kraftwerksblöcke
in Niederaußem nicht betroffen - deshalb habe Pulheim auch
kein Mitspracherecht. "Die Einwohner von Stommeln und besonders
von Ingendorf sind je nach Windrichtung schon jetzt von der Verschattung
betroffen." Bei einem weiteren Ausbau nähme die Beeinträchtigung
erheblich zu, schreibt Grebe und fordert, dass die Bevölkerung
Pulheims "in die Entscheidungsfindung eingebunden wird".
Dieter Wesselow, CDU-Ratsmitglied aus Stommeln unterstreicht die
Haltung Grebes, betont aber: "Wir sind nicht gegen technischen
Fortschritt. Das neue BoA-Kraftwerksverfahren ist wesentlich sauberer
und wirtschaftlicher. Allerdings wehren wir uns dagegen, dass es
kein Mitspracherecht für unsere Bürger geben soll."
Bereits in der jüngsten Ratssitzung führte das Thema Kraftwerksbau
Niederaußem zu Diskussionen. Auch Bürgermeister Karl
August Morisse äußerte sich verärgert darüber,
dass Pulheim ein Mitspracherecht verwehrt wurde.
Grebe hofft, dass die RWE einlenkt und die Bedenken der Bürger
Pulheims ernstnimmt: "Es müssen ja nicht immer erst Bürgerinitiativen
gebildet werden, damit man Gehör findet."
BoA-Block nach Störfall abgeschaltet.
Kölnische Rundschau
26.02.2003
BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - Der BoA-Block im Kraftwerk Niederaußem
musste am Samstag abgeschaltet werden. Gegen 3.40 Uhr in der Nacht
trat im Kesselhaus ein Schaden an der Statik des Rauchkanalsystems
auf. "Die Stützpfeiler sind eingeknickt", bestätigte
RWE Rheinbraun-Pressesprecher Guido Steffen gestern auf Anfrage.
Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, auch habe es durch den
Störfall keine Umweltschäden gegeben.
Der Kessel des BoA-Blocks sei sofort ausser Betrieb genommen worden,
sagte Steffen. Die Reparaturarbeiten hätten sofort begonnen.
Wie lange sie dauern werden, sei so nicht zu sagen.
"Wir hatten in Kürze eine längere Phase geplant,
in der das Kraftwerk abgeschaltet werden sollte", sagte Steffen.
Das Kraftwerk befinde sich zurzeit am Ende der Inbetriebnahmephase.
In den vergangenen Monaten sei die neue Technik immer wieder unter
verschiedenen Bedingungen getestet worden. Danach hätten die
Kraftwerksplaner eine längere so genannte "Revision"
vorgesehen, in der der Block abgeschaltet und noch einmal gründlich
gewartet werden sollte.
"Es ist normal, dass neue Entwicklungen erstmal Kinderkrankheiten
haben", meinte Guido Steffen gelassen. Der Störfall von
vergangenen Samstag habe nun dafür gesorgt, dass die geplante
Revision vorzeitig eingeleitet wurde.
Die Bürger von Niederaußem und Rheidt-Hüchelhoven
waren auf den Störfall aufmerksam geworden, weil am Wochenende
aus dem großen Kühlturm des BoA-Blocks ungewöhnlicher
Weise kein Dampf aufgestiegen war. Wenn er wieder läuft, soll
der BoA-Block im Normalbetrieb eine Leistung von 965 Megawatt ins
Leitungsnetz einspeisen. Damit könne man, so die die Unternehmensangaben,
4,9 Millionen Menschen - jeden vierten Einwohner des Landes Nordrhein-Westfalen
- mit Strom versorgen. Der BoA-Block hat 1,2 Milliarden Euro gekostet.
Im April kein Antrag für Blöcke.
Kölner Stadt-Anzeiger
22.02.2003
Die Entscheidung über weitere BoA-Blöcke soll vertagt werden.
NIEDERAUSSEM - Am Freitag, 4. April, so hatten viele erwartet,
werde der Regionalrat darüber entscheiden, ob in das Verfahren
zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans (GEP) eingestiegen
wird. Dieses Verfahren ist notwendig, damit RWE Rheinbraun in Niederaußem
weitere Kraftwerksblöcke bauen darf. Nach Informationen des
Grünen Reinhard Jütte und der CDU-Fraktion soll an diesem
Tag aber noch kein Beschluss gefasst werden. "Das Unternehmen
RWE Rheinbraun wird zurzeit keinen Antrag auf Änderung des
GEP einreichen", berichtet CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Winfried
Kösters. Die Firma bestätigte das.
"Gute Nachbarschaft"
Das Unternehmen wolle erst den Regionalrat "umfangreich informieren
und dann ins Verfahren einsteigen", sagte Sprecher Guido Steffen:
"Wir wollen das Verfahren nicht durchpauken, sondern Einvernehmen
mit den Leuten herstellen, denn wir brauchen eine gute Nachbarschaft
über Jahrzehnte hinaus."
Das Votum der Menschen vor Ort sei klar, glaubt Kösters: "Keine
Erweiterung des Kraftwerkes, keine Zustimmung zur Änderung
des GEP." Kösters und Jütte sehen sich in ihrer Arbeit
bestätigt. Jetzt gelte es zu klären, ob Alternativstandorte
eine Chance hätten, ob man Blöcke in Niederaußem
früher abschalten und ein Klimagutachten verlangen könne,
sagte Jütte am Freitag. Kösters: "Jetzt gilt es,
unsere Vorstellungen auf regionaler und auf Landesebene mehrheitsfähig
zu machen. Das wird schwer genug."
Für den FDP-Kreisverband Erft erklärte Horst Engel, es
sei Ziel der FDP, am Standort Niederaußem noch weitere Betriebe
anzusiedeln, damit die durch den Kraftwerksdampf entweichende Energie
besser ausgenutzt werden könne. Wenn sich dort Betriebe ansiedelten,
die die restliche Energie aus dem heißen Wasserdampf nutzen
könnten, würden letztlich auch die Schwaden aus den Kühltürmen
kleiner. Dazu sagte Steffen: "Eine solche Form von Kraft-Wärme-Kopplung
ist zwar denkbar, aber dafür müsste das Kraftwerk mit
völlig anderen Turbinen ausgestattet werden, und wir brauchten
einen Industriebetrieb, der auch den Dauerverbrauch sicherstellt."
Die FDP ist dafür, das Kraftwerkserneuerungsprogramm an mehr
als nur den beiden Standorten Niederaußem und Neurath umzusetzen.
Die Menge der in Niederaußem eingesetzten Kohle und die Kraftwerksschwaden
müssten "langfristig" auf das Niveau vor dem Bau
von BoA I begrenzt werden, forderte Engel.
Regionalrat vertagt BoA-Entscheidung.
Kölnische Rundschau
22.02.2003
Der Widerstand gegen weitere BoA-Blöcke in Niederaußem
zeigt Wirkung. Die Tagesordnung des Regionalrates für den 4.
April sieht nicht mehr die Einleitung einer Änderung des Gebietsentwicklungsplanes
(GEP) vor.
Stattdessen will das Unternehmen RWE Rheinbraun den Politikern noch
einmal das gesamte Kraftwerkserneuerungsprogramm im Detail erläutern.
- Aufgehoben ist nicht aufgeschoben: Gleich im Anschluss an die
Sitzung wird Rheinbraun den Antrag zur GEP-Änderung stellen.
Unternehmenssprecher Guido Steffen räumt ein, dass "Rheinbraun
sehr viel Gegenwind bekommen hat". Deshalb werde zunächst
das Gespräch gesucht. "Seit vielen Jahrzehnten pflegen
wir gute Nachbarschaft zu den Anwohnern rund um das Kraftwerk Niederaußem.
Das soll auch in Zukunft so bleiben."
CDU und Grüne im Bergheimer Stadtrat werten die Absetzung des
Tagesordnungspunktes im Regionalrat als ihren Erfolg. Jetzt gelte
es, so CDU-Fraktionsvorsitzender Wilfried Kösters, die Position
auf Regional- und Landesebene mehrheitsfähig machen. Reinhard
Jütte (Grüne) will erreichen, dass Klimaauswirkungen beschrieben
und andere Standorte geprüft werden.
CDU-Chefs sind nun wieder einig.
Kölnische Rundschau
19.02.2003
BERGHEIM / BEDBURG - Die Unstimmigkeiten über die Standortalternative
weiterer BoA-Blöcke in Kirchherten zwischen dem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden
von Bergheim, Winfried Kösters, und seinem Bedburger Kollegen
Norbert Michels konnten nun ausgeräumt werden. Kösters
zeigte Verständnis für die Verärgerung seines Bedburger
CDU-Kollegen. Bei der Standortalternative handele es sich lediglich
um eine Anregung der Bürgerinitiative Rheidt-Hüchelhoven,
betonte Kösters. Zudem seien die Mitglieder des Arbeitskreises
und er selbst im Vorfeld nicht informiert worden.
Einig sind sich Michels und Kösters, dass es in Zukunft kein
Gegeneinander von Bedburg und Bergheim geben dürfe. "Der
Wunsch der Bergheimer, die Konzentration der BoA-Blöcke in
Niederaußem abzuwenden, findet auch bei uns Verständnis",
sagte Michels. Damit ist nun der ursprünglich entstandene Eindruck,
dass die Bergheimer eine Lösung alleine auf Kosten der Bedburger
favorisieren, vom Tisch. Beide wollen zukünftig gemeinsam innerhalb
der CDU und in Gesprächen mit RWE / Rheinbraun eine für
alle Beteiligten tragfähige Lösung finden. Dazu stehen
in nächster Zukunft mehrere Gespräche auf der Tagesordnung.
Jetzt kommt Protest aus Bedburg.
Kölner Stadt-Anzeiger
18.02.2003
Bedburger CDU fühlt sich vom Arbeitskreis "BoA-Planung"
übergangen.
BERGHEIM / BEDBURG - Auf gemeinsamen Antrag aller Fraktionen ist
der Tagesordnungspunkt "Sicherung des Kraftwerksstandortes
Niederaußem" gestern in Hauptausschuss und Rat vertagt
worden. CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Winfried Kösters erinnerte
daran, dass eine Stadt in dem Genehmigungsverfahren für weitere
BoA-Blöcke "kaum Mitentscheidungsmöglichkeiten"
habe. Äußerungen der Landesregierung gäben allerdings
zu der Vermutung Anlass, dass "lokale Probleme nicht so entscheidend"
für den Bau weiterer Kraftwerke seien. Die von der Bürgerinitiative
vorgeschlagene Standortalternative für weitere BoA-Blöcke
bei Bedburg-Kirchherten solle nicht beschlossen, sondern zunächst
mit RWE besprochen werden. Kösters: "Wir wollen im Dialog
bleiben." Das sei auch Meinung der SPD, sagte Willi Abts, der
den erkrankten SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Wolle vertrat.
Am Rande der Sitzung erklärte Abts, warum er für den Beschluss
des Arbeitskreises BoA-Planung gestimmt hatte, der beinhaltet, nicht
ins Planverfahren einzusteigen. Der Beschluss sehe aber auch vor,
dass der Alternativstandort im Regionalrat diskutiert wird. Abts:
"Deshalb habe ich zugestimmt."
"Keine Konzentration!"
Vor der Sitzung nahm Kösters noch zu einer Äußerung
des anderen stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden, Helmut
Tillmanns, Stellung. Der hatte der CDU vorgeworfen, das Kraftwerk
Niederaußem bis auf einen BoA-Block abbauen lassen zu wollen.
Kösters dementierte das: "Wir wissen auch, dass ein einzelner
BoA-Block nicht wirtschaftlich ist. Unser Motto lautet: "BoA
ja - Konzentration nein". Wenn Blöcke abgebaut worden
sind, dann kann auch wieder etwas Neues kommen. Bevor man schon
jetzt über weitere Blöcke nachdenkt, muss man über
eine Entlastung der umliegenden Orte nachdenken."
Scharfe Kritik kam aus Bedburg. CDU-Vorsitzender Norbert Michels
ist "unangenehm überrascht" von dem Vorschlag, weitere
BoA-Blöcke bei Kirchherten zu bauen. So könne man unter
Nachbarn einfach nicht miteinander umgehen: "Jetzt einfach
Kirchherten ins Gespräch zu bringen, verlagert das Problem
nur." Das Gebiet liege in der Nähe des Landschaftsschutzgebiets
Rübenbusch: " Das ist einer von wenigen Waldstreifen und
eines der wenigen Gebiete in Bedburg, die bisher vom Bagger unberührt
sind." In Bedburg würden Rat und Verwaltung das Problem
mit den betroffenen Bürgern in Bedburg-Rath diskutieren. Zunächst
solle RWE die Planung in Niederaußem vorstellen. Dann könne
in Abstimmung mit allen Betroffenen - "und dazu gehören
alle Nachbargemeinden" - eine Meinungsbildung erfolgen.
Kraftwerk bei Kirchherten?
Kölner Stadt-Anzeiger
15.02.2003
Bürger und RWE Rheinbraun haben miteinander gesprochen, aber
sie sind sich nicht wirklich näher gekommen.
BERGHEIM / BEDBURG - Am Donnerstag trafen sich die Mitglieder des
Arbeitskreises "BoA-Planung" zum dritten und letzten Mal,
um eine Stellungnahme für Hauptausschuss und Rat, die am kommenden
Montag, 15 Uhr, im Rathaus tagen, zu verabschieden. Die Vertreter
aus Bürgerschaft und Parteien lehnten jede Planung weiterer
Kraftwerksblöcke in Niederaußem ab. Gegen die Stimmen
der Vertreter von RWE Rheinbraun lautete der Beschluss des Arbeitskreises
bei einer Enthaltung: "Der Arbeitskreis empfiehlt dem Rat,
der Einleitung des Verfahrens zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes
nicht zuzustimmen."
Stattdessen schlugen Hans-Joachim Gille und seine Mitstreiter von
der Bürgerinitiative gegen den BoA-Ausbau einen Alternativ-Standort
vor. Mit Bussen fuhr der Arbeitskreis zu dem Gelände nördlich
der ehemaligen Nato-Anlage bei Kirchherten in der Nähe von
Kaiskorb und dem Jackerather Autobahnkreuz. Dort, so Gille, könne
man ein Kraftwerk bauen, ohne dass Dörfer durch Wasserschwaden
verschattet würden. Zwischen fünf und sieben Kilometer
seien die Orte entfernt, in deren Richtung die Schwaden zumeist
zögen. Außerdem verlaufe im angrenzenden Tagebau Garzweiler
die Bandanlage, so dass der Kohletransport kein Problem darstelle.
In Bedburg zu bauen, würde nur fünf Prozent mehr kosten,
schätzt Gille.
RWE-Rheinbraun-Sprecher Guido Steffen: "Wir haben viele Standorte
sehr gründlich geprüft. Die bestehenden haben den Vorteil,
dass die Infrastruktur dort vorhanden ist, wie etwa Wasser-, Kohle-
und Ascheentsorgung oder Höchstspannungsleitungen. Standorte
auf der grünen Wiese sind im Vergleich nicht rentabel."
Die "goldenen Zeiten" seien ohnehin vorbei: "Wir
bauen ja nicht ohne Grund so viel Personal ab und sparen an allen
Ecken."
Die CDU stehe hinter dem Beschluss des Arbeitskreises, weil es für
die Menschen in der Umgebung des Kraftwerks "unzumutbar"
sei, noch weitere Blöcke zu errichten, erklärte Fraktionsvorsitzender
Dr. Winfried Kösters. Der Grüne Reinhard Jütte fordert
sogar, dass man RWE auffordern solle, schon jetzt die beiden alten
150-Megawatt-Blöcke in Niederaußem für BoA I abzuschalten.
Die Standortalternative soll dem Regionalrat und der Bezirksregierung
zugeleitet werden.
Anders sieht es Helmut Tillmanns von der SPD-Fraktion. Die SPD werde
die Empfehlung "sicherlich mit berücksichtigen",
wolle sich aber nicht daran beteiligen, in anderen Gemeinden Plätze
für Kraftwerke zu suchen. Die SPD sei nicht für eine Erweiterung
in Niederaußem, "aber auch nicht gegen eine Erneuerung
des Kraftwerkes", sagte Tillmanns: "Es gibt dabei viele
Interessen zu berücksichtigen wie Verkehr und Immissionen,
aber keineswegs folgen wir dem CDU-Vorschlag, nur BoA I dort stehen
zu lassen und den Rest stillzulegen. Wir wollen neu für alt.
Es darf keine Mehrbelastung der Bürger geben."
BoA bleibt Zankapfel in Niederaußem.
Kölner Stadt-Anzeiger
01.02.2003
Im Interessenkonflikt zwischen RWE und den Kraftwerksnachbarn ist
ein Kompromiss in weite Ferne gerückt.
BERGHEIM - Ernüchtert kehrte Hans-Joachim Gille von der Bürgerinitiative
aus Rheidt-Hüchelhoven vom zweiten Treffen des Arbeitskreises
"BoA-Planung" zurück: "RWE Rheinbraun hat keine
Alternativstandorte für BoA-Blöcke aufgezeigt." Es
bleibe dabei, dass die Kraftwerkskapazitäten in Neurath und
Niederaußem zusammengezogen werden sollen. Andere Möglichkeiten
seien nicht rentabel, weil etwa Bahnlinien und Straßentrassen
verlegt werden müssten, hatte der Konzern verlauten lassen.
Für Gille sind jetzt die Fronten klar: "RWE will zusätzliche
BoA-Blöcke in Niederaußem, wir nicht."
Gille weiß sich in Gesellschaft. Dr. Winfried Kösters,
Vorsitzender der Bergheimer CDU-Fraktion, erhielt am Donnerstagabend
viel Applaus von den Bürgern im Rheidt-Hüchelhovener Pfarrzentrums,
als er sagte: "Niederaußem hat mit dem Bau des ersten
BoA-Blockes seinen Anteil an der Energiegewinnung in Deutschland
geleistet." Beim Kraftwerks-Modernisierungsprogramm sei keine
Konzentration der Standorte vereinbart worden, sagte Kösters:
"Der Standort Niederaußem verträgt keinen weiteren
BoA-Block. Wir müssen uns über Standortalternativen unterhalten
und sonst über gar nichts mehr."
Ulrich Martin von der UBB / FDP-Fraktion machte einen Vorstoß
in die gleiche Richtung. Warum könne RWE Rheinbraun nach dem
zweiten BoA-Block nicht auch noch den dritten im Grevenbroicher
Stadtteil Neurath bauen? Grevenbroich werde doch durch den kompletten
Abbruch des Frimmersdorfer Kraftwerks weitaus stärker entlastet
als Bergheim, was Emissionen und Dampfschwaden angehe. Dr. Frank
Drake von RWE signalisierte Verständnis: "Ich sagte ja
schon, dass es nicht gesetzt ist, dass der dritte BoA-Block nach
Niederaußem kommt. Vielleicht kommt man auch angesichts der
von Ihnen hier geschilderten Tatsachen zu dem Schluss, ihn in Neurath
zu bauen."
Eine Umsiedlung Auenheims ist laut Gilles jedenfalls kein Thema
mehr: "Wir wollen hier keinen weiteren BoA-Block. Dann brauchen
wir auch keine Umsiedlung."
BoA-Pläne sorgen für Zündstoff.
Kölner Stadt-Anzeiger
25.01.2003
Der Fraktionsvorsitzende wirft dem Ortsvereinsvorstand Unkenntnis vor.
NIEDERAUSSEM - Der SPD-Ortsverein Außem lehnt eine Erweiterung des Kraftwerksstandortes
Niederaußem ab, schreibt Vorsitzender Wolfgang Sewelies. Insbesondere
die Bürger Auenheims, Nieder- und Oberaußems erwarteten
den "zügigen Abbau von Alt-Anlagen" in Niederaußem.
Durch die Akzeptanz des ersten BoA-Blockes sei die Bevölkerung
"dem Energieerzeuger gegenüber bereits in Vorleistung
getreten". Die SPD Außem sei aber "prinzipiell"
nicht gegen eine Erneuerung der Braunkohlekraftwerke im rheinischen
Revier, denn die führe "in der Regel zur Senkung von Schadstoffemissionen".
In einem Schreiben an SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Wolle
beklagt Sewelies, dass Wolle eine Anfrage des Ortsvereins zur BoA-Erweiterung
unbeantwortet gelassen haben soll. Außerdem will er von Wolle
wissen, wie er als Mitglied im Regionalrat über die für
die BoA-Erweiterung notwendige Änderung des Gebietsentwicklungsplanes
abstimmen wird: "Siehst Du dich persönlich als Mitarbeiter
des RWE-Konzerns als befangen in dieser Angelegenheit an?"
Wolle sagte dazu: "Diese Fragen sind unsachlich und darauf
ausgerichtet, mich in eine bestimmte Ecke zu drücken. Ich stelle
mich der Angelegenheit aber sachlich." Am Freitag habe er der
SPD-Fraktion im Regionalrat in Köln die Lage in Niederaußem
geschildert. Die nächste Fraktionssitzung werde in Bergheim
stattfinden. Auch die SPD-Abgeordneten aus dem Kreistag und dem
Stadtrat würden daran teilnehmen. Am 14. März werde man
den BoA-Block besichtigen und auch mit der Bürgerinitiative
aus Rheidt-Hüchelhoven sowie den Planungsbehörden sprechen,
berichtete Wolle: "Das ist meine Art, mit diesen Fragen umzugehen.
Die Äußerungen des Ortsvereinsvorstandes Außem
sind hingegen gekennzeichnet von Unkenntnis. In der Regionalratssitzung
am 4. April geht es nicht um einen Beschluss über den Gebietsentwicklungsplan,
sondern nur um die Einleitung eines Verfahrens, an dessen Ende erst
ein Beschluss steht."
Die Stadtverwaltung teilte mit, dass der öffentliche Arbeitskreis
"BoA-Planung" am Donnerstag, 30. Januar, um 18 Uhr im
Pfarrheim St. Michael an der Nikolaus-Adams-Straße 29 in Rheidt-Hüchelhoven
zusammentreten wird. RWE Rheinbraun werde zu Fragen wie Standortkonzentration
und Umsiedlung Auenheims Stellung nehmen.
Der Protest zeigt Wirkung.
Kölner Stadt-Anzeiger
18.01.2003
Noch konnten sich Bürger und RWE Rheinbraun auf keine Lösung einigen.
AUENHEIM - Über die Landstraße 279 n hinweg will Rheinbraun
RWE das Niederaußemer Kraftwerk nun nicht mehr ausdehnen.
Überhaupt heiße die Devise nicht mehr "Erweiterung",
sondern "Erhalt" des Kraftwerks, betonte Dr. Frank-Detlef
Drake, Abteilungsleiter Kraftwerksplanung bei RWE Rheinbraun. Ursprünglich
seien fünf BoA-Blöcke in Niederaußem geplant gewesen,
jetzt setze RWE Rheinbraun auf "neu für alt". Zurzeit
stimmt diese Rechnung noch nicht, denn durch BoA I wird zumindest
in den nächsten neun Jahren mehr Kohle in Niederaußem
verbrannt als bisher.
"Ja, es gibt Überlappungen", räumte Drake ein.
Wie viele BoA-Blöcke schlussendlich in Niederaußem stehen
sollen, ließ er auf der ersten Sitzung des städtischen
Arbeitskreises "Planung BoA" am Donnerstagabend im Auenheimer
Ordenshof offen, aber: "Ich habe heute Bürgermeister Peters
mitgeteilt, dass wir uns an die vom Rat gewünschte Input-Begrenzung
halten und nicht mehr Kohle im neuen Niederaußemer Kraftwerk
verbrennen wollen, als im alten Kraftwerk ohne den neuen BoA-Block
verbrannt worden ist." Außerdem sicherte Drake zu, den
Raum, in dem die Auswirkungen möglicher Kraftwerksneubauten
auf die umliegenden Dörfer untersucht werden, von 1500 auf
2000 Meter Radius rund um die geplante Baustelle zu erweitern: "Damit
ist Rheidt-Hüchelhoven einbezogen."
Obwohl RWE Rheinbraun damit von seiner ursprünglichen Position
abgerückt ist, gibt es noch kein Einverständnis bei den
Bürgern, wie Hans-Joachim Gille vom Stadtteilforum Rheidt-Hüchelhoven
deutlich machte: "Durch den höheren Wirkungsgrad holen
sie doch mehr Strom aus der Kohle. Ein BoA-Block und zwei 600 Megawattblöcke
reichen für Niederaußem. Das ist neu für alt."
Auch Niederaußems Ortsvorsteher Rolf Kremer (CDU), der die
Versammlung leitete, sieht es ähnlich: "Weitere BoA-Blöcke
wollen die Bürger nicht."
Drake betonte, Reihenfolge und Orte der Kraftwerksneubauten seien
nicht mit dem Land abgestimmt. Seit dem Jahr 2000 seien 120 Varianten
für Kraftwerksneubauten geprüft worden, Ende 2001 sei
die gewünschte Konzentration auf die Standorte Neurath und
Niederaußem erstmals öffentlich verkündet worden.
Stadtplaner Joachim Heidemann widersprach, die Stadt sei erst im
Sommer 2002 informiert worden. Nach den Sommerferien habe man das
Thema der Politik vorgestellt. CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Winfried
Kösters hingegen betonte, er habe von den RWE-Plänen erst
im November erfahren.
Dieter Hunke erklärte für die Dorfgemeinschaft Niederaußem:
"Wenn ich sehe, dass RWE große Landkäufe tätigt,
dann müssen doch im Rathaus die Alarmglocken klingeln."
Drake sagte, Landkäufe seien "in der Diskussion",
es seien nur "erste Gespräche" geführt worden.
Etwa ein Drittel der benötigten Baufläche für weitere
BoA-Blöcke gehöre RWE. Klaus Gülden, Ortsvorsteher
von Auenheim (SPD), sprach für die Menschen aus seinem Dorf:
"Wir sind seit 35 Jahren großen Belastungen ausgesetzt.
Wenn rund um unsere Häuser neue BoA-Blöcke entstehen sollen,
dann fordern wir unsere Umsiedlung." Auch Ulrich Martin von
der UBB / FDP betonte, es sei gerechter, das Kraftwerk Neurath in
der ersten Phase des bis 2030 laufenden Kraftwerkserneuerungsprogrammes
stärker auszubauen als das Niederaußemer.
Doch bisher hat RWE andere Pläne: 2008 soll BoA II in Neurath
laufen, 2012 BoA III in Niederaußem. Stillgelegt werden aber
bis dahin in Niederaußem nur zwei "kleine" 150 MW-Blöcke,
dafür aber zwölf in Frimmersdorf und zwei in Weisweiler.
Bei der nächsten Sitzung des Arbeitskreises soll RWE Alternativstandorte
für neue Kraftwerke aufzeigen.
Düsseldorf hat das letzte Wort.
Damit RWE Rheinbraun in Niederaußem neue Kraftwerksblöcke
bauen kann, muss die Firma Grundstücke kaufen oder pachten.
Weiterhin braucht sie als erstes zusätzlich eine Zustimmung
zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes. Diese Entscheidung
wird im Regionalrat gefällt, der die Verfahrensherrschaft über
den Gebietsentwicklungsplan hat. Der Regionalrat besteht aus demokratisch
gewählten Vertretern aus den Kommunen des Regierungsbezirkes.
In der Sitzung am Freitag, 4. April, steht in Köln das Thema
"BoA in Niederaußem" auf der Tagesordnung.
Seit 1994 gibt es unabhängig davon eine Vereinbarung zwischen
Rheinbraun, RWE und der Landesregierung. Darin wird RWE Rheinbraun
gestattet, den Tagebau Garzweiler II auszukohlen, wenn die Firma
den Kraftwerkspark modernisiert. Wo die effizienteren BoA-Blöcke
allerdings gebaut werden, ist nicht vereinbart.
Wenn die Beschlüsse des Regionalrats dem Landesentwicklungsplan
widersprechen, kann das Ministerium für Verkehr, Energie und
Landsplanungen feststellen, dass der Regionalrat den Gebietsentwicklungsplan
innerhalb angemessener Fristen ändern muss. Geschieht das nicht,
kann das Ministerium die Planung "ganz oder teilweise selbst
durchführen".
CDU gegen BoA.
Kölnische Rundschau
16.01.2003
KÖLN / BERGHEIM - Die CDU-Fraktionen im Regionalrat und im Bergheimer Stadtrat
sind sich einig, dass den Anwohnern ein weiterer BoA-Block am Kraftwerk
Niederaußem nicht zugemutet werden kann. "An diesem Standort
ist die Belastungsgrenze erreicht worden", heißt es in
einer Presseerklärung der CDU-Fraktion im Regionalrat Köln.
Am 4. April steht der Antrag auf Änderung des Gebietsentwicklungsplanes
zugunsten der neuen BoA-Planung auf der Tagesordnung des Regionalrates.
Eine Zustimmung der CDU-Fraktion zu diesem Antrag ist nicht zu erwarten.
Die Christdemokraten haben die absolute Mehrheit im Regionalrat.
In Vorbereitung der Sitzung im April werden die Mitglieder des Regionalrats
am Freitag, 14. März, zu einem Ortstermin nach Niederaußem kommen.
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