|
Hier finden Sie einige Pressestimmen zum RWE-Konzern, zum BoA-Kraftwerk und zu unserer
Bürgerinitiative Big BEN. Wir haben zusammengetragen was an Veröffentlichungen zu finden war.
Auffallend ist dabei, dass das Unternehmen RWE nicht nur Strom produziert sondern auch fasst
ausnahmslos negative Schlagzeilen.
24.12.2004
Die umstrittene RWE-Abfindung von 160 000 Mark FOCUS MONEY ONLINE
21.12.2004
Fall Meyer entfacht Diskussion um Nebeneinkünfte DIE WELT.DE
20.12.2004
Von Arnim sieht Fall Meyer ´im Dunstkreis der Korruption´ FINANCIAL TIMES
20.12.2004
Politiker an der kurzen Leine CAPITAL.DE
18.12.2004
Doppel-Gehälter, weitere 130.000 Mark an Laurenz Meyer SPIEGEL
17.12.2004
CDU-General: Gehalt von RWE WDR.DE
15.12.2004
Bärbel Höhn will BoA Kölnische Rundschau
14.12.2004
Keine Verzögerung beim Genehmigungsverfahren Kölner Stadt-Anzeiger
13.12.2004
Korruption – Strom bewegt Politiker DIE ZEIT
13.12.2004
Kein Nachspiel für Meyer wegen Billig-Stroms Kölner Stadt-Anzeiger
12.12.2004
Billig-Strom für Meyer Kölner Stadt-Anzeiger
52/2004
Die Vollversorger STERN
12.12.2004
(K)ein Unterschied Kölnische Rundschau
11.12.2004
Verbilligter RWE-Strom für Laurenz Meyer Kölnische Rundschau
10.12.2004
„Konsequent und entsprechend zu achten“ Kölner Stadt-Anzeiger
09.12.2004
KORRUPTION Kölnische Rundschau
09.12.2004
So mancher Parlamentarier ist Diener... Kölnische Rundschau
08.12.2004
Arentz gibt auf Kölner Stadt-Anzeiger
07.12.2004
Gute Kunde fürs Revier Kölnische Rundschau
07.12.2004
Auf BoA und Garzweiler II konzentriert Kölner Stadt-Anzeiger
06.12.2004
Steinbrück fordert Entscheidung... Kölner Stadt-Anzeiger
06.12.2004
Feldhamster-Streit: DGB wirft Naturschützern... Kölnische Rundschau
03.12.2004
Ausschuss für Nachtbohrverbot Kölnische Rundschau
03.12.2004
Unionspolitiker Arentz: Keine Arbeitsleistung, aber... Kölner Stadt-Anzeiger
23.11.2004
Feldhamster bringen einen Kraftwerksblock... Kölner Stadt-Anzeiger
22.11.2004 Stoppt Hamster RWE Power? Kölnische Rundschau
08.11.2004
RWE legt Quartalszahlen vor - Gewinnzuwachs erwartet Kölner Stadt-Anzeiger
21.10.2004
Für Braunkohle Subventionen in Millionenhöhe Neuß-Grevenbroicher Zeitung
21.10.2004
Staatsknete für Braunkohle Neuß-Grevenbroicher Zeitung
14.09.2004
Über Standorte wird weiter gestritten Kölnische Rundschau
06.09.2004
Klares „Ja“ zum Neubau von BoA-Kraftwerken formuliert Kölnische Rundschau
03.09.2004
Grüne nicht grundsätzlich gegen Kohle Kölner Stadt-Anzeiger
02.09.2004
„Erst abreißen, dann neu bauen“ Kölnische Rundschau
11.08.2004
RWE-Konzern gibt Milliarden aus Kölner Stadt-Anzeiger
15.07.2004
„Genauigkeit vor Schnelligkeit“ Kölner Stadt-Anzeiger
15.07.2004
„Es gibt vier Standorte“ Kölnische Rundschau
11.05.2004
Antrag für BoA im Doppelpack Kölner Stadt-Anzeiger
30.04.2004 "Wir müssen an allen Schrauben drehen" Kölner Stadt-Anzeiger
30.04.2004 Angst vor dem Feinstaub Kölner Stadt-Anzeiger
29.04.2004 Kosten müssen weiter sinken Kölnische Rundschau
29.04.2004 Dem Feinstaub auf der Spur Kölnische Rundschau
29.04.2004 Vertrag über 200 Millionen mit RWE Kölner Stadt-Anzeiger
28.04.2004 "Wir haben hier Dreck wie jeck" Kölner Stadt-Anzeiger
27.04.2004 Neue Aufregung bei RWE Power Kölnische Rundschau
26.04.2004 Ist der unsichtbare Staub eine Gefahr? Kölnische Rundschau
23.04.2004 Politik gegen die Braunkohle? Kölnische Rundschau
15.04.2004 RWE-Chef Roels steht Aktionären Rede und Antwort Kölner Stadt-Anzeiger
15.04.2004 RWE erwartet 2004 kräftiges Gewinnplus Kölnische Rundschau
15.04.2004 RWE steuert ruhigeres Fahrwasser an Kölnische Rundschau
10.04.2004 Wo tiefe Löcher und große Bagger locken Kölner Stadt-Anzeiger
31.03.2004 Neues BoA rückt ein Stück näher Stadt-Anzeiger Kölner
30.03.2004 RWE sichert Bau neuer Kraftwerke zu Kölnische Rundschau
30.03.2004 KOMMENTAR: Sieger? Gesiegt hat hier niemand Kölnische Rundschau
27.03.2004 Totenkopf im Kraftwerksdampf Kölner Stadt-Anzeiger
19.03.2004 Klare Worte für die Kraftwerker Kölnische Rundschau
27.02.2004 RWE legt BoA-Pläne auf Eis Kölner Stadt-Anzeiger
07.02.2004 Nein bedeutet keine Absage Kölner Stadt-Anzeiger
06.02.2004 Vesper staunt über BoA Kölnische Rundschau
03.02.2004 Kein RWE-Zeitplan Kölnische Rundschau
03.02.2004 CDU: Neue Blöcke nur bei Abbruch Kölner Stadt-Anzeiger
Die umstrittene RWE-Abfindung von 160 000 Mark für den zurückgetretenen
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer wurde aus Versehen bezahlt
FOCUS MONEY ONLINE
24.12.2004
Als Grund für die versehentliche Auszahlung von 160.000 Mark nannte RWE
einen internen Kommunikationsfehler. Insgesamt habe Meyer nach
Übernahme des Fraktionsvorsitzes im Düsseldorfer Landtag 250.000
Mark (rund 127.800 Euro) von der damaligen VEW Energie AG bekommen,
teilte RWE als Ergebnis seiner internen Untersuchung mit.
Die Summe sei in zwei Tranchen zu 90.000 und 160.000 Mark geteilt
worden. Die 160.000 Mark hätten ausgezahlt werden sollen, wenn Meyer
nach der Landtagswahl im Mai 2000 endgültig in die Politik gegangen
und das bis dahin ruhend gestellte Arbeitsverhältnis beendet worden
wäre.
Nach dem Misserfolg bei der Wahl sei Meyer jedoch in den Konzern
zurückgekehrt. Wegen Nichtbeachtung der Absprachen sei Meyer
zusätzlich zu seinen laufenden Bezügen - ein für den Fall seines
Ausscheidens bei der VEW Energie AG gedachter Betrag in Höhe
von 160.000 DM "zur Erleichterung des Übergangs" im Juli 2000
ausbezahlt worden.
Fall Meyer entfacht Diskussion um Nebeneinkünfte
DIE WELT.DE
21.12.2004
Bundestagspräsident Thierse ist gegen Zusatzverdienste. Der
CDU-Generalsekretär sagt, er hätte „dazugelernt“. Ein
SPD-Abgeordneter spricht von "legalen Formen der Korruption"
BERLIN - Nach den umstrittenen Zahlungen des Stromkonzerns RWE an
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sprach sich Bundestagspräsident
Wolfgang Thierse (SPD) gegen Zusatzverdienste für Politiker aus.
Parlaments-Vizepräsident Hermann Otto Solms (FDP) nannte Meyers
Verhalten „mehr als fahrlässig“. RWE erklärte, das Unternehmen habe
keine weiteren Spitzenpolitiker auf der Lohnliste.
„Ganz pauschal
finde ich, dass Abgeordnete Nebeneinkünfte nicht benötigen“, sagte
Thierse der „Frankfurter Rundschau“. Dies gelte vor allem, wenn
ihnen „keine wirkliche Arbeitsleistung zu Grunde liegt“.
Nebentätigkeiten von Abgeordneten seien jedoch dann in Ordnung, wenn
der Wähler „diese Verbindungen seiner Vertreter im Parlament kennt“.
Vielleicht werde der eine oder andere Parlamentarier auch gewählt,
weil er als Unternehmer, Aufsichtsrat oder Gewerkschafter tätig sei.
Der
FDP-Politiker Hermann Otto Solms wertete das Verhalten des
CDU-Generalsekretärs als „grobe Fahrlässigkeit“. Den Rufschaden
hätten Meyer und die CDU zu tragen. Der „gläserne Abgeordnete“, der
Nebeneinkünfte abzulehnen hätte oder diese angeben müsse, sei aber
auch nicht das richtige Instrument, meinte Solms.
Meyer sagte
unterdessen im ZDF, er habe inzwischen „eindeutig dazugelernt“. Mit
seiner Spende wolle er einen Punkt korrigieren, „den ich damals für
ganz normal gehalten habe“. Er warb um Verständnis dafür, daß er
sich für eine Rückkehr in die Wirtschaft abgesichert habe. „Ich weiß
nicht, ob man sich das wirklich zum Vorwurf machen muß.“
RWE
überprüfte Gehaltslisten
RWE prüft
derzeit, wie viele Mitarbeiter politische Mandate ausübten. „Nach
bisherigem Kenntnisstand können wir sagen, dass neben Hermann-Josef
Arentz und Laurenz Meyer keine weiteren Bundes-, Landes- oder
Europapolitiker in einem aktiven oder ruhenden Arbeitsverhältnis zu
RWE stehen“, sagte eine Sprecherin. Arentz (CDU) hatte von RWE
Gehalt ohne ersichtliche Arbeitsleistung bekommen und deshalb seine
politischen Ämter verloren. Schätzungsweise rund 200 der rund 60.000
Beschäftigen seien auf kommunaler Ebene politisch tätig, die meisten
von ihnen ehrenamtlich, sagte die RWE-Sprecherin.
Der
SPD-Abgeordnete Hermann Scheer warf den Stromkonzernen vor, über
Jahre ein „finanzielles Beziehungsgeflecht“ zu Amtsträgern und
Beamten geknüpft zu haben. „Es handelt sich dabei um legale Formen
der Korruption“, meinte der engagierte Befürworter erneuerbarer
Energien.
Thüringens
Ministerpräsident möchte die Debatte beenden
Thüringens
Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) befürchtet einen Schaden für
die politische Kultur bei einer anhaltenden Diskussion wie um
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. „Ich hoffe, daß uns in den
nächsten Wochen und Monaten eine solche Debatte in anderer Form
erspart bleibt, weil das der politischen Kultur abträglich ist“,
sagte Althaus. Er habe aber keinen Grund, Meyer zu kritisieren.
EnBW
reagiert auf den Fall Meyer
Die Gehälter
der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Energie
Baden-Württemberg AG (EnBW) werden im Geschäftsbericht 2004 erstmals
einzeln ausgewiesen. Gleichzeitig betonte der Energieversorger,
einen vergleichbaren Fall wie den des CDU-Generalsekretärs Laurenz
Meyer gebe es nicht. „Die EnBW lehnt Vertragsbeziehungen ab, denen
keine Arbeitsleistung gegenüber steht.“
Von Arnim sieht Fall Meyer ´im Dunstkreis der Korruption´
FINANCIAL TIMES
20.12.2004
Nach Ansicht des Verfassungsrechtlers Hans Herbert von Arnim sind die
Zahlungen des Energiekonzerns RWE an CDU-Generalsekretär Laurenz
Meyer "verfassungsrechtlich hochproblematisch". Sie bewegten sich
"im Dunstkreis der Korruption".
"Ein so einflussreicher Politiker darf nicht auf der Gehaltsliste eines
Konzerns stehen", sagte von Arnim der Financial Times Deutschland.
"Das riecht nach Kauf von Einfluss, was Korruption wäre, und hier
muss schon der böse Schein verhindert werden", sagte der Speyrer
Verfassungsrechtler weiter. Für ihn ist der Fall Meyer nicht
weniger schlimm als der Fall Arent.
Der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse (CDA), Hermann-Josef Arentz,
musste in der vergangenen Woche auf Druck der Partei seinen Posten
aufgeben. Zuvor war bekannt geworden, dass Arentz neben seiner
Abgeordnetentätigkeit im Düsseldorfer Landtag für die RWE Power AG
beschäftigt war und 60.000 Euro Gehalt sowie kostenlose
Stromlieferungen bezog, allerdings keine Arbeitsleistungen für RWE
erbrachte.
Hingegen beteuert CDU-Generalsekretär Meyer, er habe tatsächlich in der
Anfangsphase seiner Generalsekretärs-Tätigkeit noch Geschäfte für
RWE abgewickelt und dafür Gehalt bezogen. Doch dafür dürfte Meyer,
so von Arnim, kaum die Zeit gehabt haben. Denn er sei ja auch noch
Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen.
Politiker an der kurzen Leine. Die RWE-Zahlungen an CDU-Generalsekretär
Laurenz Meyer sind kein Einzelfall.
CAPITAL.DE
20.12.2004
Die RWE-Zahlungen an CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sind kein
Einzelfall. Etliche Unternehmen suchen die Nähe zu Politikern und
zahlen ihnen Gehälter.
Als Hans-Dietrich Genscher noch in Berlin die Strippen zog, war Hartmut
Knüppel einer seiner wichtigen Zuarbeiter. Heute ist die
Allianz-Group sein Brötchengeber. Er residiert unter der feinen
Adresse Pariser Platz 6 in einem Büro mit Blick auf das noble Hotel
Adlon am Brandenburger Tor. Ursprünglich als Hauptstadtposten für
Vorstände der Dresdner Bank gedacht, dient es Knüppel nun dazu, die
Interessen des Finanzkonzerns bei Beamten und Abgeordneten des
Deutschen Bundestags zur Geltung zu bringen.
Wie die ALLIANZ GROUP halten sich alle großen Konzerne und
Wirtschaftsverbände Lobbyisten, die die Politik in ihrem Sinne
durchwirken sollen, - mitunter auch Abgeordnete, die damit nicht
ausschließlich "Vertreter des ganzen Volkes" sind, wie es im
Grundgesetz heißt. "Diener zweier Herren" nennt der Parteienkritiker
Hans Herbert von Arnim solche Politiker. Doch bisweilen ist sogar
das noch steigerungsfähig - wie beim CDU-Politiker Laurenz Meyer,
der eine Zeit lang gleich für drei Fulltime-Jobs kassierte: als
CDU-Generalsekretär, als nordrhein-westfälischer
Landtagsabgeordneter und als Manager des Dortmunder Energiekonzerns
VEW, der inzwischen zum Essener RWE-Konzern gehört.
Auf guten Willen der
Parlamentarier angewiesen
Wer Genaueres über die Verquickungen zwischen Politik und Wirtschaft
erfahren will, ist auf den guten Willen der Parlamentarier
angewiesen. In Berlin müssen die 601 Abgeordneten dem
Bundestagspräsidenten melden, für welche Unternehmen, Verbände oder
Vereine sie tätig sind. Von wem sie dabei entlohnt werden und in
welcher Höhe, bleibt indes ihr Geheimnis. Die gleiche Regelung gilt
für viele Landtage - und eröffnet den Unternehmen eine Grauzone, die
sie sich zunutze machen.
"Hier muss schon der böse Schein verhindert werden", sagt von Arnim.
Für den Speyrer Verfassungsrechtler ist der Fall Meyer "nicht
weniger schlimm" als der Fall Hermann-Josef Arentz. Der Vorsitzende
der CDU-Sozialausschüsse hatte neben seiner Abgeordnetentätigkeit in
Düsseldorf von der RWE-POWER-AG 60.000 Euro und kostenlose
Stromlieferungen bezogen und war deshalb nach anhaltender Kritik vor
zwei Wochen zurückgetreten. Der Fall Meyer, so der Parteienkritiker,
bewege sich "im Dunstkreis der Korruption". "Ein so einflussreicher
Politiker darf nicht auf der Gehaltsliste eines Konzerns stehen. "
Betriebsvereinbarungen für besondere
Beziehungen
Der Energieversorger RWE findet das nicht anrüchig. Mehr als 200
Kommunalpolitiker seien unter Vertrag, räumt Konzernchef Harry Roels
ein. Das Unternehmen legt seinen politisch engagierten Mitarbeitern
keine Steine in den Weg. Die besonderen Beziehungen werden eigens in
einer Betriebsvereinbarung festgehalten. Die jüngste stammt vom 13.
Oktober dieses Jahres. Darin sichert die Tochterfirma RWE Power
ihren Mitarbeitern weitreichende Rechte zu, wenn sie sich als
Abgeordnete oder Bürgermeister wählen lassen. "Mandatsträger werden
auf Antrag ganz oder teilweise von der Arbeit freigestellt", heißt
es dort. Verdienen sie in den Parlamenten und Rathäusern weniger als
bisher, so "erhalten sie für die Dauer ihrer Mandatsausübung von RWE
Power einen finanziellen Ausgleich". Endet der Ausflug in die
Politik, garantiert RWE ihnen eine Rückkehrer in den Konzern.
Die Essener leisten darüber hinaus auch Kärrnerarbeit. In
regelmäßigen Abständen veranstalten sie kommunalpolitische
Schulungsseminare für Mitarbeiter, mitunter werden dafür komplette
Hotels angemietet.
Nordrhein-Westfalen ist ein Musterbeispiel für die engen Bande
zwischen Politikern und Unternehmern. Rund 80 der 229
Landtagsabgeordneten des Vollzeitparlaments schaffen es, einem
zusätzlichen Beruf nachzugehen. Etliche sind bei einem der
heimischen Konzerne angestellt. So arbeitet der CDU-Abgeordnete Karl
Kress als Laborleiter der bisherigen Bayer Faser GmbH, die jetzt zu
Lanxess gehört. Der SPD-Abgeordnete Bernhard Kasperek ist Prokurist
bei dem Chemiekonzern DEGUSSA, der FDP-Abgeordnete Jens Jordan
Bereichsleiter bei ThyssenKrupp Stahl. Das ist nicht illegal, aber,
so sagt Reiner Priggen, Fraktionsvize der Grünen im Landtag: "Wer
bezahlt, erwartet eine Gegenleistung."
Wenig
Hemmungen für den Arbeitgeber aktiv zu werden
Nicht jeder Abgeordnete ist dazu bereit oder in der Lage. Der
Christdemokrat Hermann-Josef Arentz etwa habe sich im Landtag nie zu
energiepolitischen Fragen geäußert, beobachtete man bei RWE. Andere
Abgeordnete haben deutlich weniger Hemmung, im Parlament zum Wohle
ihres Arbeitgebers aktiv zu werden.
Als im Düsseldorfer Landtag über die EU-Chemikalienrichtlinie
debattiert wurde, konnte der Chemiekonzern Degussa stolz auf seinen
ins Parlament entsandten Mitarbeiter Bernhard Kasperek sein. Der
Sozialdemokrat forderte, dass "die ökonomischen und sozialen Fragen
der neuen EU-Chemikalienpolitik besser untersucht werden" müssten,
warnte vor einem Verfahren, das "den Forschungsstandort
Nordrhein-Westfalen torpediert", und proklamierte: "Wir wollen mehr
Chemie." Dass er umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist,
muss Kasperek in diesem Moment entfallen sein. Er selbst sieht das
anders. "Die deutsche Chemie ist in der Umwelttechnik führend in der
Welt", sagt er. "Ich sehe für mich keine Interessenkonflikte." Sein
Arbeitgeber freut sich: "Degussa versteht sich als Corporate Citizen
und befürwortet ausdrücklich ein politisches Engagement ihrer
Mitarbeiter", betont das Unternehmen.
Konkurrenzfähigkeit erheblich
beeinträchtigt
Auch der
Christdemokrat Karl Kress, im Umweltausschuss des Landtags ansonsten
ein eher schweigsamer Vertreter, blühte richtig auf, als es um die
EU-Richtlinie und damit um handfeste Interessen seines Arbeitgebers
Bayer ging. Die geplante Regelung aus Brüssel "würde die
Konkurrenzfähigkeit der nordrhein-westfälischen Industrie in
erheblichem Maße beeinträchtigen", schließlich drohten den
Unternehmen "finanzielle Mehrbelastungen und erhöhter
Personalaufwand".
Auch sonst kämpft Kress wacker zum Wohle seines Hauptarbeitgebers.
Zwei seiner vier Reden, die er in diesem Jahr im Düsseldorfer Plenum
hielt, widmeten sich der Gefährdung des Wirtschaftsstandortes NRW
durch den Emissionshandel sowie der Wettbewerbsfähigkeit der
NRW-Chemie. Und auf seiner Homepage rühmt sich der Politiker aus
Dormagen, Landes- und Europaabgeordnete seiner Partei mit Vertretern
seines Arbeitgebers BAYER zusammengebracht zu haben. Gesprächsthema:
natürlich die EU-Chemikalienrichtlinie. Denn, so verkündet Kress:
"Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wenn durch überzogene
bürokratische Vorgaben Arbeitsplätze in Dormagen gefährdet werden."
Viel
geändert hat sich nicht
Bis weitere Fälle von Interessenkollission ans Tageslicht kommen
werden, ist nach Einschätzung von Experten nur eine Frage der Zeit.
Energieversorger sind seit jeher besonders eng mit der Politik
verbandelt. Von der großen Bundespolitik, wo sie derzeit von der
verspäteten Energiemarkt-Regulierung profitieren, bis hinunter zu
den Kommunen reichen die Verbindungen. Bereits 1997 kritisierte der
damalige Präsident des Bundeskartellamts, Dieter Wolf, die Präsenz
der Kommunen in etlichen Gremien der Energieversorger. Deren
Sinnhaftigkeit bestehe im Wesentlichen darin, "dass in schöner
Regelmäßigkeit Weltreisen mit Ehefrauen gemacht werden."
Viel geändert hat sich seither offenbar nicht, wie die Beispiele
Arentz und Meyer zeigen. Der frühere Shell-Manager Harry Roels, der
seit fast zwei Jahren vom Essener RWE-Hochhaus aus den Konzern
führt, will die Affären jetzt zum Anlass nehmen, die großzügigen
Rechte der politischen Landschaftspfleger zu beschneiden. In einem
Brief an die Mitarbeiter kündigte der Niederländer Ende vergangener
Woche die Bildung einer Kommission an, die bis Mitte 2005 neue
Richtlinien zu parlamentarischen und ehrenamtlichen Tätigkeiten
vorlegen soll. "Eine Rückkehrgarantie darf es künftig nicht mehr
geben", hieß es am Montag im Konzern.
Firmenkenner bezweifeln, ob Roels die seit mehr als hundert Jahren
gewucherte Unternehmenskultur mit einer Kommission säubern kann. Für
volle Aufklärung könne nur der Essener Energiekonzern selbst sorgen,
sagt Grünen-Chef Reinhard Bütikofer: "Es wäre Zeit, dass RWE offen
legt, wer eigentlich insgesamt auf ihrer Gehaltsliste steht oder
stand, damit man bestimmte energiepolitische Äußerungen genauer
zuordnen kann."
Geheimsache Politikerbezüge
Immer wenn neue Verquickungen von Politik und Wirtschaft auffliegen
und Empörung durchs Land geht, lässt sich der ein oder andere
Politiker dazu hinreißen, mehr Transparenz einzufordern. Ist die
Aufregung erst einmal verflogen, bleibt vieles beim Alten.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Lange hat 2002 dafür
gekämpft, den gläsernen Volksvertreter zu schaffen. Nach dem Vorbild
ihrer US-Kollegen sollten deutsche Parlamentarier auf Euro und Cent
angeben müssen, welche Nebeneinkünfte sie kassieren. Aber Union und
FDP blockten ab, und selbst in den eigenen Reihen eckte Lange an. So
sagte der damalige SPD-Fraktionschef im Bundestag, Ludwig Stiegler,
seine Fraktion wolle keine gläsernen Politiker: "Wir haben bei uns
keine Tradition, dass die Leute sich in der Öffentlichkeit
ausziehen."
In der letzten Sitzungswoche der letzten Legislaturperiode, an einem
Abend im September 2002, kam doch noch eine kleine Reform zustande:
Seither müssen alle Abgeordneten dem Bundestagspräsidenten melden,
welche Nebentätigkeiten sie ausüben. Ob und wie viel Geld sie dafür
erhalten, erfährt allerdings weder der Bundestagspräsident noch die
Öffentlichkeit.
"Die heute gültige Regelung kam damals nur durch, weil es die
Scharping-Hunzinger-Affäre gab. Sonst wäre selbst die gescheitert",
sagt Lange rückblickend. Im Lichte der Meyer-Affäre einen neuen
Vorstoß zu unternehmen, hält der Sozialdemokrat für zwecklos: "Das
würde mit Sicherheit an der Opposition scheitern."
Doppel-Gehälter weitere 130.000 Mark an Laurenz Meyer
SPIEGEL
18.12.2004
Die Affäre um
Laurenz Meyer ist mit dem Teilgeständnis des CDU-Generalsekretärs
noch nicht zu Ende. Laut SPIEGEL-Recherchen hat Meyer vom
Stromriesen RWE weitere 130.000 Mark erhalten.
CDU-Generalsekretär Laurenz
Meyer: Doppelte Bezüge über Monate
HAMBURG -
Laurenz Meyer hat in seiner Erklärung von Freitagabend offenbar
nicht alle Zuwendungen seines ehemaligen Arbeitgebers offengelegt.
Nach Informationen des SPIEGEL soll der CDU-Generalsekretär in der
Zeit von Juni 2000 bis April 2001 nicht nur sein volles Gehalt vom
Stromriesen RWE, das jährlich zwischen 130.000 und 200.000 Mark
betrug, sondern zusätzlich im gleichen Zeitraum weitere Zahlungen in
Höhe von mindestens 130.000 Mark erhalten haben.
Von Juli bis
Oktober 2000 war Meyer Landtags-Vize-Präsident in
Nordrhein-Westfalen. Anschließend wurde er zum Generalsekretär der
CDU gewählt. Der Grund für die zusätzlichen Geldzahlungen, so der
SPIEGEL, werde auf Veranlassung des Aufsichtsrates derzeit von der
Innenrevision des Stromkonzerns geprüft. Meyer lehnte auf Anfrage
des SPIEGEL einen Kommentar zu den neuerlichen Vorwürfen ab.
CDU-General: Gehalt von RWE
WDR.DE
17.12.2004
Laurenz Meyer hat weiter Geld und Strom
bekommen
CDU-Generalsekretär
Laurenz Meyer ist monatelang von dem Energiekonzern RWE
weiterbezahlt worden, obwohl er nicht mehr für ihn arbeitete.
Entsprechende Meldungen hat der Konzern am Freitag (17.12.04)
inzwischen bestätigt.
Laurenz
Meyer: Doppelt bezahlt
Meyer, damals
Manager bei der RWE-Tochter VEW, war im November
2000 zum Generalsekretär der CDU gewählt worden.
Nach seinem Amtsantritt hat er noch rund 40.000 Euro Gehalt von RWE
erhalten. Außerdem habe er Anspruch auf knapp 19.000 Euro an
Tantiemen und Weihnachtsgeld gehabt", sagte Meyer am Freitag
(17.12.04). Erst im April 2001, also fünf Monate später, sei das
Arbeitsverhältnis beendet worden. Meyer hatte vor der Wahl
versprochen, er werde sein Vertragsverhältnis ruhen lassen und keine
Gehaltsansprüche daraus ableiten.
RWE hatte sich
am Vormittag noch zurückhaltend geäußert: "Es war das gemeinsame
Verständnis der damaligen RWE Plus und von Herrn Meyer, dass auf
Grund seiner Funktion als Generalsekretär der CDU sein
Arbeitsverhältnis ruhend gestellt wird", hieß es gegenüber
wdr.de. Wann beiden Parteien zu diesem gemeinsamen Verständnis
gelangt waren, wollte der Sprecher nicht sagen. Dann per
Agenturmeldung die Bestätigung: "Der Arbeitsvertrag zwischen Herrn
Meyer und RWE ruht seit April 2001."
Wer wollte das
Vertragsverhältnis beenden?
Der
Generalsekretär hat also tatsächlich zusätzlich zum CDU-Salär noch
ein Gehalt von RWE bezogen. Meyer konterte mit dem Argument, er habe
als langjähriger Mitarbeiter für "eine geordnete Übergabe"
gesorgt und noch "einige Projekte" abgewickelt, gleichzeitig aber
darauf gedrungen, dass das Arbeitsverhältnis mit dem
Stromunternehmen zum "schnellstmöglichen Zeitpunkt"
ruhen solle.
Strom zu
Sonderkonditionen
Dass Meyer
auch zu Sonderkonditionen Strom von RWE bezieht, war schon in der
vergangenen Woche bekannt geworden. Meyer wehrte sich gegen den
Vorwurf, diese Vergünstigungen seien unberechtigt: "Ich bin
nicht anders behandelt worden als jeder andere Mitarbeiter des
Unternehmens." Er habe den damit verbundenen geldwerten
Vorteil auch versteuert. Die CDU-Spitze hatte sich nach Meyers
Erklärung hinter den Generalsekretär gestellt: Meyer habe seinen
Fall erläutert, "und das ist gemeinhin akzeptiert worden",
so die Parteichefin Angela Merkel. Die neuen Vorwürfe ließ die
Partei unkommentiert, verwies nur auf Meyers Äußerung. Der hatte
gesagt: "Es bleibt dabei: Ich habe den Vertrag
schnellstmöglich aufgelöst und nach April 2001 keine
RWE-Gehaltszahlung mehr erhalten." In der vergangenen Woche
hatte ein CDU-Sprecher noch mitgeteilt, Meyer lasse nach der Wahl
zum Generalsekretär, also seit November 2000, seinen Arbeitsvertrag
bei RWE ruhen.
RWE äußert
sich nur zurückhaltend
Auch die RWE
mochte die Vorwürfe gegenüber wdr.de nicht kommentieren.
Ein Sprecher verwies am Freitag (17.12.04) auf ein früheres
Statement: "Herr Laurenz Meyer erhält vergünstigte
Energiebezüge entsprechend den damaligen VEW-Regelungen für ruhende
Verträge." Ob sich das lediglich auf Strom oder auch auf Gas
bezieht, wie vereinzelt beschrieben, ließ er offen. Auch die Frage,
auf wessen Drängen und wann das Arbeitsverhältnis beendet wurde,
wollte er nicht beantworten. In den Zeitungsberichten hatte es
geheißen, Meyer habe den Vertrag erst ruhen lassen, als der Konzern
ihn dazu gedrängt habe.
Erst Arentz,
jetzt Meyer?
Die neuen
Vorwürfe stoßen deswegen auf ein großes Interesse, weil vor knapp
zwei Wochen der CDU-Spitzenpolitiker Hermann-Josef Arentz sämtliche
Parteiämter verlor. Ihm war vorgehalten worden, jahrelang von RWE
ein Jahresgehalt von 60.000 Euro erhalten zu haben, ohne eine
erkennbare Gegenleistung zu liefern.
Bärbel Höhn will BoA
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
15.12.2004
GREVENBROICH -
„Wir brauchen moderne Kraftwerke“, sagt NRW-Umweltministerin Bärbel
Höhn. „Deshalb halte ich die geplante Erweiterung des
Braunkohlenkraftwerkes in Neurath für notwendig.“ Die
Landesregierung werde das Genehmigungsverfahren zügig vorantreiben.
Dabei stehe
auch der Feldhamster nicht im Weg, meint Höhn. Vier Kilometer vom
Kraftwerk entfernt existiere „eine stabile Hamsterpopulation“. Mit
Hilfe des bereits zwischen Aachen und Heerlen angewandten
Artenschutzprogramms des Landes könnten der Bestand geschützt und
damit alle Forderungen der EU erfüllt werden.
„RWE Power
begrüßt die klare Position der Landesregierung“, heißt es in einer
Pressemitteilung des Unternehmens. Dabei sei es selbstverständlich,
sagt Vorstandsmitglied Johannes Lambertz, dass man den „berechtigten
Interessen des Umweltschutzes“ Rechnung trage.
Auf dem für
die neuen Kraftwerksblöcke vorgesehenen Grundstück hatte ein von RWE
Power beauftragter Gutachter drei verlassene Quartiere des auf der
roten Listen stehenden Feldhamsters entdeckt. Lebende Tiere wurden
nicht gesichtet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) hatte daraufhin die Kraftwerkspläne als „nicht
genehmigungsfähig“ eingestuft.
Der konkurrierende Naturschutzbund glaubt nicht an Hamsterbehausungen
auf dem Gelände. Landeschef Josef Tumbrinck meint laut dpa, RWE
Power habe den Hamster selbst ins Spiel gebracht, um nicht bauen zu
müssen.
Keine Verzögerung beim Genehmigungsverfahren für die Erweiterung
des Kraftwerks Neurath
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
14.12.2004
DÜSSELDORF -
Die Erweiterung des Kraftwerks Neurath um zwei neue Blöcke und die
schnelle Genehmigung dafür seien notwendig, sagte Höhn am Dienstag
in Düsseldorf. "Wir können und werden am Standort Neurath die
Hamsterfrage lösen", betonte die Ministerin.
Höhn verwies
auf das Artenhilfsprogramm des Landes, das wegen ähnlicher Probleme
beim Bau eines Gewerbegebietes bei Aachen entwickelt worden war.
Durch dieses Programm sei bekannt, dass vier Kilometer von dem
Kraftwerkstandort entfernt eine stabile Hamsterpopulation existiere,
deren Schutz mit Fördergeldern aus dem Programm gesichert werden
könne. Der schnellste Weg zur Genehmigung des Kraftwerkes sei der,
den die Landesregierung nun gehe, hob die Ministerin hervor.
Auf dem
Gelände waren drei Hamsterbauten gefunden worden, die laut
Gutachtern möglicherweise einigen Feldhamstern als "Winterquartiere"
gedient haben könnten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) in NRW hatte daher gefordert, den Bau des
Kraftwerks nicht zu genehmigen.
Die RWE Power
AG will am Standort in Grevenbroich-Neurath 2,15 Milliarden Euro
investieren, wie Höhn erläuterte. Die zwei neuen, modernen
Kraftwerksblöcke haben einen höheren Wirkungsgrad. Mit dem Bau kommt
das Unternehmen einem weiteren Teil der 1994 gegenüber der
Landesregierung getroffenen Zusagen zur Erneuerung der Kraftwerke
nach.
Der
wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Gerhard Papke,
kritisierte, die "wachsweiche Formulierung" Ministerin unterstreiche
den Eindruck, dass das Umweltministerium nicht selber aktiv werden
wolle, um das Thema "schnell und endgültig vom Tisch zu nehmen".
Höhn wolle die "Feldhamsterkarte offensichtlich noch im Ärmel
halten". Eben diese Haltung sei aus Sicht des Wirtschaftsstandorts
NRW jedoch unter keinen Umständen haltbar.
Korruption – Strom bewegt Politiker
DIE ZEIT
13.12.2004
RWE als
Sponsor für CDU-Abgeordnete
Die Energiekosten in Deutschland sind in letzter Zeit extrem
gestiegen. Außer Gas- und Heizöl- haben auch Hausstrombezieher eine
Anhebung des Lieferpreises hinnehmen müssen. Und jetzt wissen die
aufgebrachten Kunden auch, warum: RWE - einer der größten
Energieerzeuger Deutschlands - sponsert CDU-Politiker
In Ländern mit totalitärem Regime bedeutet "jemanden unter Strom
setzen", ein Geständnis auf besonders perfide Art zu erpressen.
Hierzulande könnte diese Redensart ein anderer Ausdruck für das
Unterstützen von Politikern sein. CDU-Abgeordnete eignen sich in
diesem Fall als Demonstrationsobjekte. Besonders beliebt in
christdemokratischen Kreisen: Billiger Strom und Präsenz auf der
RWE-Gehaltsliste mit üppigen Bezügen, aber ohne Gegenleistung. So
bezog der CDU-Bundesvorsitzende der Sozialausschüsse, Hermann- Josef
Arentz, jährlich 60.000 Euro von RWE, ohne je dafür gearbeitet zu
haben. Nun will ihn die CDU nicht mehr haben, er wurde erst nicht
ins Parteipräsidium gewählt, trat dann von allen seinen Ämtern
zurück.
Sein Parteikollege, CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer, genießt
ebenfalls seit längerem die Großzügigkeit des Stromriesen. Der
56-Jährige war vor einigen Jahren beim inzwischen von RWE
aufgekauften Konzern VEW Dortmund tätig. Bis 1999 nahm er dort die
Aufgaben eines Hauptabteilungsleiters in der Bezirksdirektion
Arnsberg wahr. Dieses Beschäftigungsverhältnis gefiel Meyer und dem
RWE-Konzern offenbar so gut, dass der CDU-Generalsekretär immer noch
den verbilligten Angestelltenstrom erhält - im Rahmen eines
angeblich ruhenden Vertrages. Die Höhe des geldwerten Vorteils:
1.400 Euro im Jahr, so Meyer. Weiterhin räumte der Politiker ein, er
zahle bis heute ein günstiges Unternehmensdarlehen für sein Haus ab.
Wie viel Geld das im Einzelnen ausmacht, weiß Meyer nach eigenen
Angaben nicht so genau: Es habe 2001 "irgendeine" Ausschüttung von
Seiten der RWE gegeben. Es ginge aber alles mit rechten Dingen zu,
der Fiskus habe keinen Grund, sich zu beschweren und über einen
möglichen Rücktritt hat sich Meyer noch nicht geäußert.
Allerdings ist dies für die Deutschen keine Überraschung mehr. Nach
einer Umfrage der Anti-Korruptions-Organisation Transparency
International (TI) halten sie ihre Parteien samt deren Vertreter
ohnehin für bestechlich: 54,9 Prozent der Befragten sehen es als
sehr wahrscheinlich an, dass Korruption in diesem Umfeld eine große
Rolle spielt.
Kein Nachspiel für Meyer wegen Billig-Stroms
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
13.12.2004
BERLIN - Die CDU-Spitze wird aus den verbilligten
Stromlieferungen des RWE-Konzerns an Generalsekretär Laurenz Meyer
keine Konsequenzen ziehen. Nach einer Präsidiumssitzung sagte CDU-
Chefin Angela Merkel am Montag, Meyer habe dort die Grundlagen für
die Vergünstigung dargelegt. Dies sei "gemeinhin akzeptiert worden".
Dies schließe auch ihre Haltung mit ein. Auf weitere Nachfragen zu
dem Thema ging Merkel nicht ein.
Auch andere CDU-Spitzen-Politiker sahen keine Parallele zu der
Affäre des früheren Chefs des CDU-Arbeitnehmerflügels, Hermann-Josef
Arentz. Dieser hatte von RWE neben Strom auch 60 000 Euro pro Jahr
erhalten, obwohl er jahrelang für das Unternehmen tatsächlich nicht
gearbeitet hatte.
Meyer hatte zuvor in mehreren Interviews die Stromlieferungen mit
einem ruhenden Arbeitsverhältnis mit dem Konzern gerechtfertigt.
Meyer war vor der Übernahme des Amts als Generalsekretär beim
Stormunternehmen VEW, das später von RWE übernommen wurde,
beschäftigt. Nach eigenen Angaben spart er durch den verbilligten
Strom im Jahr rund 1400 Euro. Nach Darstellung von RWE erhält Meyer
damit aber keine "Extrawurst". Es sei üblich, Vergünstigungen für
Betriebsangehörige vertraglich festzuschreiben und auch nach deren
beruflichem Ausscheiden weiterhin zu leisten. "Meyer versteuert -
wie jeder andere auch - alle geldwerten Vorteile", betonte ein
Sprecher.
Ob Vergünstigungen geleistet würden, sei vom jeweiligen Vertrag
abhängig, sagte der Sprecher. Heute habe sich diesbezüglich viel
geändert. Doch viele Kollegen, die im gleichen Zeitraum wie Meyer
die Arbeit bei VEW aufgenommen hatten, erhielten die gleichen
Rabatte.
Billig-Strom für Meyer
Kölner Stadt-Anzeiger,
Online-Ausgabe
12.12.2004
BERLIN / ESSEN - (dpa/lnw) - CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer bezieht
vom Energiekonzern RWE verbilligten Strom und zahlt ein Darlehen des
Konzerns für seinen privaten Hausbau ab. Der Politiker, der früher
für den von RWE (Essen) aufgekauften Stromkonzern VEW gearbeitet
hatte, sagte nach Medienberichten, er versteuere alle geldwerten
Vorteile. Die SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck (Rheinland-Pfalz)
und Peer Steinbrück (Nordrhein-Westfalen) forderten unterdessen eine
weitere Verschärfung der Verhaltensregeln für Abgeordnete.
Der RWE-Rabatt
für Strom zum Mitarbeitertarif könne jährlich 2000 Euro ausmachen.
Auch andere Ex-Manager des Konzerns erhalten verbilligten Strom.
Meyer habe darüber hinaus eingeräumt, dass er bis heute ein
Unternehmensdarlehen für seinen Hausbau abbezahle. Im Jahr 2001 habe
er zudem nach eigenen Angaben von RWE "irgendeine Ausschüttung"
erhalten. Meyer war bis 1999 bei der VEW in Dortmund.
Ein Sprecher
der RWE Power AG bestätigte der dpa die Darstellung Meyers. Die
Vertragsklausel über die verbilligte Strom-Lieferung gelte wie für
alle solche Verträge mit anderen Mitarbeitern. Meyer müsse das als
geldwerten Vorteil versteuern.
Meyer will an
seinem ruhenden Vertrag mit RWE in jedem Fall festhalten. Er habe
schon auf seiner ersten Pressekonferenz zusammen mit CDU-Chefin
Angela Merkel Ende 2000 auf den Vertrag hingewiesen, sagte er der
"Bild am Sonntag". "Ich werde auf diesen Vertrag keinesfalls
verzichten, weil er mir die Freiheit gibt, jederzeit wieder in die
Industrie zurückkehren zu können."
Am Mittwoch
hatte der CDU-Sozialpolitiker Hermann-Josef Arentz alle politischen
Ämter aufgegeben, weil er von RWE jährlich 60 000 Euro und
kostenlose Stromlieferungen ohne entsprechende Gegenleistung
erhalten hatte.
Als Konsequenz
aus dem Fall Arentz forderte Ministerpräsident Beck in der "Bild"-Zeitung
(Samstag), Parlamentarier sollten künftig ihre Nebeneinkünfte offen
legen müssen. Die Öffentlichkeit habe einen Anspruch darauf, zu
erfahren, "welche finanziellen Interessen ihr gewählter Vertreter
möglicherweise verfolgt". Er fürchte, dass es sich bei Arentz um
keinen Einzelfall handele. Steinbrück verlangte im Berliner
"Tagesspiegel" (Sonntag) die Offenlegung von Vermögen und Einkommen
von Parlamentariern: "Das sollte Schule machen."
Nach einer von
Rot-Grün gegen den Widerstand von Union und FDP beschlossenen
Verschärfung der Verhaltensregeln für Abgeordnete wurden im 2003
erschienenen Handbuch des Bundestags erstmals umfangreiche Angaben
über Nebentätigkeiten gemacht - allerdings nicht über die genaue
Höhe der damit verbundenen Einkünfte.
Nach einem
Bericht des Magazins "Focus" steigt die steuerfreie Kostenpauschale
der Abgeordneten zum 1. Januar 2005 um 38 Euro auf 3589 Euro im
Monat. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) habe die
regelmäßige Anpassung in der vergangenen Woche im Bundesgesetzblatt
veröffentlichen lassen. Auf eine Anhebung des Grundgehalts von 7009
Euro wollen die Parlamentarier verzichten.
Die Vollversorger
STERN
Heft 52 / 2004
Vom RWE-Konzern bekam der
CDU-Politiker Hermann-Josef Arentz jedes Jahr 60.000 Euro Gehalt und
7500 Kilowattstunden Strom – ohne irgendeine Gegenleistung.
Warum bezahlt ein
Konzern einen Politiker fürs Nichtstun? Und warum bekommt der
CDU-General Meyer billigen Strom? Eine Spurensuche bei RWE.
“Korruption" ist ein böses Wort. Wer jemanden öffentlich und
fälschlich der Korruption bezichtigt, macht sich wegen übler
Nachrede strafbar. Besonders schwer wird bestraft, wenn sich die
üble Nachrede gegen Personen des öffentlichen Lebens richtet - etwa
gegen den Vorsitzenden der CDU-Arbeitnehmer und Landtagsabgeordneten
Hermann-Josef Arentz, 51, der im Falle eines CDU-Wahlsieges in
Nordrhein-Westfalen Arbeitsminister geworden wäre.
Arentz hat, was inzwischen jeder weiß, von der Firma Rheinbraun
(jetzt RWE) seit 1992 Gehalt und kostenlosen Strom bezogen, zuletzt
60.000 Euro im Jahr plus 7500 Kilowattstunden. Seine Gegenleistung?
Man kann ihn nicht mehr fragen. Nach dem Eklat ist er von allen
Ämtern zurückgetreten (auch von dem bei RWE) und verreist.
Fragen kann man zurzeit nur die Firma RWE. Die zählt zu den
führenden "Multi Utility"-Konzernen dieser Welt. "Multi Utility"
heißt auf Deutsch "Vollversorgung". Darunter hat man - bisher - nur
die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser verstanden.
Zuständig für Presseanfragen ist der Konzernsprecher Bill McAndrews
in Essen. Über seine Sekretärin lässt er ausrichten, der Konzern
sage nichts dazu. Man möge sich an den Sprecher der Konzerntochter
RWE Power wenden, Herrn Manfred Lang.
Also, Herr Lang, wofür hat Herr Arentz Geld gekriegt? "Wofür der
Geld bekommen hat? Sein Vertragsverhältnis ruht im Moment." Jetzt
ja, aber vorher? "Es war also offiziell so, dass er also bei uns
angestellt war, und aufgrund seiner Tätigkeit in der Politik eben
halt punktuell für uns auch da Beratungstätigkeiten noch É" Was
heißt punktuell? "Punktuell? Ja, nicht regelmäßig." Und wobei hat er
beraten? "Äh, in sozialen Fragen. Haben Sie unsere Pressemeldung
nicht bekommen?" Doch, die kennen wir. Aber was beinhaltet "Beratung
in sozialen Fragen" konkret? "Das heißt, dass in bestimmten Fragen
eben halt da auch seine Sachkompetenz in sozialpolitischen Fragen
eben halt für uns gefragt war." Da können wir uns nichts drunter
vorstellen. Geht es konkreter? "Das kann ich jetzt nicht. Da müssen
Sie mit dem leben, was ich Ihnen jetzt auch nur sagen kann."
Kann er nicht? Will er nicht? Darf er nicht? "Das weiß ich im Moment
nicht, weil das in die einzelnen Fachbereiche reingeht, da müsste
ich mich dann letztendlich informieren. Das ist aber so ohne
Weiteres nicht möglich." Das wollen wir aber wissen, fragen Sie doch
mal nach. Lang: "Das wird aber dahingehend schwierig, weil das ja
auch in Bereiche hineinspielt, die eben halt, na, wie soll ich
sagen, in Richtung Hintergrundinformationen gehen."
Weil das Rumeiern mit Herrn Lang nichts bringt, fragt der stern
schriftlich beim frisch gebackenen RWE-Aufsichtsratsvorsitzenden
Thomas Fischer an, seines Zeichens Chef der Westdeutschen Landesbank
(WestLB). Herr Doktor Fischer lässt ausrichten, dass der Skandal bei
der RWE dort "mit der notwendigen Aufmerksamkeit behandelt wird und
etwaige Erkenntnisse, die von Bedeutung sind, über die
Konzernkommunikation der RWE verteilt werden".
In der Tat erhält der stern die folgende "Erkenntnis von Bedeutung"
am nächsten Tag per Fax: Hermann-Josef Arentz habe seine Tätigkeit
bei RWE Zug um Zug eingeschränkt, "seine beratende Tätigkeit
beschränkte sich ausschließlich auf sozialpolitische Fragen".
Fakt ist dies: Seit Jahren haben SPD und CDU nach
ungeschriebenen Gesetzen genau austarierte Ansprüche auf
Versorgungsposten beim Vollversorger RWE. Oder auf andere höchst
angenehme Vergünstigungen. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer etwa
profitiert dort, wie andere RWE-Mitarbeiter auch, von billigem Strom
und einem zinsgünstigen Darlehen für sein Haus. Als er in den
Düsseldorfer Landtag gewählt wurde, stellte ihm die RWE-Tochter VEW
außerdem einen Dienstwagen mit Chauffeur. Meyer bestätigt das:
"Aufgrund meiner beruflichen Position als kaufmännischer Leiter der
VEW-Bezirksdirektion Arnsberg hatte ich Anspruch auf einen
Dienstwagen mit Fahrer."
Für RWE wichtige Kommunalpolitiker, so ein Insider, haben mitunter
höhere Einkünfte als Abgeordnete des Bundestages. Ihr einziger
Unterschied zu Hermann-Josef Arentz: Sie alle leisten zumindest pro
forma etwas für RWE, etwa einen kleinen Vortrag, für den sie sich
während der Parlamentsferien, so der Insider, "da mal hinquälen".
Hermann-Josef Arentz hat als Einziger überhaupt nichts getan. Und
RWE hat das geduldet. Man kann ja nie wissen, wofür so ein
designierter Arbeitsminister einmal gut sein kann.
Als Arentz, noch in allen Ämtern und Würden, auf dem Düsseldorfer
CDU-Parteitag fragte: "Was macht ihr bei mir so eine Welle?",
schließlich verdiene der Finanzexperte Friedrich Merz, ein Anwalt,
ja auch was nebenher, brüllte Merz ihn an und scheute nicht vor dem
bösen Wort zurück: "Was ich mache, ist Arbeit - was du machst, ist
Korruption!"
(K)ein Unterschied
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
12.12.2004
Es kommt gar
nicht überraschend, dass nach dem „Fall“ Arentz nun weitere
Politiker Nebeneinkünfte oder Vergünstigungen einräumen müssen. Das
liegt einerseits an der kurzatmig-hysterischen Organisation unserer
Öffentlichkeit, die sich nun in geballter Wucht einem neuen Thema
verschreibt. Das liegt, andererseits, aber wohl auch daran, dass es
einen verbreiteten Verdacht gibt, wonach die Verzahnung von Politik
und Einflussgruppen enger sein könnte als es oberflächlich scheint.
Nun ist als
erster ausgerechnet der CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer ins Gerede
gekommen, was pikant ist nach dem dröhnenden Schweigen, mit dem er
die Vorgänge um den zurückgetretenen CDA-Chef Arentz begleitete.
Dennoch: Nach dem, was bisher bekannt ist, liegen die Dinge bei
Arentz und Meyer signifikant verschieden. Nicht, weil die 1400 Euro
Stromrabatt per anno gegen Arentz_ Jahreszuwendung von 60 000 Euro
vergleichsweise „harmlos“ klingen: Meyer hat für seinen Arbeitgeber
hauptamtlich gearbeitet, nun ruht sein Arbeitsvertrag. Das ist ein
fundamentaler Unterschied.
Und doch: Was
auch hier so ungemein stört, ist das Verb „einräumen“. So ist es
immer. Auf Nachfrage wird „eingeräumt“, „im Kern bestätigt“, „nicht
ganz falsch“ genannt. Da macht auch Meyer keine Ausnahme. Dieses
Einräumen im Nachhinein erzeugt eben gerade dieses diffuse Gefühl,
dass es verborgene Beziehungs- und Abhängigkeitsgeflechte geben
könnte, von denen die Bürger keine Vorstellung haben. Und da ändert
der postwendende Hinweis auch wenig, dass doch alles „ordnungsgemäß“
im Bundes- oder Landtagshandbuch angegeben worden sei.
Noch eine
Ärgerlichkeit ist der stete Hinweis, eine lukrative Nebentätigkeit
(Arentz) oder der ruhende Vertrag (Meyer) schaffe erst die nötige
innere Unabhängigkeit für den Gang in die Politik. Letztlich steckt
dahinter eine subtile Beschimpfung desjenigen Parlamentariers, der
darauf verzichtet.
Verbilligter RWE-Strom für Laurenz Meyer
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
11.12.2004
BERLIN -
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer bezieht vom Energiekonzern RWE
verbilligten Strom und zahlt ein Darlehen des Konzerns für seinen
privaten Hausbau ab. Der Politiker, der früher für den von RWE
(Essen) aufgekauften Stromkonzern VEW gearbeitet hatte, sagte nach
Medienberichten, er versteuere alle geldwerten Vorteile.
Der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) forderte
unterdessen eine weitere Verschärfung der Verhaltensregeln für
Abgeordnete. Parlamentarier sollten künftig ihre Nebeneinkünfte
offen legen müssen, sagte Beck in der «Bild»-Zeitung (Samstag).
Der RWE-Rabatt
für Strom zum Mitarbeitertarif könne jährlich 2000 Euro ausmachen,
berichtete das Magazin «Der Spiegel» (Montag) unter Berufung auf das
Unternehmen. Auch andere Ex-Manager des Konzern erhalten
verbilligten Strom. Meyer habe darüber hinaus eingeräumt, dass er
bis heute ein Unternehmensdarlehen für seinen Hausbau abbezahle. Im
Jahr 2001 habe er zudem nach eigenen Angaben von RWE «irgendeine
Ausschüttung» erhalten. Meyer sei bis 1999 bei der VEW in Dortmund
gewesen.
Am Mittwoch
hatte der CDU-Sozialpolitiker Hermann-Josef Arentz alle politischen
Ämter aufgegeben, weil er von RWE jährlich 60 000 Euro und
kostenlose Stromlieferungen ohne entsprechende Gegenleistung
erhalten hatte.
Als Konsequenz
aus dem Fall Arentz forderte Ministerpräsident Beck, «die Regeln für
Nebentätigkeiten von Abgeordneten, Regierungsmitgliedern und
Wahlbeamten zu verschärfen». Die Öffentlichkeit habe einen Anspruch
darauf, zu erfahren, «welche finanziellen Interessen ihr gewählter
Vertreter möglicherweise verfolgt». Er fürchte, dass es sich bei
Arentz um keinen Einzelfall handele.
Der Bundestag
hatte die Regeln bereits mehrfach verschärft. Nach 1987
verabschiedeten Verhaltensregeln müssen die Abgeordneten im Handbuch
des Bundestags Beruf und Nebentätigkeiten bis auf bestimmte
Ausnahmen veröffentlichen. Einkünfte aus Tätigkeiten, die schon vor
der Wahl ins Parlament geflossen waren, durften verschwiegen werden.
Nach einer von Rot-Grün gegen den Widerstand von Union und FDP
beschlossenen weiteren Verschärfung wurden im 2003 erschienenen
Handbuch erstmals weitere Angaben gemacht, allerdings nicht über die
genaue Höhe der Nebeneinkünfte.
Nach einem
Bericht des Magazins «Focus» steigt die steuerfreie Kostenpauschale
der Abgeordneten zum 1. Januar 2005 um 38 Euro auf 3589 Euro im
Monat. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) habe die
regelmäßige Anpassung in der vergangenen Woche im Bundesgesetzblatt
veröffentlichen lassen. Auf eine Anhebung des Grundgehalts von 7009
Euro wollen die Parlamentarier verzichten.
„Konsequent und entsprechend zu achten“
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
10.12.2004
Der Rückzug
des Bundesvorsitzenden findet bei Parteifreunden ausschließlich
Beifall.
„Die CDA
Leverkusen nimmt das mit Bestürzung zur Kenntnis.“ Ulrich Müller,
Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft in
Leverkusen sowie Vizechef der Sozialausschüsse im Bezirk
Mittelrhein, äußerte gestern eine klare Meinung zum Verhalten des
Parteifreunds und Weggefährten Hermann-Josef Arentz. Dabei spiele es
überhaupt keine Rolle, ob die Affäre durch irgendjemanden lanciert
worden sei. „Ich kenne den Jo schon aus der Jungen Union“,
berichtete Müller. Und ohne jeden Zweifel sei der Kölner „einer
unserer versiertesten Sozialpolitiker“.
Das sei das
eine. Das andere sind die 60 000 Euro von RWE Power, die Arentz
jedes Jahr bezog, ohne für den Stromkonzern zu arbeiten. „Mich hat
das zutiefst enttäuscht“, sagte Müller. Deshalb habe er schon das
erste Arentz-Desaster im Sinne der politischen Hygiene durchaus
begrüßt: Auf dem CDU-Bundesparteitag am Wochenende wurde er nicht er
nicht ins Parteipräsidium gewählt. „Es spricht für die Delegierten,
dass sie ihn abgestraft haben“, urteilte Müller. Für die
Gehaltsaffäre könne niemand Verständnis haben. „Es gilt das Prinzip
Leistung und Gegenleistung. Das ist ganz einfach.“ Mit dem Rückzug
sei das Thema Arentz indes erledigt. „Das ist konsequent und
entsprechend zu achten.“
Auch Ursula
Monheim, Arentz' Kollegin im Landtag, sieht das so: „Das kann es
nicht sein, dass man ohne Gegenleistung ein solches Gehalt bezieht.“
Deshalb hält sie seinen Rückzug für „unvermeidbar“. Die falsch
deklarierte Tätigkeit für das RWE könne man speziell bei einem
Sozialpolitiker vom Schlage eines Hermann-Josef Arentz nicht
hinnehmen: „Er hat immer dezidiert eine Haltung gefordert, und jetzt
stellt sich heraus, dass er sie selbst nicht eingenommen hat.“ Die
Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit sei also gerade im
Fall Arentz „sehr groß“, der Rückzug von allen Ämtern insofern zu
begrüßen. Jeder Politiker habe einen Ruf zu verlieren. „Wenn wir die
Glaubwürdigkeit nicht haben, dann ist es schlecht um uns bestellt“,
sagte Monheim. Für die CDU-Fraktion in Düsseldorf sei der
bevorstehende Rückzug des Abgeordneten Hermann-Josef Arentz freilich
ein Verlust. Der Sozialexperte sei „ein hervorragender
Debattenredner. Er wird uns sehr fehlen.“ An seiner Sachkunde
bestehe kein Zweifel, berichtete Monheim, die mit ihm gemeinsam
einen Sitz im Sozialausschuss des Landtags hat. Dort war der Kölner
gestern übrigens nicht anwesend. „Das kann man sicherlich auch
nachvollziehen“, sagte Ursula Monheim.
Auch für
Norbert Brinkschulte, CDA-Vize in Leverkusen, gibt es am jetzt
vollzogenen totalen Rückzug des Bundesvorsitzenden nichts zu
deuteln. „Wenn man an einem so sensiblen Punkt seine Glaubwürdigkeit
verliert, dann ist so ein Schnitt das beste.“ Die Gehaltsaffäre sei
derart gravierend, dass es mit einer einfachen Entschuldigung nicht
getan sei: „Es reicht nicht zu sagen: »Ich habe einen Fehler
gemacht.« Damit macht man es sich zu leicht.“ Für den Menschen
Hermann-Josef Arentz seien die nun vollzogenen Schritte sicherlich
„sehr hart“, und man dürfe ihn „auf keinen Fall verteufeln“. Dennoch
überwiege die Enttäuschung über den Fall.
Besonders
schlimm findet Brinkschulte, dass Arentz so lange offenbar keinerlei
Unrechtsbewusstsein gehabt habe. Der Bezug eines derart hohen
Gehalts nebenbei zeige, dass dem Politiker offenbar die Maßstäbe
abhanden gekommen seien. Das sei im Fall eines
Arbeitnehmervertreters natürlich ganz besonders zu beklagen. „Ich
denke, dass die kleinen Leute einen Anspruch darauf haben, dass
jemand sie vertritt. Das bedingt aber, dass man diese kleinen Leute
auch versteht.
KORRUPTION !
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
09.12.2004
Vetternwirtschaft, Bestechlichkeit, Lobbyismus, Schmiergeldzahlungen
- Korruption tritt in unterschiedlichsten Ausprägungen auf. Auch in
Deutschland ist Korruption weiter verbreitet als oft vermutet. In
Fachkreisen werden die Verluste auf 200 Milliarden Euro jährlich
durch Steuerausfälle und Staatsmehrausgaben geschätzt; weltweit
sprechen Experten von Korruptionsschäden in Höhe von 1500 Milliarden
US-Dollar pro Jahr. Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency
International fordert seit längerem strengere gesetzliche Regeln
gegen Abgeordneten-Bestechung. So genannte „Dankeschön-Spenden“ nach
Parlamentsabstimmungen werden in Deutschland allerdings bislang
nicht geahndet. Ein Missstand, wie der Vorsitzende von
Transparency-Deutschland, Hansjörg Elshorst, findet. Die
gesetzlichen Bestimmungen in der Bundesrepublik lägen weit hinter
dem internationalen Standard zurück, kritisiert er.
So mancher Parlamentarier ist Diener zweier Herren.
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
09.12.2004
BERLIN - Der
Bundestagspräsident war - wie alle Abgeordneten - nur seinem
Gewissen verpflichtet. Das machte ihn unabhängig, so dass
Interessenverquickungen gar nicht erst vorkommen konnten. Leider
besaß er ein „Anderkonto“, auf das regelmäßig Geld einging. Das war
erstaunlicher Weise nicht strafbar. Außerdem durfte Rainer Barzel,
von dem hier die Rede ist, sicher sein, dass er unbestechlich war.
Zwar verlangte der reichste Mann der Republik, ein gewisser
Friedrich Karl Flick, als Gegenleistung regelmäßige Berichte über
interne politische Vorgänge. Aber wer nur sich und seinem Gewissen
verantwortlich ist, kann im Prinzip Geld nehmen, von wem er will.
Barzel nahm das Geld, lieferte Berichte. Rechenschaftspflichtig war
er dafür niemandem. So will es das Gesetz. Und das gilt bis heute.
Wenn also der Landtagsabgeordnete Hermann-Josef Arentz gleichfalls Geld annahm,
hier sogar offenbar ohne Gegenleistung - so ist dies nicht ohne
schlechtes Vorbild. Was der Großkonzern mit seinen Zuwendungen
bezweckt haben könnte, wissen wir nicht. 60 000 Euro pro Jahr für
einen führenden Vertreter des Arbeitnehmerflügels der CDU - da kann
man ins Grübeln kommen. Der Ruf jedenfalls, der ist natürlich hin.
Gegenleistung - hier stockt man schon. Hätte er Berichte liefern
sollen, wie weiland Barzel? Oder wäre die Sache besser gewesen, wenn
Arentz handfeste Lobbyarbeit für RWE Power geleistet hätte?
Schließlich, ein paar Einsprüche und Proteste weniger von Seiten des
Arbeitnehmerflügels - das hätte die Wirtschaftsreformen der
Parteiführung hier und da schon beschleunigen können.
„Eine Katastrophe für die Arbeitnehmerbewegung“ nennt der CDA-Vize
Karl-Josef Laumann deshalb die ganze Affäre. Aber ansonsten bleibt
sein Blick eingeengt. Er sieht den Einzelfall, nicht aber das
Grundproblem: Abgeordnete, die aus dem Schatten heraus am goldenen
Zügel geführt werden, sind für jede Demokratie eine Gefahr.
In Deutschland verschließt man davor die Augen. „Nur dem eigenen Gewissen
verpflichtet...“ - das ist die Zauberformel, die jeden
Interessenkonflikt beiseite drückt. Da aber das Parlament aus gutem
Grund nicht nur aus Berufspolitikern bestehen soll, sondern aus
Abgeordneten möglichst vieler Berufe, sind Überschneidungen zwischen
Volkswohl, Wirtschaftsinteressen und Partikular-Egoismus
unvermeidbar.
Klaus Brandner ist 1. Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Gütersloh.
Gleichzeitig ist er wirtschaftspolitischer Sprecher der
SPD-Bundestagsfraktion. Was sein erster und zweiter Beruf ist, weiß
niemand, beides lässt sich wahrscheinlich nicht ohne weiteres
trennen.
Reinhard Göhner ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Arbeitgeberverbände,
aber auch seit über 20 Jahren CDU-Abgeordneter. Brandner und Göhner
sind ehrenwerte Leute, beide machen aus ihren Nebentätigkeiten kein
Hehl. Aber als Diener zweier Herren bewegen sie sich ständig auf dem
schmalen Grat zwischen Sach- und Lobbyarbeit.
Der verstorbene Günter Rexrodt, Wirtschaftsexperte der FDP, galt im
Parlament allgemein als „Mister Aufsichtsrat“. Die Vielzahl seiner
geschäftlichen Verbindungen war Legion, doch seinem Ansehen tat das
keinen Abbruch. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Rexrodt je
pflichtvergessen gehandelt hätte. Aber er selbst bezeichnete die
finanziellen Zuwendungen, die mit seinen vielfältigen Tätigkeiten
verbunden waren, gelegentlich auch als „Schmerzensgeld“. Die Ironie
half über die Peinlichkeit hinweg.
Im Zuge der verschiedenen Parteispendenaffären ist immer wieder nach dem
gläsernen Abgeordneten gerufen worden. Es blieb beim Vorsatz.
In Amerika hängen die Kongressabgeordneten Jahr für Jahr ihre Steuererklärungen
ans schwarze Brett, auch der Präsident ist davon nicht ausgenommen.
In Deutschland mag man sich soviel Offenheit nicht zumuten. Angaben
über Nebentätigkeiten und Einkünfte werden diskret beim
Bundestagspräsidenten hinterlegt und wandern dort in den
Panzerschrank.
Arentz gibt auf!
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
08.12.2004
DÜSSELDORF - Der wegen seiner Tätigkeit
für den RWE-Konzern umstrittene CDU-Politiker Hermann-Josef Arentz ist nach
Angaben seiner Partei von seinem Amt als Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA
zurückgetreten.
Zudem habe Arentz am Mittwoch erklärt, dass er für eine
Landtagskandidatur im Mai 2005 nicht zur Verfügung stehe, teilte die
Landtagsfraktion der CDU in Nordrhein-Westfalen mit. Der
geschäftsführende Fraktionsvorstand habe Arentz gebeten, seine
Arbeit in Parlament und Fraktion bis zur NRW-Landtagswahl
fortzuführen. Der erste stellvertretende CDA-Chef Gerald Weiß dürfte
nun zunächst die Amtsgeschäfte von Arentz übernehmen. Die CDU-Spitze
wollte sich nicht zu dem Rückzug äußern.
Bosbach:
Arentz-Rückzug unvermeidlich!
Der stellvertretende Vorsitzende der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, hat den Rückzug des CDA-Vorsitzenden
Hermann-Josef Arentz als „unvermeidlich“ bezeichnet. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“
sagte Bosbach: „Ich frage mich, ob das, was auf Hejo Arentz jetzt
einstürzt, verhältnismäßig ist. Aber ich glaube, es ist
unvermeidlich. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Rat erbeten war.“
Die Affäre, so Bosbach, „ist aktuell eine erhebliche Belastung
gewesen. Aber jetzt wird auch wieder Ruhe einkehren.“
Arentz war bereits auf dem Bundesparteitag in Düsseldorf nicht
wieder ins Präsidium gewählt worden. Er stand seit 1992 auf der
Gehaltsliste der Rheinbraun AG, heute RWE Power AG. Nach
Medienberichten, wonach der 51-Jährige ohne erkennbare
Arbeitsleistung 60.000 Euro jährlich sowie ein großzügiges
kostenfreies Stromkontingent zusätzlich erhalten hatte, ließ Arentz
das Arbeitsverhältnis ruhen. Der Energiekonzern erklärte, wegen der
zunehmenden zeitlichen Belastung durch seine politische Funktion
habe Arentz seine Tätigkeit schrittweise verringert und zuletzt nur
noch für punktuelle Beratung zur Verfügung gestanden.
Gute Kunde fürs Revier.
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
07.12.2004
RHEIN-ERFT-KREIS
- „RWE Power erzeugt mehr Strom aus Braunkohle und verkauft mehr
Produkte aus der Veredlung. „In manchen Bereichen haben wir Mühe,
alle Kundenwünsche zu erfüllen“, verbreitete Vorstandsvorsitzender
Gert Maichel beim Barbara-Empfang auf Schloss Paffendorf gute
Stimmung, warnte allerdings davor, sich auf dem Erzielten
auszuruhen.
Weitere Kostensenkung bleibe eine drängende Aufgabe, betonte Maichel.
„Die Preise für Energierohstoffe sind zwar zurzeit hoch. Aber wir haben
keine Garantie, dass das so bleibt.“ Deshalb müsse das Unternehmen
gerüstet sein, falls die Marktverhältnisse sich wieder schwieriger
darstellen sollten.
„Wir verdienen wieder Geld,“ sagte Gert Maichel, machte den Bürgermeistern
aber wenig Hoffnung auf entsprechende Steuereinnahmen. Dennoch betonte er
die Verbundenheit zur Region und die Bereitschaft, Ausgleich für
Belastungen zu schaffen.
Den zahlreichen Politikern aus dem Rhein-Erft-Kreis und den
Nachbarkreisen dankte Maichel für die Unterstützung bei
Investitionen, etwa bei der Planung für einen BoA-Block in Neurath.
Genehmigungsverfahren liefen, Änderungen in Gebietsentwicklungs- und
Flächennutzungsplänen seien erfolgt oder in Arbeit. „Diese gute
Zusammenarbeit wird uns auch dabei helfen, einzelne Probleme in den
Griff zu bekommen - von Feinstaub bis Feldhamster.“
Richtung Gesetzgeber bat Maichel einmal mehr um verlässliche
Rahmenbedingungen. So seien beispielsweise beim Emissionshandel
„neue Risiken sichtbar geworden“. Maichel: „Ich hoffe nicht, dass
sich dadurch eine so grundsätzliche Veränderung der Bewertung des
Emissionshandels ergibt, dass unsere Investitionsvorhaben in Frage
gestellt werden.“
Auf BoA und Garzweiler II konzentriert
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
07.12.2004
Vorstandschef Dr. Gert Maichel ist optimistisch und stellt für RWE Power
höhere Gewinne in Aussicht.
BERGHEIM / PAFFENDORF - Im laufenden Jahr sind im rheinischen Revier gut 91 Millionen
Tonnen Kohle, 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr, gefördert worden.
Daraus wurden bislang 70,5 Terawattstunden (TWh) Strom produziert,
1,3 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Wir
verdienen nach mageren Jahren wieder Geld und leisten Wertbeiträge
im Konzern“, zeigte sich RWE-Power-Vorstandschef Maichel, mit dem
bisher erzielten Ergebnis zufrieden. Vor zahlreichen Gästen aus
Politik, Wirtschaft und Verwaltung kündigte Maichel für das laufende
Jahr einen höheren Umsatz sowie einen höheren Ertrag an. Das
Unternehmen habe in den vergangenen vier Jahren durch Kostensenkung
1,4 Milliarden Euro eingespart. Eine gewaltige Kraftanstrengung,
„die kommt uns jetzt zugute, und das brauchen wir auch“.
Voraussichtliche Gewinnzahlen nannte der Vorstandschef aber beim
Barbara-Empfang auf Schloss Paffendorf noch nicht. Maischel dämpfte
jedoch die Hoffnung so mancher Bürgermeister, auf wieder sprudelnde
Steuereinnahmen.
Maichel bekräftigte, der traditionelle Empfang gehöre zu den „Konstanten“
des Unternehmens und dazu zähle die enge Verbundenheit mit der
Region. Das gelte auch für die Zukunft und werde sich vor allem in
der Zusammenarbeit mit der Region in der Struktur und
Wirtschaftsförderung zeigen. „Diese gute Zusammenarbeit wird uns
auch dabei helfen, einzelne Probleme in den Griff zu bekommen - von
Feinstaub bis Feldhamster“, sagte er in Anspielung auf den Nager,
der kürzlich von Naturschützern auf dem Gelände des geplanten
Braunkohlekraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) ausgemacht
worden sein soll und als Grund gegen den Bau angeführt wird.
Für das Unternehmen steht der Bau des Kraftwerks in Neurath und der
Aufschluss des Tagebaus Garzweiler II derzeit ganz oben auf der
Tagesordnung. Maichel sprach sogar von einem „Doppelblock“, für den
ein Genehmigungsverfahren laufe. Derzeit liegen die Pläne in den
Rathäusern von Bedburg, Bergheim und Pulheim öffentlich aus.
Große Fortschritte gebe es auch beim geplanten Aufschluss des Tagebaus
Garzweiler II. Am Rande des Barbara-Empfangs wurde deutlich, dass im
Herbst 2006 der erste Schaufelradbagger das neue Feld „anschneiden“
wird. Zurzeit arbeiten mehr als 110 Techniker und Ingenieure an der
größten Baustelle im RWE-Konzern, wie es hieß.
Zudem sei der Einbau von Gasturbinen im Kraftwerk Weisweiler für 2005 geplant. Mit
der durch Turbinen erzeugten Leistung will Power flexibel auf kurz-
und mittelfristigen Strombedarf reagieren.
Stellung nahm Maichel auch zu den teils heftig kritisierten Strompreiserhöhungen
des Unternehmens. Die reinen Strompreise seien seit der
Liberalisierung des Marktes um 16 Prozent gefallen. Demgegenüber sei
der Preis durch „politische Sonderlasten“ mit über 40 Cent von jedem
Euro, der auf der privaten Stromrechnung stehe, in die Höhe
gegangen. Neben der Umsatz- und der Stromsteuer seien dafür zum
Beispiel die Subventionen für erneuerbare Energien die Ursache. Es
müsse gestattet sein, diese Belastungen in den Preisen
weiterzugeben, sagte er.
Steinbrück fordert Entscheidung für neue Kohlekraftwerke in NRW.
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
06.12.2004
OBERHAUSEN - Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) hat von den
Energiekonzernen eine baldige Entscheidung für den Bau neuer
Kohlekraftwerke in NRW gefordert. "Sonst werden die neuen Kraftwerke
außerhalb des Landes entstehen, wo die Importkohle angelandet wird",
sagte Steinbrück am Montag auf der Betriebsversammlung des
Kraftwerkbauers Babcock Hitachi Europe in Oberhausen. Angesichts der
steigenden Koksnachfrage und der Spitzenstellung der deutschen
Bergbau-Technologie bekräftigte Steinbrück seine Forderung nach
einem Erhalt des deutschen Bergbaus über das Jahr 2012 hinaus.
Der Vorstand des Energiekonzerns E.ON habe bereits für 2005 eine Entscheidung
über ein neues Steinkohlekraftwerk in Datteln signalisiert,
berichtete Steinbrück. Steinbrück wischte zudem Klagen von
Umweltschützern über die Gefährdung von Feldhamstern durch den Bau
eines von RWE geplanten zwei Milliarden Euro teuren Braunkohle-
Kraftwerks bei Grevenbroich vom Tisch: "Kein Hamster wird den Bau
dieses Kraftwerks verhindern."
Der japanische Kraftwerksbauer Babcock Hitachi K.K. hatte die Kraftwerkssparte
des insolventen Konzerns Babcock Borsig im April vergangenen Jahres
übernommen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 350 Mitarbeiter.
Nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden der
Geschäftsführung, Klaus-Dieter Rennert, blieb der Auftragseingang im
vergangenen Jahr mit 70 Millionen Euro zwar weit hinter den
Erwartungen zurück. Dafür werde aber bereits im kommenden Jahr mit
einem Auftrags-Volumen in Höhe von 650 Millionen Euro gerechnet. Das
erwartete Defizit habe im ersten Jahr des neuen Unternehmens rund 8
Millionen Euro betragen.
Feldhamster-Streit: DGB wirft Naturschützern Ignoranz vor.
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
06.12.2004
DÜSSELDORF - Im Streit um Feldhamsterbauten auf dem Baugelände eines geplanten
Kraftwerks im niederrheinischen Grevenbroich haben die
Gewerkschaften schwere Vorwürfe gegen Umweltschützer erhoben. Der
nordrhein-westfälische DGB-Chef Walter Haas warf dem Bund für Umwelt
und Naturschutz Deutschland (BUND) am Montag Ignoranz und
"pervertierte Moral" vor.
"Die Vorstellung, dass eine Milliardeninvestition in Klimaschutz und
Versorgungssicherheit an einer Hand voll Feldhamster scheitern
könnte, spricht jedem vernünftigem Verhältnis von Ökonomie und
Ökologie Hohn", sagte Haas.
Die Umweltschützer wollen den Bau des Braunkohlekraftwerks der RWE
verhindern, da auf dem Gelände drei unbewohnte Bauten des vom
Aussterben bedrohten Feldhamsters gefunden wurden. Das Kraftwerk
soll zwei Milliarden Euro kosten. Der DGB forderte die Düsseldorfer
Bezirksregierung als zuständige Genehmigungsbehörde auf, im
Hamsterstreit "für die Menschen" zu entscheiden.
Der BUND wehrte sich gegen die Vorwürfe: "Von Blockade kann keine
Rede sein. Für alle Projekte gilt aber, dass die
Genehmigungsverfahren nach Recht und Gesetz ablaufen müssen. Dazu
gehört natürlich auch die Berücksichtigung naturschutzrechtlicher
Vorgaben".
Die Bedrohung des Lebensraumes für Feldhamster sei ebenso zu
berücksichtigen wie Schadstoff-Ausstoß und Klimaschutz. "Dieses
Kraftwerk würde jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen des
Treibhausgases Kohlendioxid ausstoßen", warnte BUND-Landeschef Klaus
Brunsmeier.
Der DGB machte dagegen geltend, dass das neue Kraftwerk ältere
Kraftwerke ablösen solle. Mit der neuen Kraftwerks-Technologie werde
der Kohlendioxid-Ausstoß verringert, aus weniger Kohle mehr Strom
erzeugt und damit das Klima geschützt.
Ausschuss für Nachtbohrverbot.
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
03.12.2004
ELSDORF - In der Nähe von Ortschaften
soll RWE Power nachts nicht mehr bohren dürfen. Das hat der Bauausschuss
einstimmig auf Anregung von Christ- und Freien Demokraten beschlossen.
„Um die Bürger vor Lärmbelästigungen zu schützen, fordern wir vom Bergbauunternehmen,
dass es nur noch zwischen 6 Uhr morgens und 22 Uhr abends bohrt“,
sagte CDU-Sprecher Hans-Theo Schmitz.
RWE Power hatte bei der Gemeinde wieder mehrere Brunnenbohrungen angezeigt.
Die Mitglieder des Bauausschusses hatten die Zustimmung zu den dafür
notwendigen Sonderbetriebsplänen in ihrer September-Sitzung vertagt.
Der Ausschuss protestierte damit gegen erhebliche Lärmbelästigungen,
die bei einer Brunnenbohrung bei Giesendorf entstand und über die
sich Ende August viele Bürger beklagt hatten. Weil der Lärm auch
nachts zu hören war, fordert der Ausschuss jetzt das
Nachtbohrverbot.
In einem Brief an den Bürgermeister der Gemeinde hat RWE Power die
Lärmbelästigungen bedauert. Bei der Bohrung in der Nähe von
Giesendorf sei es zu der außerordentlichen langen Bohrzeit von sechs
Wochen gekommen, weil am Sonntag, 29. August, morgens in der ganzen
Region drei Stunden lang der Strom und damit fast alle Brunnen am
Tagebau Hambach ausgefallen seien.
Aus Sicherheitsgründen, so RWE Power, habe man an jenem Sonntagmorgen
das gesamte Bohrgestänge aus dem Bohrloch herausholen müsse. Deshalb
sei es zu Lärmbelästigungen gekommen.
Wegen des Stromausfalls und der schwierigen Schichtverhältnisse in der Erde
habe man einen neuen Brunnen bohren müssen, heißt es weiter. Bei Bohrungen
in Ortsnähe sei RWE Power besonders bestrebt, so das Unternehmen,
Störungen der Bürgerinnen und Bürger durch Licht und Lärm zu
vermeiden. Die Bohrplätze seien von sechs Meter hohen
Lärmschutzwänden umgeben.
Unionspolitiker Arentz: Keine Arbeitsleistung, aber guter Lohn
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
03.12.2004
Ohne erkennbare Arbeitsleistung erhält der Chef des
CDU-Arbeitnehmerflügels, Hermann-Josef Arentz, von der RWE Power AG
ein Jahresgehalt von 60 000 Euro sowie Sachleistungen in erheblichem
Umfang.
„Wer seinen Mitmenschen jeden Tag predigt,
sie müssen den Gürtel enger schnallen, aber selbst den Bauch über der Hose trägt,
der ist eben nicht glaubwürdig.“ Das schreibt der Kölner Landtagsabgeordnete und
Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA),
Hermann-Josef Arentz, in seinem Buch „Sozialstaat im Härtetest“.
Diese Sätze könnten sich gegen ihren Autor wenden: Nach
Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ steht der Politiker seit
1992 auf der Lohnliste der Rheinbraun AG, heute RWE Power. Den
Bezügen in Höhe von 60 000 Euro pro Jahr soll aber keinerlei
Arbeitsleistung gegenüberstehen. Arentz soll in der Kölner
Niederlassung der Firma nicht einmal mehr einen Schreibtisch
besitzen. Der Politiker hat ferner Anspruch auf ein jährliches
Strom-Firmendeputat von 7500 Kilowattstunden. Das ist in etwa so
viel, wie zwei vierköpfige Haushalte im Jahr an Energie verbrauchen.
Weiter wurde
bekannt, dass die RWE-Tochter in den vergangenen Jahren einen
massiven Abbau von Arbeitsplätzen betrieben hat. So soll allein in
der Sozialabteilung (PHSS), in der der christdemokratische Politiker
beschäftigt ist, die Hälfte aller Stellen gestrichen worden sein.
CDA verteidigt RWE-Job ihres Vorsitzenden Arentz
Der Hauptgeschäftsführer der CDU-Sozialausschüsse
(CDA), Ralf Brauksiepe, hat Hermann-Josef Arentz gegen Kritik wegen seines
Beschäftigungsverhältnisses mit RWE verteidigt. Dem „Kölner
Stadt-Anzeiger“ sagte er am Freitag: „Ich verstehe die Aufregung
nicht. Mir war dieses Beschäftigungsverhältnis bekannt. Das ist eine
Sache zwischen dem Unternehmen und dem Beschäftigten. Eine
Gegenleistung besteht im Übrigen nicht nur darin, dass man sich 40
Stunden in der Woche im Büro den Hintern platt sitzt.“ Brauksiepe
erklärte weiter: „Das schadet Arentz in der CDA ganz sicher nicht.“
Dahinter stecke aber offensichtlich „ein durchsichtiges Kalkül im
Vorfeld des Parteitages. Hier wird Neid geschürt. Und Neid ist neben
dem Sexualtrieb und dem Steuerspartrieb der stärkste Trieb des
Menschen.“ Brauksiepe verwies darauf, dass Friedrich Merz sich
künftig stärker als Anwalt betätigen wolle und dennoch im Bundestag
bleibe.
Der
CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer, Mitglied im
CDA-Bundesvorstand, äußerte: „Ich nehme keine Nebeneinkünfte an. Ich
finde es aber in Ordnung, wenn andere sagen, sie wollten sich neben
der Politik ein zweites Standbein schaffen.“
Arentz bestätigt Einkünfte
Auf Anfrage
des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bestätigte Arentz am Donnerstag die
Angaben im Wesentlichen, mochte aber in der Bezahlung durch RWE
Power nichts Kritikwürdiges sehen. „Ich kann nichts daran ändern,
dass irgendein Schmutzschweinchen mit Dreck wirft, werde ihm aber
nicht auch noch Futter geben.“
Zwölf Jahre
nach seiner ersten Wahl in das Landesparlament, erläuterte Arentz,
habe er die Stelle bei Rheinbraun angetreten. Der spätere
Ministerpräsident von Sachsen, Kurt Biedenkopf, habe ihm schon früh
dazu geraten, sich ein berufliches Standbein zu suchen. Anfangs sei
er seiner Tätigkeit als Hauptsachbearbeiter im Sozialwesen
„teilweise nachgekommen“, mit zunehmenden politischen Aufgaben habe
er sein Engagement zurückgefahren. Er sei aber weiter für das
Unternehmen tätig: „Ich stehe dem Unternehmen immer zur Verfügung,
wenn man mich braucht.“ Die anderen Arbeitnehmern angebotene
Vorruhestandsregelung ab 51 Jahre sei für ihn nicht in Frage
gekommen.
Der CDA-Bundesvorsitzende betonte,
ein Politiker könne seine „innere Unabhängigkeit“ nur bei entsprechender
finanzieller Ausstattung bewahren. „Da ich weder Beamter auf Lebenszeit noch
von Hause aus reich bin, musste ich mir ein zweites Standbein schaffen.“
Als Landtagsabgeordneter erhält der 51-jährige
Christdemokrat eine zu versteuernde monatliche Grunddiät von 4800 Euro nebst einer
steuerfreien Kostenpauschale von 1200 Euro. Zusätzlich kann er
monatlich bis zu 2300 Euro an Fahrtkosten und Aufwandspauschalen
geltend machen.
Das Unternehmen RWE Power äußerte sich am
Donnerstag nicht zum Sachverhalt.
Feldhamster bringen einen Kraftwerksblock in Gefahr
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
23.11.2004
Der BUND hat
Bedenken gegen Baupläne von RWE Power.
GREVENBROICH / NEURATH - Feldhamster gegen Kraftwerk: Die Investition
von mindestens 1,3 Milliarden Euro in ein neues Braunkohlekraftwerk
mit optimierter Anlagentechnik (BoA) durch RWE Power in
Grevenbroich-Neurath ist nach Angaben des Bundes für Umwelt und
Naturschutz NRW (BUND) gefährdet: Auf dem für den Bau des Kraftwerks
vorgesehenen Gelände lebe der vom Aussterben bedrohte Feldhamster.
„Drei Winterbaue wurden gefunden, ein weiterer wird dort vermutet“,
heißt es in einer Stellungnahme des BUND. Die Naturschützer fordern
jetzt nicht nur weitere Untersuchungen, sondern werfen RWE Power
vor, ein eigenes Gutachten, das das Vorkommen des strikt geschützten
Nagers bestätigen könnte, unter Verschluss zu halten. Käme der
Hamster dort tatsächlich vor, sei der Kraftwerksbau nach
europäischem Recht verboten, so der BUND.
RWE-Power-Sprecherin Stephanie Schunck wehrte sich „mit Vehemenz“
gegen den Vorwurf, Gutachten zu unterschlagen. Richtig aber sei,
dass das RWE ein Gutachten zur möglichen Population der Feldhamster
auf dem geplanten Kraftwerksgelände in Auftrag gegeben habe. Es
seien jedoch keine Feldhamster nachzuweisen. Experten hätten
lediglich drei verlassene Winterbaue entdeckt. Der Bau des
Kraftwerks sei demnach nicht gefährdet. Im Übrigen sei das Gutachten
vom RWE direkt an die Bezirksregierung Düsseldorf übermittelt worden
und inzwischen Bestandteil der Genehmigungsunterlagen.
Stoppt Hamster RWE Power?
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
22.11.2004
GREVENBROICH - Über Jahre hat der Feldhamster den Bau des grenzüberschreitenden
Gewerbegebietes „Avantis“ zwischen Aachen und Heerlen gestoppt. Nun
gefährdet er möglicherweise auch Milliarden-Investitionen von RWE
Power in Grevenbroich-Neurath: Auf der geplanten Baufläche sind drei
verlassene Winterquartiere des auf der roten Liste stehenden Nagers
entdeckt worden.
Ein neues,
„von der RWE Power bislang unter Verschluss gehaltenes Gutachten“,
schreibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),
belege, dass der Bau von Braunkohlekraftwerken mit optimierter
Anlagentechnik (BoA) „ein Überwinterungsgebiet des vom Aussterben
bedrohten und deshalb streng geschützten Feldhamsters vernichten“
würde.
Das Gutachten, das jetzt die Umweltschützer auf den Plan ruft, hat RWE Power selbst
in Auftrag gegeben. „Wir verwahren uns gegen den Vorwurf, etwas
unter Verschluss gehalten zu haben“, sagt RWE-Power-Sprecherin
Stephanie Schunck. „Wir haben das Gutachten unmittelbar nach
Fertigstellung der Bezirksregierung Düsseldorf als
Genehmigungsbehörde zugeleitet.“ Der Gutachter habe keinen einzigen
Hamster gesehen, sondern nur drei verlassene Höhlen, betont Schunck.
Deshalb gehe das Unternehmen davon aus, dass das Bauvorhaben von
rund 1,2 Milliarden Euro nicht gefährdet sei.
Der nordrhein-westfälische BUND-Geschäftsführer
Dirk Jansen sieht das ganz anders: „Die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
verbietet sowohl jede Störung dieser seltenen Tierart als auch jede
Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- und Ruhestätten.“
Deshalb halte der BUND das geplante BoA-Kraftwerk in Neurath für
„nicht genehmigungsfähig“.
Welche aufschiebende Wirkung die Spur von Feldhamstern für Bauprojekte
haben kann, zeigt das Gewerbegebiet „Avantis“ zwischen Aachen und
Heerlen. Das Gebiet, das 12 000 Menschen Arbeit bieten soll, wird
seit 1989 geplant. Dann kam der Hamster ins Spiel, und die
EU-Kommission drohte der Bundesrepublik mit Klage. Erst Mitte 2003
stellte die EU das Verfahren ein - nachdem das Land NRW ein
Artenhilfsprogramm zum Schutz der Hamster in und um Aachen aufgelegt
hatte.
RWE legt Quartalszahlen vor - Gewinnzuwachs erwartet
Kölner Stadt-Anzeiger
08.11.2004
ESSEN - Der Essener RWE-Konzern legt morgen(Dienstag) in Essen die Zahlen für
das dritte Quartal des Geschäftsjahres vor. Analysten rechnen mit
weiter steigenden Gewinnen bei Deutschlands zweitgrößtem
Energiekonzern. RWE-Chef Harry Roels hatte bereits bei der Vorlage
des Halbjahresberichts im August einen Gewinnzuwachs um 15 Prozent
für das Gesamtjahr 2004 in Aussicht gestellt.
Für Braunkohle Subventionen in Millionenhöhe
Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Titelseite
21.10.2004
Braunkohle wird jährlich mit mindestens 960
Millionen Euro subventioniert. So das Ergebnis einer Studie des
Wuppertal-Instituts, die unserer Zeitung vorliegt. Kritiker sehen
eine Bevorzugung gegenüber Erdgas.
DÜSSELDORF – Das Bundesumweltministerium startet einen neuen Angriff
auf die Braunkohle. Entgegen der Behauptung von Kohle-Industrie und
Bundeswirtschaftsminister Clement sei die Braunkohle keineswegs frei
von Subventionen. Im Gegenteil werde der Rohstoff in Milliardenhöhe
staatlich subventioniert. Dies ist das Ergebnis einer Studie des
Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie im Auftrag des
Umweltbundesamts. Das Amt untersteht dem Bundesumweltministerium.
Damit dürfte die Auseinandersetzung zwischen Clement (SPD) und
Umweltminister Trittin (Grüne) über die Frage der Benachteiligung
des umweltfreundlicheren Erdgases gegenüber Kohle neu aufbrechen.
Diesen Streit haben die beiden Minister bereits zweimal bis aufs
Blut geführt: bei der Frage des Neubaus des Erdgas-Kraftwerkes in
Hürth und bei der Zuteilung von Verschmutzungsrechten.
Die Studie, die unserer Zeitung vorliegt, beziffert die direkten und
indirekten Subventionen für die Braunkohle auf „mindestens 960
Millionen Euro“ im Jahr. Der größte Anteil der staatlichen Förderung
entfalle auf die steuerliche Bevorzugung des Energieträgers
Braunkohle im Vergleich zu Erdgas. Alleine dies verschaffe dem
Braunkohle-Kraftwerkspark einen Vorteil von 590 Millionen Euro im
Jahr. Der Energieexperte und stellvertretende Fraktionschef der
NRW-Grünen, Reiner Priggen, forderte gegenüber unserer Zeitung eine
Kohlesteuer. „Erdgas und Kohle müssen endlich gleich behandelt
werden.“
Das hat Sprengkraft in Nordrhein-Westfalen, zumal auch das
Wuppertal-Institut die „Einführung einer Kohlesteuer und – nicht
zuletzt aus Gleichbehandlungsgründen – auch eine Kernbrennstoffsteuer“ fordert.
Als weitere Subventionstatbestände listet das Wuppertal-Institut
auf: Investitionsförderung, die staatliche Übernahme von
Umsiedlungskosten und entsprechend die Übernahme der Kosten für den
Infrastrukturausbau und die gezielte Förderung von
Fernwärmeleitungen. Einen großen Anteil hat der Untersuchung zufolge
auch die einseitige „Begünstigung der Braunkohle durch die
Freistellung vom Wasserentnahmeentgelt.“ Dies mache im Jahr 200 bis
230 Millionen Euro aus.
„Jedes Jahr anfallende Einnahmeausfälle in den Länderhaushalten und
der verstärkte Ressourcenverbrauch zu Lasten zukünftiger
Generationen sind die Folgen“, heißt es in der Untersuchung.
Die Verbrennung von Braunkohle setzt deutlich mehr CO2 frei als die
von Steinkohle und Erdgas.
Staatsknete für Braunkohle
Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Wirtschaftsteil
21.10.2004
DÜSSELDORF – Ende Juli war wieder so ein Termin für Wolfgang Clement,
bei dem er sich zu Hause fühlen konnte. Der Festakt zum zehnjährigen Bestehen
der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) in Zeitz war
ein Heimspiel, in Ostdeutschland zwar, aber dennoch, denn zur
Braunkohle hat der Bundeswirtschaftsminister eine lange Jahre
währende Beziehung.
Im Gegensatz zur Steinkohle, so Clement auf dem Festakt, könne
Braunkohle ohne Subventionen zu wettbewerbsfähigen Bedingungen
bereit gestellt werden. „Der Einsatz der Braunkohle ist ökonomisch
und auch ökologisch unverzichtbar.“ Worte, die Clements Kollegen vom
Umweltressort, Jürgen Trittin (Grüne) , in den Ohren klingeln. Nicht
nur, weil hier derselbe Minister von „ökonomisch“ spricht, der keine
Gelegenheit ausläst, den Grünen die Windkraftsubventionen unter die
Nase zu reiben. Auch deshalb, weil das Wort Ökologie bei Braunkohle
so eine Sache ist: 350 Milligramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde
blasen Gas- und Dampfturbinen-Anlagen in die Luft, bei
Steinkohle-Kraftwerken sind es 710 Milligramm und bei
Braunkohle-Anlagen 840 Milligramm.
Jetzt schlägt das Imperium zurück. Nach Informationen unserer
Zeitung veröffentlicht das Bundesumweltamt heute das Ergebnis einer
Studie des Wuppertal-Instututs für Klima, Umwelt, Energie mit dem
Inhalt: Entgegen der landläufigen Meinung werde die Braunkohle
subventioniert, und zwar mit 960 Millionen Euro im Jahr. Davon
entfielen 150 Millionen Euro auf die Subventionierung der
ostdeutschen Braunkohlen-Industrie.
Den größten Brocken an staatlichen Steuergeldern machen die Forscher
bei der steuerlichen Begünstigung aus: Auf Erdgas wird
Mineralölsteuer fällig, auf Braun-, Steinkohle und Kernkraft nicht.
Aber auch der Anteil erlassener Gebühren wie das Wasserentnahmegeld
sowie die Förderabgabe auf Bodenschätze sorgen für erhebliche
Einnahmeausfälle in den Haushalten. 200 bis 230 Millionen Euro,
heißt es. Daneben hat das Wuppertal-Institut eine Liste von
indirekten Subventionstatbeständen erstellt: Darin enthalten sind
Verwaltungsaufwendungen für Landesplanung und Abbau-Genehmigung;
diese Kosten seien nicht durch die von den Unternehmen zu zahlenden
Gebühren gedeckt.
Auch Beschaffungssubventionen seien gegeben durch die staatliche
Förderung von Fernwärmeleitungen, Finanzhilfe an Kraftwerksbetreiber
und die direkten Hilfen, die der Staat für die Ansiedlung von
Industrieunternehmen und somit Stromkunden rund um die Kraftwerke
bereit stelle. Mittel für Umsiedlungsförderung und Straßenbau von
der öffentlichen Hand werten die Forscher ebenfalls als Subventionen
für die Unternehmen.
Das Institut stellt fest: Die „kaum noch überschaubare Anzahl von
Regelungen und staatlichen Eingriffen“ führe zu Verzerrungen. Aus
Gleichbehandlungsgründen solle der Staat eine Kohlesteuer und eine
Kernbrennstoffsteuer erheben. Was sogar erlaubt wäre: Eine
EU-Energierichtlinie fordert zwar grundsätzlich die Umstellung der
Besteuerung vom Energieträger auf die Erzeugung, also der
Strommenge. Aus „ökologischen Gründen“ aber ist auch die Besteuerung
des Energieträgers erlaubt. Übrigens ist Berlin mit der Umsetzung
der Richtlinie bereits elf Monate im Verzug.
Über Standorte wird weiter gestritten.
Kölnische Rundschau
14.09.2004
BERGHEIM / HÜCHELHOVEN - Alle sind für die Kohle,
alle sind für das Kraftwerkerneuerungsprogramm. „Auch die Zustimmung für weitere
BoA-Blöcke in Niederaußem ist für alle Seiten unstrittig“, berichtet
der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Kai Faßbender von der
SPD-Mitgliederversammlung in Hüchelhoven. „Keine Übereinkunft gab es
allerdings in der Frage über den Standort weiterer BoA-Blöcke.“
Der SPD-Vorstand hatte die Mitglieder der Bergheimer SPD eingeladen,
um über die Zukunft des Kraftwerksstandortes Niederaußem zu
diskutieren und für die Partei eine Position zu formulieren. Weil
die Bürgerinitiative „Big Ben“, die gegen die Erweiterung des
Kraftwerksgeländes ist, gehört hatte, dass der Betriebsrat des
Kraftwerks eingeladen war, organisierten sie eine Kundgebung mit
Traktor und Transparent. Als der Betriebsrat das erfuhr, rückten
mehr Kraftwerker an als geplant.
Doch zu einer Konfrontation kam es nicht, alle Seiten berichteten
von einer guten Diskussion. „Es war ein sehr positives Miteinander“,
sagte gestern Harald Könen, Vorsitzender des Betriebsrates. „Mit dem
Beschluss können wir aber nicht leben.“
Die Versammlung beschloss mit großer Mehrheit den vom Vorstand
gestellten Antrag, der leicht verändert wurde. „Die SPD Bergheim
setzt sich dafür ein, dass neue Kraftwerksblöcke nur auf dem
bisherigen Kraftwerksgelände errichtet werden“, heißt es da. Die
Niederaußemer erwarteten die Stilllegung und den Abbau von Anlagen
im Kraftwerk Niederaußem spätestens nach der Inbetriebnahme der
geplanten zwei neuen BoA-Blöcken in Neurath.
Gleichzeitig schloss sich die SPD einem Beschluss der Rhein-Erft-SPD
an. Die SPD werde darauf achten, dass Kraftwerke umweltschonend nach
dem neuesten Stand der Technik gebaut würden, „und zwar so, dass die
Menschen in den benachbarten Ortschaften nicht in ihrer
Lebensqualität darunter leiden müssten.“
Der Betriebsrat meinte dagegen, der Bau von BoA-Blöcken auf dem
Kraftwerksgelände sei teurer als ein Neubau auf den
landwirtschaftlichen Flächen. Das Unternehmen stehe unter „enormem
Kostendruck“. Könen und Verdi-Gewerkschaftssekretärs Hans-Peter
Lafos warnten vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. „RWE ist auch für
Rheidt, Hüchelhoven und Niederaußem wichtig“, sagte Könen vor der
Versammlung. „Aber wir verstehen die Sorgen und Nöte der Menschen,
und wir werden sie ernst nehmen.“
Christoph Mödder von der Bürgerinitiative „Big Ben“ mochte das
Argument mit den Arbeitsplätzen nicht glauben. „Arbeitsplätze werden
bei RWE wegen des Einsparprogramms so oder so wegfallen“, sagt er.
Er ist mit dem SPD-Beschluss sehr zufrieden.
Faßbender fordert jetzt die anderen Parteien im Stadtrat auf, wie
die SPD ebenfalls klar Stellung zu nehmen. Mödder sieht das ähnlich.
„Jetzt ist die CDU am Zug“, sagt er. Der Betriebsrat will die
Gespräche mit den Sozialdemokraten fortsetzen. Könen hat dem
SPD-Vorstand ein Treffen mit dem Gesamtbetriebsrat und
RWE-Vorstandsmitgliedern angeboten. „Ich habe gestern dafür eine
Zusage bei RWE bekommen“, sagte Könen.
Klares „Ja“ zum Neubau von BoA-Kraftwerken formuliert.
Kölnische Rundschau
06.09.2004
RHEIN-ERFT-KREIS - „Dem Rhein-Erft-Kreis fehlt ein klares Profil.
Die Fokussierung der Wirtschaftsaktivitäten des Kreises auf die
Tourismusförderung haben die Konturen verwässert“, sagte der
Landtagskandidat der Rhein-Erft-SPD Bernhard Hadel in seiner Rede
zum Parteitag im Bürgerhaus Neu-Etzweiler.
Eindeutig und selbstbewusst müsse sich der Kreis bekennen: Er sei
Energiekreis, er habe Platz für energieintensive Betriebe, er sei
Chemiekreis und Medienkreis. Dabei sei Bildung das wichtigste
Kapital. Für frühkindliche Bildungs- und Erziehungseinrichtungen
wolle er sich einsetzen, der Rhein-Erft-Kreis solle
„kinderfreundlichster Kreis“ werden, sagte Hadel.
Der Landratskandidat erntete brandenden Applaus für seine
kämpferische Rede, die nahm am Samstagvormittag viele Inhalte
vorweg, die wenig später 101 Stimmberechtigte, unter ihnen der
Vorsitzende Guido van den Berg, Landtagsmitglied Hardy Fuß oder der
Ehrenvorsitzende Klaus Lennartz als „Kreispolitische Leitsätze
2004-2009“ einstimmig verabschiedeten.
Inhalte, wie die Konsolidierung des Kreishaushaltes, die Förderung
von Kooperation zwischen Krankenhäusern, Schaffung von Hospizen,
Palliativstationen und eines Brustkrebszentrums, Stärkung von
Anlaufstellen für sozial schwache Menschen, aber auch ein klares
„Ja“ zum Energiestandort Niederaußem.
Die Kreispartei werde sich dafür einsetzen, „dass die Region als
wichtigster Grundlaststromerzeugungsstandort erhalten und durch den
Bau weiterer BoA-Braunkohlekraftwerke weiter modernisiert wird“,
heißt es im Wahlprogramm, und zwar so, dass die Menschen in ihrer
Lebensqualität nicht beeinträchtigt würden. Bernhard Hadel zitierte
dazu aus einem Fax von RWE Power, die ersten Blöcke in Niederaußem
würden vom Netz gehen, bevor ein weiterer BoA-Block an diesem
Standort in Betrieb gehe, vorausgesetzt, in Neurath sei bereits ein
„Doppelpack realisiert“.
Der Punkt bot Stoff für Diskussionen. Man dürfe nicht die Bürger
vergessen, die von Verschattung und Staubbelastung betroffen seien.
Erst Hardy Fuß setzte der Diskussion ein Ende: „Konflikte zwischen
Wirtschaft und Bevölkerung zu lösen ist das, was wir seit
Jahrzehnten tun.“
„Wir versprechen den Bürgern nicht das Blaue vom Himmel“, lobte
Edgar Moron die Leitsätze abschließend. Trotz des Stimmungstiefs in
der Bundespartei rief Moron die Genossen zu mehr Selbstbewusstsein
auf: „Wir Sozialdemokraten haben in der Geschichte nie etwas getan,
wofür wir uns schämen müssten“, sagte er.
Grüne nicht grundsätzlich gegen Kohle
Kölner Stadt-Anzeiger
03.09.2004
Die Partei
erläuterte gestern ihr Programm für die Kommunalwahl.
RHEIN-ERFT-KREIS - Die Grünen im Kreis stellen die
Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt ihres Programmes: „Machen wir
den Kreis zur Nummer 1 im Bereich der umweltschonenden Energien“,
forderten Landratskandidat Rüdiger Warnecke und Doris Lambertz,
Fraktionsvorsitzende im Kreistag, gestern in Bergheim. Ob Biogas,
Erdwärme, Windkraft oder Energiespartechnik, die Grünen setzen auch
künftig auf die Energie als Wirtschaftsmotor. Die neuen Techniken
böten Jobs - auch nach Auslaufen der Tagebaue.
Denn wer für moderne Energieerzeugung eintrete, sei nicht
automatisch ein Feind von RWE Power, betonen die Grünen, die auch
den Weiterbau moderner BoA-Kraftwerke nicht behindern wollen: „Aber
dafür müssen auch wie verabredet ausreichend alte Kraftwerksblöcke
stillgelegt werden. Und es darf nicht zu einer Konzentration der
Kraftwerke in Neurath und vor allem Niederaußem kommen“, betonte
Johannes Bortlisz-Dickhoff, Geschäftsführer der Kreistagsfraktion.
Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft arbeite „uneffektiv und
unzeitgemäß“, betonte Warnecke: „Sie gehört aufgelöst.“ Die
Naturschutzverbände hingegen müssten stärker unterstützt werden, und
auch ein kreisweites Kulturprogramm solle gefördert werden. Dem Ziel
des Bundesumweltgesetzes, auf zehn Prozent der Landfläche
Naturschutzgebiete auszuweisen, komme der Kreis mit nur zwei Prozent
nicht nach. „Wir glauben, dass wir auf dem Restfeld Ville und
andernorts auf eine Quote von sieben Prozent kommen können“, sagte
Lambertz. Bortlisz-Dickhoff forderte zudem eine Machbarkeitsstudie
für eine Kreisbahn von Brühl nach Bedburg.
In der Kreisverwaltung sehen die Grünen Einsparpotenziale durch die
Verlagerung von Aufgaben auf die Städte. Um Korruption zu
verhindern, schlagen sie einen unabhängigen Ombudsmann, etwa einen
Notar, vor, an den sich Verwaltungsmitarbeiter auch aus den
Stadtverwaltungen vertrauensvoll wenden können. Die Grünen fordern
zwar auch einen Dezernenten mit grünem Parteibuch, wollen die
zusätzlichen Kosten aber durch Einsparungen bei anderen Posten
ausgleichen.
„Erst abreißen, dann neu
bauen“
Kölnische Rundschau
02.09.2004
BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - Kurz vor der Kommunalwahl wollen sich die
Sozialdemokraten in Bergheim auf eine Position zum
Kraftwerksstandort Niederaußem festlegen. „Neu für alt“ ist die
Tendenz, die sich bei der SPD Bergheim abzeichnet.
Bei einer Mitgliederversammlung wird am Montag, 13. September, um 18
Uhr im Pfarrheim St. Michael in Hüchelhoven eine Beschlussempfehlung
des Ortsvereinsvorstands diskutiert, nach der weitere BoA-Blöcke nur
gebaut werden sollen, wenn alte Kraftwerksblöcke vorher abgerissen
worden sind. Der Ortsverein Bergheim begrüße ausdrücklich das
Kraftwerkserneuerungsprogramm, lehne aber eine Erweiterung des
Standortes Bergheim ab, heißt es in dem Papier.
Möglicherweise wird das Papier bereits auf dem SPD-Kreisparteitag am
Samstag, 4. September, um 10 Uhr in Elsdorf-Neu-Etzweiler
diskutiert. „Wir suchen händeringend nach einer Abstimmung mit der
Kreispartei“, sagte der Bergheimer Parteivorsitzende Kai Faßbender
gestern.
Die Betriebsräte des Kraftwerkes Niederaußem können den SPD-Vorstoß
nicht verstehen. „Ein vorzeitiger Abriss der alten Blöcke würde auf
einen Schlag 100 Arbeitskräfte freisetzen, für die wir beim von RWE
Power geplanten Verlauf längst ein Konzept haben“, sagte
Betriebsratsvorsitzender Harald Könen gestern bei einer
Pressekonferenz. Mit seinen Stellvertretern Martina Kalin und Willi
Schmitz sucht er nun das Gespräch mit der Bergheimer SPD.
Könen - selbst Sozialdemokrat - hegt bei den Bergheimer
Parteifreunden einen Verdacht: „Die wollen wohl kurz vor der
Kommunalwahl in der Nachbarschaft des Kraftwerkes noch ein paar
Stimmen fischen.“
RWE-Konzern gibt Milliarden aus
Kölner Stadt-Anzeiger
11.08.2004
Im erstenb Halbjahr fiel der Gewinn
dank des Verkaufs von Beteiligungen mehr als doppelt so hoch aus.
ESSEN - Es ist inzwischen zehn Jahre her,
dass die Düsseldorfer Landesregierung grünes Licht gab für das umstrittene
Tagebau-Projekt Garzweiler II im Rheinischen Braunkohlerevier.
Im Gegenzug verpflichtete sich der Energiekonzern RWE damals, den Kohlendioxid-Ausstoß
der Braunkohlekraftwerke deutlich zu senken und bis 2030 runde 20
Milliarden DM (also gut zehn Milliarden Euro) in die Modernisierung
der Energiefabriken zu investieren.
2002 ging zunächst ein neuer, 1,2 Milliarden Euro teurer
Kraftwerksblock in Bergheim-Niederaußem ans Netz. Bis zu zwei
Milliarden Euro könnten in eine weitere Boa fließen (das Kürzel
steht für „Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik“), die
am Standort Grevenbroich-Neurath entstehen soll. Ob dort bis 2010
ein Einzelblock oder ein Doppelblock hochgezogen wird, das
entscheide sich in der zweiten Jahreshälfte, sagte gestern
Unternehmenschef Harry Roels. Außerdem werde geprüft, 400 Millionen
in ein Gas- und Dampfkraftwerk zu investieren. Mögliche Standorte
seien unter anderem Lingen, aber auch die Kölner Vorstadt Hürth
komme in Betracht.
In Zusammenarbeit mit der Essener RAG-Tochter Steag will RWE ein
Steinkohlekraftwerk mit 700 Megawatt Leistung errichten. Geschätzte
Kosten des Projekts: 650 Millionen Euro. „Insgesamt wollen wir
zunächst bis zu 3300 Megawatt unserer Erzeugungsleistung ersetzen,
ein Zehntel unserer Gesamtkapazität“, sagte Roels. Nachdem Bundestag
und EU den Nationalen Allokationsplan zum Emissionshandel
verabschiedet haben, sieht RWE „eine Zukunft für die
Kohleverstromung in Deutschland“. Als „Rahmenbedingung für Neubauten
müsse jedoch „die Entwicklung des Strompreises stimmen“.
Der Energiekonzern wird im laufenden Jahr den Strompreis für
Haushalte nicht weiter anheben, denkt aber über eine Erhöhung im
kommenden Jahr nach. „Wir sind in der Kalkulation und in Gesprächen
mit den Behörden“, so Roels. Preiserhöhungen für Privathaushalte
müssen bei den Landesregierungen beantragt werden.
RWE-Vertriebsvorstand Berthold Bonekamp verwies auf gestiegene
Rohstoffkosten.
Im ersten Halbjahr 2004 erzielte RWE dank guter Erträge in den
Kerngeschäften mit Strom, Gas und Wasser einen Anstieg des
Betriebsergebnisses um zwölf Prozent auf 3,281 Milliarden Euro. Der
Gewinn erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um satte 119
Prozent auf 1,36 Milliarden Euro - vor allem wegen des Verkaufs von
Anteilen an Heidelberger Druck und an der US-Kohlegesellschaft
Consol. Ohne Firmenwertabschreibungen betrug das Plus 23 Prozent.
Der Umsatz sank (infolge der Trennung von Beteiligungen) um sechs
Prozent auf 21,1 Milliarden Euro. Zugleich verringerten sich die
Nettoschulden binnen Jahresfrist um 2,1 auf 15,7 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr erwartet Roels einen Anstieg des
Betriebsergebnisses „im einstelligen Prozentbereich“.
Probleme hat der Essener Energieriese derzeit mit der britischen
Regulierungsbehörde. Während RWE beim konzerneigenen Wasserversorger
Thames Water Ausgaben in Höhe von 4,1 Milliarden Pfund (gut 6,1
Milliarden Euro) über einen Zeitraum von fünf Jahren vorgesehen hat,
setzt die Behörde das erforderliche Investitionsvolumen um mehr als
ein Drittel niedriger an. Außerdem soll die Preiserhöhung auf
insgesamt 14,5 Prozent in den nächsten fünf Jahren limitiert werden,
während Thames Water einen Anstieg um 38 Prozent für notwendig hält.
RWE will nun versuchen, die Bedenken der Londoner
Regulierungsbehörde auszuräumen.
„Genauigkeit vor Schnelligkeit“
Kölner Stadt-Anzeiger
15.07.2004
Die CDU drängt
erneut auf dezentrale BoA-Planung und weist Vorwürfe, die
Investition zu verzögern, zurück.
BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - „Wir haben das
Kraftwerkserneuerungsprogramm nicht verzögert“, sagte Gerhard Lorth,
CDU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Regionalrates Köln. Er
reagierte damit auf Vorwürfe gegen die Entscheidung des Gremiums vom
Februar. Damals hatte der Regionalrat eine Änderung des
Gebietsentwicklungsplanes zum Bau weitere neuer
Braunkohlekraftwerksblöcke in Niederaußem abgelehnt. Grund: Die von
RWE vorgelegten Plänen ermöglichten „keine sachgerechte
Entscheidung“. Lorth: „Hier geht Genauigkeit vor Schnelligkeit.“
Den Vorwurf, die CDU verzögere Investitionen, wies auch der
Landesvorsitzende der Christdemokraten, Jürgen Rüttgers, gestern im
Rahmen einer Pressekonferenz in Niederaußem zurück. Die CDU-Spitzen
von Land, Region und Kreis reagierten damit auf die ihrer Meinung
nach unberechtigte Kritik. In der Niederaußem Tennishalle gaben
neben Rüttgers und Lorth auch Kreisparteichef Michael Breuer,
zahlreiche CDU-Bürgermeisterkandidaten sowie der Vorsitzende des
Braunkohlenausschusses, Professor Erhard Möller, die Richtung der
Union in Sachen Kraftwerkserneuerung und Braunkohlekraftwerke mit
optimierter Anlagentechnik (BoA) bekannt. Rüttgers: „Wir sagen Ja zu
BoA, wir sagen Nein zu der geplanten Konzentration weiterer Blöcke
in Niederaußem“. Bislang geht die CDU nach dem Bau von zwei Blöcken
in Neurath (Nummer zwei und drei) von zwei weiteren BoA-Blöcken in
Niederaußem aus (Nummer vier und fünf). Dazu allerdings gab es im
Februar von RWE Power keine konkreten Angaben.
Die CDU will hingegen die Dezentralisierung beim Kraftwerksbau
erreichen und fordert seither „zwingend“ eine Planung, die alle
Kraftwerksstandorte (Frimmersdorf, Neurath, Niederaußem und
Weisweiler) mit einbezieht. Zudem befürworte der Regionalrat
BoA-Standorte auf Freiflächen, die bereits durch den Abbruch alter
Anlagen frei geworden sind.
Inzwischen, so Rüttgers, habe es mit Vertreten von RWE Power darüber
Gespräche gegeben. Er ist jetzt zuversichtlich, dass Power den
Wünschen folgt.
Die von der CDU geforderte Dezentralisierung der Kraftwerke dürfte
auch ein Signal an die Bürgerinitiativen sein. Denn auch die
Interessen der Bevölkerung seien bislang nicht ausreichend
berücksichtigt. „Über eine Investition in dieser Größenordnung muss
man vorher mit den Menschen diskutieren“, sagte Rüttgers. Möller,
erklärte, die Menschen in Niederaußem seien von den geplanten zwei
weiteren Blöcken „überproportional belastet“.
Rüttgers stellte darüber hinaus auch die Frage, ob denn ein
„Kühlturm wirklich 200 Meter hoch sein müsse“. Es gebe zwar
„Bewegung“ beim Unternehmen.„Das reicht mir aber noch nicht.“
Lorth bekräftigte, der Regionalrat sei Herr des Verfahrens. Damit
wies er vor Angriffe aus der SPD und „Teilen der Landesregierung“
zurück, wonach die Regierung das Verfahren an sich ziehen könnte,
wenn der Regionalrat die Planung verzögere. Mit Zustimmung des
Kölner Regionalrates sei schließlich der Weg für zwei neue Blöcke in
Neurath geebnet worden. Die könnten jetzt erst einmal gebaut werden.
„Es gibt vier Standorte“
Kölnische Rundschau
15.07.2004
RHEIN-ERFT-KREIS - Die CDU im Lande ist für Investitionen in neue
Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA), aber
gegen die Konzentration solcher Blöcke an nur zwei Stellen: „Es gibt
vier Standorte.“ Das stellten CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers,
Regionalratsvorsitzender Gerhard Lorth und der Vorsitzende des
Braunkohlenausschusses, Erhard Möller, gestern bei einer
Pressekonferenz in Niederaußem klar.
Die CDU müsse sich wehren gegen Versuche der Landesregierung,
Einfluss auf die Mehrheit im Regionalrat zu nehmen, und gegen eine
Kampagne der SPD, die die Union als Investitionsverhinderer und
Arbeitsplatzgefährder anprangere. „Wir stehen zum
Kraftwerkserneuerungsprogramm“, sagte Lorth. RWE Power habe aber
nicht hinreichend dargelegt, wann alte Blöcke stillgelegt und
abgerissen werden. Deshalb habe der Regionalrat bisher nicht das
Verfahren zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans eingeleitet. Das
Thema stehe auch, solange RWE Power keinen neuen Antrag stelle,
nicht wieder auf der Tagesordnung.
Möller betonte, dass das Problem jedoch bei gutem Willen des
Unternehmens rasch zu lösen sei. Schließlich habe die CDU im
Regionalrat Düsseldorf auch für ein zügiges Verfahren in Bezug auf
die BoA-Blöcke in Neurath gesorgt.
„Was wir in diesem Zusammenhang entscheiden, wird 50 Jahre lang die
Landschaft prägen. Die Menschen hier werden damit leben müssen“,
sagt Rüttgers. Deshalb sei sehr genau abzuwägen, was geplant und
gebaut werde. „Müssen BoA-Kühltürme 200 Meter hoch sein?“, fragte
er. Das gehe sicher auch anders. Zumal man über Blöcke rede, die
frühestens 2012 bis 2015 aktuell würden. Bis dahin werde die
Entwicklung sicher noch voranschreiten.
Der Zeitraum zeige überdies, dass es Unsinn sei zu behaupten, die
CDU verhindere Investitionen. Entscheidungen dieser Größenordnung
würden zeitnah nur wenige Jahre vor Baubeginn getroffen. „Wir
verhindern nicht, wir suchen nach Lösungen, die Investitionen
möglich machen, ohne Unruhe in der Bevölkerung zu stiften.“
CDU-Kreisparteichef Michael Breuer betonte jedoch auch: „Niederaußem
wird Kraftwerksstandort bleiben.“
Antrag für BoA im Doppelpack
Kölner Stadt-Anzeiger
11.05.2004
Das Projekt könnte eine Investition
von zwei Milliarden Euro nach sich ziehen.
RHEIN-ERFT-KREIS - Eine Nennleistung von mindestens 1050
Megawatt, ein Wirkungsgrad von 43 Prozent und Investitionskosten von
mindestens 1,2 Milliarden Euro - das sind die Eckdaten eines neuen
Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA), für das
RWE Power jetzt die Genehmigung bei der Düsseldorfer
Bezirksregierung beantragt hat. Herauskommen könnte aber aber auch
die doppelte Leistung von 2100 Watt und einer Investitionssumme von
gut zwei Milliarden Euro. RWE hat nämlich gleich den Bau eines
Doppelblocks beantragt. Ob aber in Neurath einfach oder doppelt
gebaut wird, entscheidet das Unternehmen erst in gut einem Jahr.
In einer Mitteilung machte RWE Power deutlich, dass der
Genehmigungsantrag noch nicht über die tatsächliche Investition
entscheidet. Das Unternehmen wolle aber mit dem Genehmigungsantrag
ein Zeichen setzen und deutlich machen, dass das
Kraftwerkserneuerungsprogramm grundsätzlich fortgesetzt werden soll.
Das Kraftwerk sei ein weiterer Beitrag zur effizienten
Stromerzeugung und zur Sicherung von Arbeitsplätzen im Revier. „Ich
würde es sehr begrüßen, wenn die Anlage in Neurath entsteht“, sagte
der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA)
der SPD im Kreis, Harald Könen. „Wir haben in Niederaußem das erste
BoA bekommen, da ist es in Ordnung, wenn die zweite Anlage nach
Neurath geht“, sagt Könen, der auch Vorsitzender des Betriebsrates
im Kraftwerk Niederaußem ist. Auch Landrat Werner Stump begrüßte den
Schritt des Unternehmens.
Die letzte Hürde ist allerdings noch nicht genommen. Für die
Investition sei entscheidend, welche Auflagen mit der Genehmigung
des Kraftwerksblocks verbunden seien. Darüber hinaus sei vor
Baubeginn eine genaue Marktanalyse erforderlich. RWE betonte, dass
nur gebaut werde, wenn die jetzt festgelegten Modalitäten für den
Handel mit Schadstoffzertifikaten gesetzlich geregelt und von der EU
genehmigt würden.
"Wir müssen an allen Schrauben drehen"
Kölner Stadt-Anzeiger
30.04.2004
Gut 400 Mitarbeiter und Betriebsräte kamen zur Betriebsversammlung
nach Frimmersdorf.
RHEIN-ERFT-KREIS - Betriebsrat Willi Spix stand gestern schon um
kurz nach 9 Uhr vor der Frimmersdorfer Erfthalle. Wie seine Kollegen
Rolf Daniels und Uwe Hoßdorf war auch er gespannt, was RWE
Power-Vorstandschef Dr. Gert Maichel zu sagen hätte. Eigentlich
wollte sich Maichel den Betriebsräten und der Belegschaft aus
dem Revier gestern nur vorstellen und über den Stand des geplanten
Emissionshandels informieren. Aber die kürzlich bekannt gewordenen
neuen Pläne zur Personalauslagerung in der Instandhaltung der
Betriebe (Outsourcing), hatte einen weiteren Tagesordnungspunkt
erforderlich gemacht.
Besonders die 900 Mitarbeiter der Betriebsdienste, dazu gehören
zum Beispiel der Werksschutz, die Fahrbereitschaft sowie die Lager-
und Materialhaltung, hatte die Nachricht von einer möglichen
Auslagerung kalt erwischt. Zusätzliche Brisanz erhielt die
Sache, weil die Betriebsräte nicht über das bereits im
März angelaufene Projekt informiert waren. "Die Unruhe
ist da", konstatierte Betriebsrat Spix. Andere sprachen vom
"massiv gestörten Vertrauensverhältnis" oder
fühlten sich schlicht "verarscht".
Maichel sei aber nicht der Sündenbock. Der neue Vorstandschef,
seit 1. April im Amt, habe das Projekt nicht angeleiert. "Ich
komme mitten in diesen Prozess", sagte Maichel, der plötzlich
ganz unvermittelt zu Fuß vor der Erfthalle auftauchte. Allerdings
ließ er durchblicken, dass er den eingeläuteten, zwischenzeitlich
durch die Intervention der Betriebsräte gestoppten Prozess,
nicht aufhalten werde. "Ich muss jetzt übernehmen",
sagte er. Und um die Kosten zu senken, "müssen wir an
allen Schrauben drehen, auch in guten Zeiten." Er versprach
aber die enge Abstimmung mit den Betriebsräten und "volle
Transparenz".
Im Saal beruhigte Maichel unter Ausschluss der Öffentlichkeit
die etwa 400 Mitarbeiter, räumte ein, der Start des Projekts
sei nicht glücklich gelaufen, bedauerte dies und unterstrich
für die Zukunft: "Das ist nicht mein Stil." Weiterhin
erklärte er, der größte Teil des Personalabbaus
sei bereits gelaufen. Dass allerdings auch in Zukunft Kosten eingespart
werden müssten, machte er angesichts der geplanten Investitionen
deutlich. Im Mai werde der Genehmigungsantrag für eine BoA-Anlage
in Neurath eingereicht. Falls dort ein Doppelblock gebaut werde,
belaufe sich die Investition auf zwei Milliarden Euro. Die Betriebsräte
zeigten sich nach Maichels Auftritt zufrieden. Günter Repien
sagte, der Gesamtbetriebsrat werde die Kostensenkung begleiten,
wo immer sie möglich sei. "Eine Outsourcing-Welle werden
wir aber nicht begleiten."
(Komentar Big BEN: In der Diskussion um BoA-Blöcke wird immer
wieder der Erhalt von Arbeitsplätzen durch den Bau weiterer
Boa-Blöcke herausgestellt. Hier konnte man nun hören,
dass die Investitionen für deren Bau auch durch einen weiteren
Personalabbau finanziert werden sollen. Und das obwohl RWE-Power
gute Gewinne macht, so konnte man am 15.04.04 der Presse entnehmen:
"Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003 hatte Deutschlands
zweitgrößtes Energieunternehmen (44 Mrd Euro Umsatz)
den Betriebsgewinn um mehr als 20 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro
gesteigert.")
Angst vor dem Feinstaub
Kölner Stadt-Anzeiger
30.04.2004
Elsdorfer überlegen, den bevorstehenden Baggertransport
zu blockieren und keinen Strom mehr vom RWE zu beziehen.
ELSDORF - Ganz offensichtlich ist das Verhältnis zwischen
RWE Power und den vom Dreck aus dem Tagebau Hambach genervten Elsdorfern
nachhaltig zerrüttet. Die Kritik an dem Unternehmen wurde auf
einer Versammlung der Elsdorfer Grünen im gut besuchten Bürgerhaus
von Neu-Etzweiler zumindest mit selten gehörtem Nachdruck vorgetragen.
Der Tenor lautete, dass es keinen Sinn mehr mache, sich im Kampf
gegen den Staub auf Recht und Paragrafen zu verlassen. "Wir
sollten den ganzen Dreck aus dem Tagebau sammeln und vor die Rheinbraun-Hauptverwaltung
kippen", forderte der umgesiedelte Willi Hoffmann die Bürger
auf.
Neben dem lästigen Kohlestaub, der für die Verschmutzung
der Wohnungen verantwortlich ist, war es der unsichtbare Feinstaub,
der im Zentrum der Diskussion stand. "Er ist eindeutig gesundheitsgefährdend,
die Verantwortlichkeit des Tagebaus ist unstrittig", betonte
die grüne Landtagsabgeordnete Sybille Haußmann. Sie und
Christiane Friedrich, die Staatssekretärin im Landesumweltministerium,
erklärten, dass RWE Power möglicherweise bei der Einhaltung
der Grenzwerte beim Feinstaub Schwierigkeiten bekommen könnte.
Denn erlaubt sei, dass das Unternehmen diese Werte 35-mal im Jahr
überschreite. An der Messstelle in Oberzier kam es laut Friedrich
zwischen dem 1. Oktober und dem 30. März zu 26, in Angelsdorf
zwischen dem 1. und 20. April zu zwei und in Niederzier zwischen
dem 13. Februar und dem 20. April zu 15 Überschreitungen. "Der
Verursacher scheint klar zu sein, RWE Power muss dies offenbar reduzieren."
Weil zahlreiche Bürger den Worten und Versprechungen des Unternehmens
offenbar keinen Glauben mehr schenken, fand ein Vorschlag des grünen
Landratskandidaten Rüdiger Warnecke großen Beifall: "Wir
als Stromkunden von RWE sollten dem Unternehmen klar machen, dass
wir uns auch einen anderen Anbieter suchen können." Er
regte an, dass eine Bürgerinitiative mit diesem Vorschlag an
die Öffentlichkeit gehen solle. Mit "Skepsis" bewertet
CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Schiffer auf Anfrage diesen
Vorschlag, für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Wilfried Effertz
dagegen wäre dies "eine mögliche Verhaltensweise".
RWE Power-Sprecher Manfred Lang verweist darauf, "dass sich
die Grenzwertüberschreitungen im Rahmen des Erlaubten bewegen".
Er bezweifelte zudem, dass Werte, die in einigen Monaten ermittelt
worden wären, "eins zu eins" auf das ganze Jahr hochgerechnet
werden könnten. "Das geht nicht, wir werden die erlaubten
Werte einhalten." Zur Drohung, den Stromanbieter zu wechseln,
hat Lang ebenfalls eine klare Meinung. "Jeder darf seinen Strompartner
frei wählen."
Schließlich rief die Versammlung dazu auf, die für Juni
geplanten Baggertransporte zu blockieren. "Dies wird auch von
zahlreichen CDU-Leuten unterstützt", betont Schiffer.
Auch Effertz plädiert dafür, den Transport "protestierend
zu begleiten". Der Jurist rät aber davon ab, ihn zu behindern.
"Der Transport ist genehmigt, das wäre ein Rechtsverstoß."
Kosten müssen weiter sinken.
Kölnische Rundschau
29.04.2004
FRIMMERSDORF - "Wir müssen an jeder Kostenschraube drehen,
sonst sind wir schnell weg vom Fenster", sagte RWE-Power-Chef
Gert Maichel gestern in Frimmersdorf, bevor er bei einer Betriebsversammlung
vor rund 400 Bergleuten und Kraftwerkern aus dem Revier sprach.
Die Kostensenkung gehöre nach wie vor zu wichtigsten Aufgaben
des Unternehmens.
Maichels Besuch in Frimmersdorf war lange geplant. Eigentlich wollte
er sich, nachdem er am 1. April das Ruder bei RWE Power übernommen
hat, der Belegschaft nur vorstellen. Nachdem bekannt geworden ist,
dass der Vorstand unter dem Stichwort "Outsourcing" (Fremdvergabe)
nach weiteren Sparpotenzialen sucht, beherrschte dieses Thema die
Veranstaltung.
Die Diskussion sei intensiv, aber sehr sachlich geführt worden,
sagte der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Günter
Repien nach der Versammlung. Maichel habe sich dafür entschuldigt,
dass erste Erhebungen ohne Wissen des Betriebsrates eingeleitet
worden seien.
Für den weiteren Weg versprach Maichel große Transparenz.
Arbeitsplatzabbau in großem Stil sei nicht geplant, da in
Kraftwerken, Tagebauen und Verwaltungen schon große Anstrengungen
unternommen worden seien. Die Sorgen der Mitarbeiter verstehe er,
sagte Maichel.
Besondere Gedanken machen sich die Betriebsräte der Sparte
"Betriebsdienste". Willi Spix fürchtet, dass alle
Tätigkeiten, die nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens,
nämlich Stromerzeugung, gehören, an Fremdfirmen abgegeben
werden könnten. Als Beispiele zählt er Fahrbereitschaft,
Werksschutz, Materialbeschaffung und -lager. 900 Kollegen seien
in diesen Diensten beschäftigt.
Für Montag sind Gespräche zwischen Vorstand und Betriebsrat
vereinbart.
Gert Maichel brachte ein Bonbon mit ins Revier: Nach derzeitigem
Stand wolle RWE bereits Mitte Mai den Genehmigungsantrag für
einen weiteren BoA-Block einreichen, gab er in Frimmersdorf bekannt.
Dem Feinstaub auf der Spur
Kölnische Rundschau
29.04.2004
ELSDORF - Ist der Feinstaub aus dem Tagebau eine Gefahr? Die Grünen
hatten zu dem Thema Christiane Friedrich, Staatssekretärin
im Landesumweltministerium, eingeladen. Rund 100 Elsdorfer kamen
in das Bürgerhaus von Neu-Etzweiler. Als Gäste begrüßte
Michael Broich von den Grünen auch die Landtagsabgeordnete
Sybille Haußmann und Kreistagsmitglied Rüdiger Warnecke
bei der Versammlung.
"Feinstaub ist nicht der Grobstaub, den ein Sturm aus dem Tagebau
auf ihre Terrasse weht, sondern der unsichtbare Staub, der in der
Luft schwebt", sagte Friedrich. Hauptverursacher seien der
Verkehr und die Industrie. Studien in den USA hätten gezeigt,
dass Feinstaub zu Atemwegserkrankungen führen könne. "Wir
wissen aber nicht, ab welcher Konzentration er gefährlich wird.
Grobstaub ist lästig, Feinstaub gefährlich."
Für den Feinstaub hat die Europäische Union einen Jahresmittelwert
von 40 Mikrogramm festgelegt. Die Tagesgrenzwerte liegen bei 50
Mikrogramm und dürfen im Jahr nicht mehr als 35-mal überschritten
werden. "Die Europäische Union war mutig, dass sie so
scharfe Werte gesetzt hat", so Friedrich.
Eine Bürgerinitiative im Kreis Düren hatte das Land auf
mögliche Gefahren durch Feinstaub aus dem Tagebau hingewiesen.
Deshalb begannen im Oktober 2003 befristete Messungen in Oberzier.
Wiederholt wurde dort der Tagesgrenzwert überschritten. Deshalb
entschied das Ministerium, die in Oberzier beendeten Messungen in
Niederzier fortzusetzen und in Angelsdorf ein Jahr lang in der Hauptwindrichtung
eine zweite Messstation aufzustellen.
Nach Angaben von Friedrich wurden die Tagesgrenzwerte in Oberzier
26-mal überschritten, in Niederzier bisher 15-mal. In Angelsdorf
gab es seit dem 1. April zwei Überschreitungen. Treten in einem
Jahr mehr als 35 Überschreitungen auf, stellt das Land einen
Luftreinhalteplan auf. Zuständig dafür ist das Energieministerium.
Der Rechtsweg könne lange dauern, so Christiane Friedrich,
denn der Verursacher könne Widerspruch einlegen und klagen.
"RWE hat guten Grund, jetzt freiwillig etwas zu tun",
so Friedrich. Sie geht davon aus, dass ein Luftreinhalteplan aufgestellt
werden muss. Man müsse aber erst die Jahresmessung in Angelsdorf
abwarten. Schon die Ergebnisse in Oberzier, so Jürgen Assmann
vom Umweltministerium, hätten gezeigt, dass die Werte höher
seien, wenn der Wind aus Richtung Tagebau komme. Laut Friedrich
muss RWE die Grenzwerte erst ab 1. Januar 2005 einhalten.
RWE misst in Angelsdorf seit Anfang 2003 mit einer eigenen Station
den Feinstaub. Der Jahresgrenzwert wurde laut Unternehmen nicht
überschritten, die Zahl der Überschreitungen der Tagesgrenzwerte
lag unter 35. Eine Gefahr hat das Unternehmen, das stets auf seine
Staubschutzmaßnahmen verweist, bisher nicht gesehen.
Der Wunsch der Bürger nach weiteren Messstationen am Tagebau,
musste Friedrich ablehnen. "Dafür fehlt uns das Geld."
Mehrere Bürger kritisierten, dass sich die Politiker der Gemeinde
jahrelang um das Staubproblem nicht gekümmert hätten.
Sie forderten, dass man nicht abwarten dürfe, sondern schon
bald Protestaktionen machen müsse, zum Beispiel beim Baggertransport
im Juni. "Wir sollten RWE klar machen, dass wir Stromkunden
sind und auch den Anbieter wechseln können", so Rüdiger
Warnecke.
Vertrag über 200 Millionen mit RWE.
Kölner Stadt-Anzeiger
29.04.2004
Den Zuschlag erhielt das Unternehmen schon im Februar.
RHEIN-ERFT-KREIS - Der Vertrag mit der Firma RWE Umwelt Rheinland
und dem Rhein-Erft-Kreis über die Entsorgung des Restmülls
ist unter Dach und Fach und nun wohl auch von der Konkurrenz nicht
mehr zu beanstanden. Bereits Anfang des Monats hatten Landrat Werner
Stump und Vertreter des Unternehmens die Urkunde unterzeichnet.
Klar war die Sache im Prinzip schon im Februar - nach einer nichtöffentlichen
Sondersitzung des Kreisausschusses. Dort hatten die Kommunalpolitiker
bei Enthaltung der SPD dem Vergabevorschlag der Verwaltung mehrheitlich
zugestimmt. Und die hatte sich dafür ausgesprochen, den Auftrag
an die RWE Umwelt zu vergeben, und das Unternehmen damit den drei
Mitbewerbern vorgezogen.
Europaweites Verfahren
Für den Kreis war die Sache damit im Februar allerdings noch
nicht in trockenen Tüchern. Denn das europaweite Verfahren
schreibt vor, dass die mitbietende Konkurrenz zunächst über
den Vergabebeschluss informiert wird. Dann haben die anderen Bieter
die Möglichkeit, den Beschluss bei der Vergabekammer der Kölner
Bezirksregierung auf Herz und Nieren prüfen zu lassen. Dafür
bleibt eine Frist von zwei Wochen. Noch länger verzögern
kann sich der endgültige Vertragsabschluss, wenn die Konkurrenz
nach einer Entscheidung der Vergabekammer den Weg zu den höheren
Gerichtsinstanzen wählt. Doch die Mitbieter nahmen die Entscheidung
des Kreises offenbar hin.
Angesichts des Vertragsabschlusses bis 2020 über ein Volumen
von 200 Millionen Euro sei bei RWE gefeiert worden, hieß es
aus dem Kreishaus. Bis zu 130 000 Tonnen jährlich wird RWE
im Auftrag des Kreises entsorgen - die Hälfte davon in den
Müllöfen Köln und Weisweiler. Die Deponie Haus Forst
bei Manheim wird dabei eine wichtige Rolle spielen und in nächster
Zeit zum Aufbereitungs- und Verladezentrum umgebaut.
Daneben will das Unternehmen Restmüll, der sich zur Aufbereitung
eignet, zu Ersatzbrennstoffen verarbeiten. (Kommentar Big BEN: Ersatzbrennstoffe
d.h. Müll der an Stelle von Braunkohle in den RWE-Kraftwerken
verbrannt werden. So werden aus Kraftwerken Müllverbrennungsanlagen,
ist doch auch toll....oder?! - Und es läßt sich auch
noch doppelt daran verdienen, einmal für die Müllentsorgung
und dann für seine Verstromung.)
"Wir haben hier Dreck wie jeck"
Kölner Stadt-Anzeiger
28.04.2004
Über die Staubbelastung in Elsdorf beschwerten sich Bürger
bei einer offenen Fraktionssitzung der CDU in der Festhalle.
ELSDORF - Hans-Joachim Bertrams, der neue Direktor des Tagebaus
Hambach, hatte keinen leichten Stand. "Wir haben hier Dreck
wie jeck", brachte ein Bürger auf den Punkt, was die Elsdorfer
Bevölkerung seit zwei Jahren nervt. "Beim großen
Sturm "Ginger" 2002 haben wir erstmals gemerkt, wie sehr
der Staub vom Tagebau in unsere Häuser getragen wird",
sagte Jürgen Schiffer, Fraktionsvorsitzender der CDU, der die
Veranstaltung moderierte. Seitdem rücke der Tagebau immer näher
an die Gemeinde und die Belastung steige.
"Wir haben schon in den 80er Jahren mit dem Emissionsschutz
begonnen", betonte Bertrams. Als der Tagebaudirektor erklärte,
dass es in Elsdorf auch staube, wenn der Wind nicht vom Tagebau
komme, weil die Industriegesellschaft Dreck verursache, lachten
die Bürger ihn aus. "Bei einer gewöhnlichen Wetterlage
haben wir den Staub im Griff", blieb Bertrams unbeirrt. Dennoch
versprach er, dass eventuelle Lücken bei der Staubbekämpfung
geschlossen und vorhandener Schutz ausgebaut würden.
Die Elsdorfer wollten sich damit nicht zufrieden geben. "Die
Beregnungsanlagen haben doch nur einen psychologischen Hintergrund",
behauptete Arnim Tolski, der sich nicht darauf einlassen wollte,
dass der Dreck auch aus anderen Quellen stammen könne. "Landwirtschaft
und Industrie haben wir schon lange, die Staubbelastung in dem Maße
erst seit zwei Jahren", sagte Tolski. Er forderte Schadensersatz,
der über einen "Armenpfennig" für den erhöhten
Wasserverbrauch hinausgehe. "Schließlich verlieren auch
unsere Häuser an Wert. Wer zieht denn hier noch hin?",
sagte der Angelsdorfer und erntete Beifall von den rund 250 Versammelten.
Heinz-Michael Erken, Leiter der Abteilung Emissionsschutz bei RWE
Power, hielt dagegen: "Wir liegen unter den erlaubten Richtwerten.
Das heißt, eine Belastung oder gar ein Schaden kann gar nicht
vorhanden sein." Das brachte Erken Buh-Rufe und Kopfschütteln
ein. "Das klingt nach Hohn", schaltete sich Schiffer ein,
"die Messstationen ermitteln nur Durchschnittswerte, die besondere
Belastung, unter der wir an einzelnen Tagen leiden, wird nicht erfasst."
Als Erken ausführte, dass der gesundheitsgefährdende Feinstaub
in Elsdorf so gut wie gar nicht vorkomme, sondern lediglich der
Schwebstaub, verließen einige Bürger demonstrativ den
Saal. Für heute, 19 Uhr, laden die Grünen zu einem Informationsabend
zum gleichen Thema ins Bürgerhaus Neu-Etzweiler, Irisweg 101,
ein.
Neue Aufregung bei RWE Power
Kölnische Rundschau
27.04.2004
RHEIN-ERFT-KREIS - Bergleute und Kraftwerker im rheinischen Revier
bangen wieder um ihre Jobs. Betriebsräte sind nach Informationen
der Kölnischen Rundschau empört über neue Pläne
des RWE-Power-Vorstandes. Es gebe Überlegungen, über die
Auftragsvergabe an Fremdfirmen erneut Arbeitsplätze in erheblichem
Umfang abzubauen.
RWE-Power-Sprecherin Stephanie Schunck verneint konkrete Absichten.
Seit März laufe allerdings eine Datenerhebung, bei der geschaut
werde, welche Arbeiten für ein so genanntes Outsourcing in
Frage kämen. Diese Erhebung sei ohne Wissen des Betriebsrates
gestartet worden. Dies stelle keinen Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz
dar, sagt Schunck. Der Vorstand räume allerdings ein, dass
der Zeitablauf im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit unglücklich
sei.
Der Gesamtbetriebsrat hatte am Rande einer Tagung in Haltern am
vergangenen Mittwoch von den Vorgängen erfahren und den Vorstand
ultimativ aufgefordert, "das Porjekt Outsourcing mit sofortiger
Wirkung zu stoppen". Aus der Chefetage war danach Entgegenkommen
signalisiert worden.
RWE-Power-Chef Gert Maichel kommt am Donnerstag, 29. April, um 10
Uhr zu einer Betriebsversammlung in die Erfthalle nach Frimmersdorf,
um die Wogen zu glätten. Dort will er Mitarbeitern der Kraftwerke
Frimmersdorf und Neurath erläutern, was bisher in Sachen Fremdvergabe
unternommen worden ist und welche Ziele verfolgt werden. Aufgeschreckt
durch das Thema, werden aber auch Kumpel aus den Tagebauen Hambach
und Garzweiler sowie Kraftwerker aus Niederaußem erwartet.
"Es geht um unsere Arbeitsplätze", ruft der Betriebsrat
zur Teilnahme auf.
Ist der unsichtbare Staub eine Gefahr?
Kölnische Rundschau
26.04.2004
ELSDORF - Im Mai 2000 hüllten schwere Sturmböen die Gemeinde
im Rhein-Erft-Kreis am Rand des Braunkohlentagebaus Hambach in eine
große Staubwolke. Der Staub aus dem Tagebau legte sich auf
Autos, Terrassen und Fensterbänke. Das hieß für
die Elsdorfer: putzen und immer wieder putzen. Staub aus dem Tagebau
waren sie schon gewohnt, aber nie war es so schlimm.
Der Bürgerprotest war massiv, und die RWE Power AG, Betreiberin
des Tagebaus, bemüht sich seither noch stärker, Staub
und Sand im Tagebau zu halten - mit Berieselungsanlagen, Begrünungen
und Kompost, der auf den Sohlen des Tagebaus verteilt wird. Doch
wenn es stürmt, kommt noch immer Sand aus dem Tagebau.
Was die Bürger so belästigt, ist der sichtbare Staub.
Aber was ist mit dem "unsichtbaren Staub", der nur einige
tausendstel Millimeter groß ist, in der Luft schwebt und eingeatmet
werden kann? Vor allem diese Feinstaubteilchen stehen im Verdacht,
Krankheiten zu verursachen, weil sie in die Lungen gelangen.
Eine Bürgerinitiative in Niederzier, im Kreis Düren auf
der anderen Seite des Tagebaus, und der BUND haben auf die möglichen
Gefahren hingewiesen. Erste Messungen des Landes in Niederzier zeigten,
dass der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm wiederholt überschritten
wurde. Das Landesumweltministerium beschloss deshalb in Elsdorf-Angelsdorf
eine zweite Messstation aufzustellen, die im Gegensatz zur Niederzierer
in der Hauptwindrichtung steht. Sie ist seit dem 1. April in Betrieb.
"Wir messen mindestens ein Jahr, weil wir eine zuverlässige
Datenbasis brauchen", so Jürgen Assmann vom Umweltministerium.
Laut Assmann haben Studien in den USA, die mit Männern gemacht
wurden, einen Zusammenhang von Feinstaub und Atemwegs- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen
gezeigt. Auch habe sich die Sterblichkeit etwas erhöht. "Das
Problem ist, wir kennen den Schwellenwert nicht, ab dem die Gesundheitsgefährdung
beginnt", erläutert Assmann.
Nach Angaben des Biophysikers Wolfgang Kreyling vom Forschungszentrum
für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg haben bisherige Forschungsstudien
nur die Wirkung der kleinsten Feinstaubteilchen untersucht und dies
nur in Ballungsräumen, wo es viel Verkehr und Industrie gibt.
An einem Tagebau seien aber eher größere Feinstaubteilchen
zu erwarten, so Kreyling. Werden an einer Messstation innerhalb
eines Jahres mehr als 35 Überschreitungen des Tagesgrenzwertes
registriert, wird das Ministerium einen Luftreinhalteplan aufstellen.
"Bei Überschreitungen Betrieb einstellen"
Es spricht dann mit den Verursachern, wie der Feinstaub verringert
werden kann. Der BUND fordert, den Betrieb des Tagebaus bei zu vielen
Überschreitungen einzuschränken, was RWE Power ablehnt.
Das Bergbauunternehmen, das auch die Tagebaue Inden und Garzweiler
betreibt, misst in Elsdorf seit Januar 2003 mit einer eigenen Station
den Feinstaub. "Wir hatten 2003 einen Jahresmittelwert von
25 Mikrogramm, das liegt unter dem Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm",
so RWE-Sprecher Manfred Lang. Über dem Grenzwert liegende Werte
seien auf überregionale Ereignisse zurückzuführen.
Das Unternehmen sieht keine Gefahr für die Bevölkerung.
RWE Power investiere jährlich mehr als 20 Millionen Euro in
allen Tagebauen in den Staubschutz.
Wie sich Feinstaub langfristig auswirkt, lässt das Land in
einer großen Studie im nördlichen Ruhrgebiet untersuchen,
die 2001 begonnen hat und an der 4800 Frauen und 2300 Kinder teilnehmen.
Die Studie wird dieses Jahr beendet, die Ergebnisse werden Anfang
2005 vorgestellt.
Politik gegen die Braunkohle?
Kölnische Rundschau
23.04.2004
RHEIN-ERFT-KREIS. Pläne des Landesumweltministeriums, die
auslaufende Genehmigung für die Einleitung von Sümpfungswasser
aus dem Tagebau Hambach in die Erft mit einer EU-Rahmenrichtlinie
zum Gewässerschutz zu verknüpfen, stößt im
Rhein-Erft-Kreis auf Empörung. Die Verknüpfung sei unzulässig,
der herbeigeführte Zeitdruck völlig willkürlich.
Bis Juni will das Ministerium eine "Zielvariante" festlegen,
die schon im Dezember genehmigungsreif sein soll.
In einem Schreiben an Ministerin Bärbel Höhn haben die
Verwaltungen des Rhein-Erft-Kreises und des Rhein-Kreises Neuss
gebeten, den Zeitplan noch einmal zu überdenken und Ziele frühestens
im kommenden Jahr zu formulieren.
"Wir sollten gleich noch einen Brief hinterher schicken, in
dem wir uns gegen unsinnige Investitionen wehren und gegen die erkennbare
Absicht, über die Rahmenrichtlinie Politik gegen die Braunkohle
machen zu wollen", forderte SPD-Sprecher Guido van den Berg
und fand damit volle Unterstützung bei CDU und FDP. Uwe Walter
(Grüne) verlor sich im Allgemeinen: Ein reiches Land wie Deutschland
könne sich optimalen Gewässerschutz leisten.
Ein Ende der Einleiterlaubnis in die Erft hätte für RWE
Power erheblich finanzielle Konsequenzen. Das Sümpfungswasser
müsste in den Kölner Randkanal umgeleitet, die Kühlung
der Kraftwerke auf eine neue Basis gestellt werden. Grundwasser
aus dem Tagebau muss bis 2045 abgepumpt werden.
RWE-Chef Roels steht Aktionären Rede und Antwort
Kölner Stadt-Anzeiger
15.04.2004
ESSEN - RWE-Chef Harry Roels steht heute (Donnerstag) den Aktionären
des Konzerns auf der Hauptversammlung in Essen Rede und Antwort.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003 hatte Deutschlands zweitgrößtes
Energieunternehmen (44 Mrd Euro Umsatz) den Betriebsgewinn um mehr
als 20 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro gesteigert. Aktionärsschützer
zeigten sich im Vorfeld des Treffens zwar zufrieden mit dem Geschäftsverlauf,
kündigten aber an, die Rolle der kommunalen Aktionäre
im Kontrollgremium zu hinterfragen.
RWE erwartet 2004 zweistelliges Gewinnplus
Kölner Stadt-Anzeiger
15.04.2004
Essen - Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE
hat seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2004 bekräftigt.
Beim Nettoergebnis erwarte das Unternehmen einen zweistelligen Zuwachs,
sagte Vorstandschef Harry Roels am Donnerstag bei der Hauptversammlung
in Essen. Roels stellte den Aktionären für die kommenden
Jahre eine höhere Dividende in Aussicht. Für 2003 soll
die Ausschüttung um 14 Prozent auf 1,25 Euro angehoben werden.
RWE erwartet 2004 kräftiges Gewinnplus.
Kölnische Rundschau
15.04.2004
Essen - Nach einer milliardenschweren Einkaufstour und Neuausrichtung
will der Energiekonzern RWE sich auf inneres Wachstum konzentrieren
und zeigen, was in ihm stecke. Das sagte Vorstandschef Harry Roels
am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Essen.
So peilt der zweitgrößte deutsche Energiekonzern im laufenden
Geschäftsjahr ein zweistelliges Plus beim Überschuss an
(2003: 953 Mio Euro). Roels bekräftige zugleich, dass sich
RWE von weiteren Nicht-Kerngeschäften trennen werde.
So konkretisiert sich inzwischen im Zuge der Konzentration der Geschäfte
auf die Sparten Strom, Gas und Wasser der Verkauf der Umweltsparte.
Die RWE Umwelt, die im vergangenen Jahr 1,9 Milliarden Euro Umsatz
erwirtschaftete, erfülle die Zielsetzungen nicht, begründete
Roels den Schritt. Derzeit arbeitet RWE in diesem Bereich an einer
Kostensenkung. "Wir sind zuversichtlich, dass wir das Unternehmen
ab 2005 mit angepassten Kostenstrukturen veräußern können",
sagte Roels.
Vor wenigen Wochen hatten sich die Essener von wesentlichen Anteilen
an dem Baukonzern Hochtief getrennt. Damit sei das Kapitel Bau endgültig
abgeschlossen. Auf der Verkaufsliste steht weiterhin die Heidelberger
Druckmaschinen. Mit der vollständigen Konzentration der RWE-Aktivitäten
in den USA auf das Wassergeschäft habe RWE zusätzlich
sein Profil geschärft. "Wir sind fokussiert, aber dennoch
breit genug aufgestellt", sagte Roels. Die RWE AG hatte 2003
mit insgesamt 127 000 Beschäftigten 43,8 Milliarden Euro Umsatz
erzielt.
Heftige Kritik erntete unterdessen der RWE-Aufsichtsrat von verschiedenen
Aktionärsvertretern. Dabei ging es unter anderem um die Rolle
der kommunalen Anteilseigner im Zusammenhang der Eingliederung der
RWE Gas in die neue Konzernstruktur. Der Vertreter der Deutschen
Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sprach von einer "kommunalen
Mafia".
Roels sprach zuvor von nicht einfachen Verhandlungen, wies aber
die Kritik zurück. Das RWE-Gas-Geschäft sei von allen
Aufsichtsräten einstimmig beschlossen worden.
RWE steuert ruhigeres Fahrwasser an.
Kölnische Rundschau
15.04.2004
ESSEN - Der Energieriese RWE steuert in ruhigeres Fahrwasser. Nach
milliardenschweren Zukäufen der vergangenen Jahre gab Vorstandschef
Harry Roels gestern vor den Aktionären in Essen "operative
Disziplin" als Motto für das laufende Jahr aus. Das Unternehmen
konzentriere sich auf organisches Wachstum. Dabei werde jeder Stein
umgedreht, um das Ergebnis zu verbessern. Die Schulden will der
Konzern 2005 auf unter 17 Milliarden Euro drücken.
Das betriebliche Ergebnis, das 2003 noch um 23 Prozent auf 5,55
Milliarden Euro geklettert war, soll im laufenden Jahr im einstelligen
Prozentbereich zulegen. Mittelfristig will der Konzern das betriebliche
Ergebnis um durchschnittlich fünf Prozent steigern. Und davon
sollen auch die Aktionäre profitieren. Nach einer Steigerung
um 14 Prozent auf 1,25 Euro pro Aktie soll es in Zukunft noch ein
bisschen mehr sein. "Wir streben an, die Ausschüttung
jährlich um durchschnittlich 15 Prozent zu erhöhen",
sagte Roels und bekam dafür viel Lob von Aktionärsvertretern.
Dabei belegte das Unternehmen bereits im abgelaufenen Jahr mit einer
Dividendenrendite von 3,2 Prozent je Stammaktie einen Spitzenplatz
unter den Dax-Titeln.
Roels bekräftigte seine Pläne zum Verkauf der Umweltsparte,
die nicht die Renditevorgaben des Konzerns erfüllt. Doch dies
sei nur der Anlass für die geplante Trennung, so Roels. Im
Zuge der Planung für die Konzernreorganisation habe sich herausgestellt,
dass es zwischen der RWE Umwelt und den anderen Kerngeschäften
Strom, Gas und Wasser nur geringe Synergien gebe. Durch Kostensenkungsprogramme
und die Trennung von Randaktivitäten soll die RWE Umwelt herausgeputzt
werden, so dass der Verkauf ab 2005 "zu für uns werterhaltenden
Bedingungen" erfolgen soll. Nach dem Verkauf der Mehrheitsbeteiligung
am Baukonzern Hochtief soll mit der Trennung von Heidelberger Druck
die Konzentration auf das Kerngeschäft abgeschlossen werden.
Lobende Worte fand Roels für den Kompromiss beim Emissionshandel.
Wenn das entsprechende Gesetz vorliege und die EU den Plan genehmigt
habe, könne RWE über Investitionen für neue Kraftwerke
entscheiden. Den Genehmigungsantrag für den Bau eines neuen
Kraftwerks in Grevenbroich etwa will der Konzern noch im Mai stellen.
Wo tiefe Löcher und große Bagger locken.
Kölner Stadt-Anzeiger
10.04.2004
Die Attraktivität des rheinischen Braunkohlereviers mit seinen
Tagebauen, den Kraftwerken und riesigen Baggern will der Rhein-Erft-Kreis
in Zukunft noch besser touristisch nutzen.
RHEIN-ERFT-KREIS - Wer sich im Ruhrgebiet über den Steinkohleabbau
und seine Geschichte informieren möchte, kann sich auf die
"Route der Industriekultur" machen. Eine ähnliche
industrietouristische Erschließung streben Denkmalpfleger
des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), Landrat Werner Stump, seine
Kollegen aus den Kreisen Düren und Neuss sowie Vertreter von
RWE Power an. Unter dem Namen "Energie-Erlebnis Rheinland -
Braunkohle und mehr..." wurde das Projekt im Bergheimer Kreishaus
vorgestellt.
Dr. Walter Buschmann vom LVR erklärte, welche Dinge es dabei
unter einen Hut zu bringen gilt. "Wir müssen die Bereiche
Tourismus, Braunkohle und Denkmalpflege so miteinander verbinden,
dass die Attraktivität des Reviers davon profitiert."
Die Einrichtung von sieben Kernpunkten wird daher in dem Konzept,
an dem auch Wissenschaftler der Uni Köln und der Fachhochschule
Bad Honnef mitgearbeitet haben, empfohlen.
So solle etwa das Paffendorfer Schloss, das derzeit als Informationszentrum
von RWE Power dient, in ein "Haus der Energie" verwandelt
werden. Dort könne dann die komplette Geschichte der Energiegewinnung
in der Region mit Fotos, altem Werkzeug oder Gerät dokumentiert
werden. Ein weiterer Kernpunkt ist das Kraftwerk Goldenberg. Dort
solle, dies führte Buschmann weiter aus, das neue zentrale
Besucherzentrum entstehen. In das Gesamtkonzept integriert sind
ebenfalls die beiden Kraftwerke Niederaußem und Weisweiler
sowie historische Kulturgüter wie Schlösser, Burgen und
Windmühlen.
(Kommentar Big BEN: Unzählige Schlösser und Burgen, Klöster,
Jahrhunderte alte Wälder, selbst ganze Ortschaften sind dem
Erftkreis durch die Bergbautätigkeit für immer verloren
gegangen - sie wurden einfach abgebaggert!)
Buschmann stellte klar, "dass wir hier attraktive Spitzentechnik
haben, die den Tourismus fördern kann". Die Tagebau-Erlebnisse
sollen dabei eine wichtige Rolle spielen. Da es nicht möglich
ist, jederzeit in die Tagebaue Inden, Hambach und Garzweiler hineinzufahren,
empfehlen Stump und Buschmann, die Aussichtspunkte für Besucher
deutlich attraktiver zu gestalten. So solle ihr Erlebniswert dadurch
gesteigert werden, dass dort etwa Klettergerüste aus alten
Tagebaugeräten aufgestellt, Ferngläser für die Besucher
zur Verfügung gestellt und Abenteuerspielplätze für
Kinder errichtet würden.
Wie hoch die Attraktivität der tiefen Löcher und der großen
Bagger ist, belegten Zahlen von RWE Power. Denn das Bergbauunternehmen
fährt nach eigenen Angaben zu Besichtigungen jährlich
40 000 Menschen durch die drei Tagebaue. Und noch viel mehr Menschen
seien interessiert: Das Informationszentrum im Paffendorfer Schloss
werde jährlich sogar von über 80 000 Besuchern angefahren.
Geplant ist nun, umfangreich für das Projekt zu werben. Aktionstage
mit dem Bergbauunternehmen sollen stattfinden, zudem sind Kunstausstellungen,
Konzerte sowie Fotowettbewerbe und -ausstellungen geplant. Möglich
sei schließlich die Errichtung eines eigenen Internetportals.
Um die weitere Finanzierung des Projektes sicherstellen zu können,
muss es allerdings gelingen, dass das "Energie-Erlebnis Rheinland"
in das Konzept der Regionale 2010 einbezogen wird. Diese Initiative
der Landesregierung hat zum Ziel, regionale Infrastrukturen zu fördern
und zur Stärkung der regionalen Wirtschaftsstandorte beizutragen.
Bislang, so Landrat Stump, sei das "Energie-Erlebnis Rheinland"
mit 225 000 Euro vom Land unterstützt worden. "Ich habe
aber keine Zweifel, dass die Landesregierung unsere Sache sehr wohlwollend
betrachtet", ist Walter Buschmann optimistisch.
(Kommentar Big BEN: Kein normal denkender Mensch kann wirklich daran
glauben, daß riesige, staubende Tagebaue und monströse
Kraftwerksbauten deren gewaltige Kühlturmschwaden den Himmel
verdunkeln, den Rhein-Erft-Kreis attraktiver machen. Unsere Kinder
brauchen keine "Abenteuerspielplätze" mit Kraftwerksschrott
- sie brauchen saubere Luft und ein lebenswertes Umfeld).
Neues BoA rückt ein Stück näher
Stadt-Anzeiger Kölner
31.03.2004
Die Politiker und das Unternehmen RWE Power reagieren unterschiedlich
auf den Kompromiß zum Emissionshandel.
RHEIN-ERFT-KREIS - "Die Zukunft der Braunkohleverstromung
ist gesichert", sagte der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion,
Hardy Fuß, zum Kompromiß im Streit um die Umsetzung
des Emissionshandels in der EU. Knackpunkt war bislang die Frage,
wie viel Kohlendioxid (CO) die deutsche Industrie kurz- und mittelfristig
die Luft blasen darf. Nach dem Kompromiß darf die Industrie
nun bis 2007 jährlich 503 Millionen Tonnen CO ausstoßen,
bis 2012 noch 495 Millionen Tonnen jährlich. Das Kraftwerkserneuerungsprogramm
von RWE Power sei damit "nicht negativ betroffen", teilt
Fuß mit.
Der neue Power-Vorstandschef, Dr. Gert Maichel, sagte, der Kompromiß
biete nach erstem Eindruck ein "sachgerechte Lösung"
für Investitionen in moderne Kraftwerke. Eine konkrete Zusage
für den Bau eines weiteren BoA-Kraftwerks in Neurath könne
man aber erst geben, wenn die Emissionsmenge tatsächlich feststehe.
Auch der Vorsitzende des Power-Gesamtbetriebsrats, Erwin Winkel,
und sein Kollege Harald Könen (Kraftwerk Niederaußem)
reagierten zurückhaltend. Winkel hält eine Bauentscheidung
für Neurath dann für fällig, wenn das "Kleingedruckte
keine Pferdefüße mehr enthält". Auch der Chef
der Kreis-CDU, Michael Breuer, gab sich zurückhaltend. Ihm
kommt es jetzt ebenfalls auf die genauen Ausführungsbestimmungen an.
Kritik kommt dagegen von den Grünen. Kreis-Fraktionssprecherin
Doris Lambertz sagte, Wirtschaftsminister Clement habe sich als
Lobbyist der Wirtschaft gegen Umweltminister Trittin durchgesetzt.
"Aktiver Klimaschutz sieht anders aus."
RWE sichert Bau neuer Kraftwerke zu.
Kölnische Rundschau
30.03.2004
DÜSSELDORF / BERLIN. Nach dem rot-grünen Kompromiss zum
Klimaschutz hat RWE grünes Licht für das milliardenteure
Kraftwerks-Erneuerungsprogramm im Braunkohlerevier signalisiert.
RWE-Vorstand Gert Maichel betonte, der Energiekonzern fühle
sich an frühere Zusagen gebunden und sei optimistisch, "Milliardenbeträge
zu investieren". In den nächsten Monaten soll die endgültige
Entscheidung über den Bau eines zwei Milliarden Euro teuren
Doppelblocks in Neurath (Kreis Neuss) fallen. Außerdem plant
RWE für die nächsten Jahre drei weitere Boa-Kraftwerke
im Rheinland.
Gestern Morgen hatten sich Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement
(SPD) und Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) nach fünfstündigen
Verhandlungen auf einen Kompromiss über den Handel mit Verschmutzungsrechten
der Industrie geeinigt. Er sieht vor, dass die deutsche Industrie
zwischen 2005 und 2007 insgesamt 503 Millionen Jahrestonnen Kohlendioxid
ausstoßen darf. Im Jahr 2002 waren es 505 Millionen Tonnen.
Von 2008 bis 2012 sollen die Emissionen dann auf 495 Millionen Jahrestonnen
gesenkt werden. Clement setzte Sonderrechte für die energieintensiven
Branchen Stahl, Glas, Keramik und Zement durch. Minister Trittin
hatte ursprünglich gegen erbitterten Widerstand der Industrie
eine Absenkung auf 488 Millionen Jahrestonnen verlangt. NRW-Ministerpräsident
Peer Steinbrück begrüßte die Einigung und dankte
Minister Clement, der erfolgreich für die Arbeitsplätze
in NRW gekämpft habe. NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn
räumte ein, dass Trittin sein ursprüngliches Ziel nicht
erreicht habe.
Industrie, Gewerkschaften und CDU / CSU begrüßten die
Einigung ebenfalls. Scharfe Kritik kam von den Umweltverbänden
BUND und WWF, die in der Vereinbarung zu geringe Anreize
für klimafreundliche Investitionen sehen.
KOMMENTAR: Sieger? Gesiegt hat hier niemand.
Kölnische Rundschau
30.03.2004
So viel Gezeter für so wenig.
Der so genannte Kompromiss zum Emissionshandel hat ein wochenlanges
Gezerre und eine stundenlange Nachtsitzung im fast menschenleeren
Kanzleramt gebraucht. Ein Kompromiss (also "Ausgleich")
ist das freilich nicht, denn der setzt per definitionem eine Annäherung
etwa in der Mitte voraus.
Nun ist aber Trittin um 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid von seiner
ursprünglichen Forderung abgewichen, Clement um ganze zwei.
Damit wahrt der Ex-Regierungschef des Industrielandes NRW sein Gesicht,
denn Kompromisse wollte er ja nicht eingehen, aber wegen zwei Millionen
Tonnen CO 2 muss ja keiner zurücktreten.
Clement sieht sich als Sieger, Trittin will nicht verloren haben.
Die Industrie sieht ihre Beschäftigten als Gewinner und die
sich selbst auch. Der aktuelle NRW-Ministerpräsident Steinbrück
sagt Clement Danke, denn er will die Wahl in NRW nicht verlieren.
Es mag ein Kalauer sein, aber das alles ist bloß heiße
Luft, und gewonnen hat niemand.
Zur Einordnung dieser zur industriepolitischen Weichenstellung ersten
Ranges hochgeputschten Vereinbarung in Berlin sei folgendes gesagt:
Statt der zuletzt in Rede stehenden Reduktion des CO 2-Ausstoßes
um 1,2 Prozent haben wir nun zunächst 0,4 Prozent, um nach
2007 dann gleich mit zwei Prozent zuzuschlagen. Das macht in natürlichen
Zahlen keinen entscheidenden Unterschied aus, auch wenn es den Investitionsbedarf
streckt. Wichtiger für die plötzlich leichtherzige Zustimmung
der Industrie ist denn auch der "Parlamentsvorbehalt",
unter dem die Regelung steht. Unter einer Unions-FDP-Mehrheit ab
2006 kann das Ganze dann nämlich wieder gekippt werden - und
wird es vermutlich auch.
Weltweit ist übrigens der CO 2-Ausstoß im vergangenen
Jahr auf über 18 Milliarden Tonnen gestiegen, weit deutlicher
als erwartet, von Reduktion kann keine Rede sein. Staaten wie die
USA, China, Indien, die fast die Hälfte der Weltbevölkerung
beherbergen, kümmern sich eh nicht ums Kyoto-Protokoll. Sollen
wir uns wirklich noch so abrackern, nur um extreme Wetterereignisse
wie anhaltend heiße, super-trockene Sommer wenigstens noch
zu mildern? Ach ja, der vergangene Sommer hat wegen Ernteverlusten,
hohen Wasser- und Energiekosten etc. geschätzte zehn Milliarden
Euro gekostet. Das nur nebenbei.
Totenkopf im Kraftwerksdampf
Kölner Stadt-Anzeiger
27.03.04
RWE kontert: "BoA ist ein Musterbeispiel für effizienten
Klimaschutz."
BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - In den Dampfschwaden über dem Niederaußemer
Kraftwerk tauchte am Freitag kurz nach Mitternacht ein schemenhafter
Totenkopf auf. Auf den 200 Meter hohen Kühlturm des BoA-Blocks
projizierten Greenpeace-Aktivisten zeitgleich den Spruch "Kohle-Clement
zerstört unser Klima". Greenpeace erklärte dazu:
"Niederaußem stößt jährlich rund 30 Millionen
Tonnen Kohlendioxid aus - so viel wie der ganze Staat Neuseeland."
RWE-Power-Sprecherin Stephanie Schunck wies das zurück: "Es
sind mindestens fünf Millionen Tonnen weniger. Greenpeace hat
sich das falsche Ziel ausgesucht. BoA ist ein Musterbeispiel dafür,
wie man auf effiziente Weise Klimaschutz betreiben kann." Gegenüber
der alten Technik spare BoA jährlich drei Millionen Tonnen
Kohlendioxid ein.
Greenpeace fürchtet Überschwemmungen und Dürren durch
den Klimawandel: "Wirtschaftsminister Wolfgang Clement möchte
den Ausstoß von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken und Fabriken
künftig noch erhöhen." Wenn SPD-Mann Clement sich
im Ringen um die Emissionszertifikate gegen seinen Ministerkollegen
Jürgen Trittin (Bündnis 890 / Die Grünen) durchsetze,
drohe Deutschland sein Klimaschutzziel von der Reduktion von Treibhausgasen
um 21 Prozent bis 2012 zu verfehlen. Falls die Industrie zu viele
Zertifikate erhalte, gebe es keinen Anreiz mehr, in effizientere
Kraftwerke zu investieren. Greenpeace hält Braunkohlekraftwerke
sogar in ihrer modernsten Form für - so wörtlich - "die
reinsten Kohlendioxid-Schleudern". Erneuerbare Energien würden
zudem mehr Arbeitsplätze schaffen.
RWE Power sagte dazu: "Im Gegensatz zu Kernkraftwerken stoßen
konventionelle Kraftwerke Kohlendioxid aus. Auch in unserem Energiemix
werden regenerative Energieformen zunehmen. Sie können aber
im Grundlastbereich der deutschen Energieversorgung die herkömmlichen
Techniken nicht ersetzen. Außerdem sichert unser Energiemix
ein akzeptables Preisniveau." Anzeige gegen Greenpeace sei
nicht erstattet worden, da nichts zerstört worden sei. Außerdem
hätten die Aktivisten sich friedlich verhalten, sagte die Firmensprecherin.
Nach einer halben Stunde sei der Spuk vorüber gewesen.
Klare Worte für die Kraftwerker.
Kölnische Rundschau
19.03.2004
BERGHEIM - "Schon Luther sagte: Tritt laut auf, rede laut,
aber höre auch bald wieder auf." Peer Steinbrück
(SPD), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, hielt sich
nicht ganz an seine Vorgabe, sondern plauderte gestern bei der Betriebsräteversammlung
der RWE Power AG in der Tennishalle Niederaußem etwas länger.
Doch dafür hatte er für die rund 1000 Beschäftigten
aus verschiedenen Unternehmen ein paar klare Worte parat.
Kraftwerkserneuerung und Emissionshandel - das waren die Themen,
bei denen Steinbrück RWE Power die Unterstützung der Landesregierung
zusagte. "Ich werde alles dafür tun, dass wir möglichst
bald die Grundsteinlegung für BoA II in diesem Revier zustande
bringen", sagte Steinbrück. Und mit Blick auf den ab 2005
geplanten Handel mit Zertifikaten zum Ausstoß von Kohlendioxid
fügte er hinzu: "Es kann nicht sein, dass ein Gas- und
Dampfturbinenkraftwerk, das naturgemäß einen geringeren
Schadstoffausstoß hat, der Maßstab auch für Kraftwerke
anderer Energieträger sein soll."
Es mache auch keinen Sinn, Kohlenkraftwerke einfach durch Gaskraftwerke
zu ersetzen. Die Unternehmen der Kohleindustrie brauchten vielmehr
Planungssicherheit und eine ausreichende Zuteilung von Emissionsrechten,
dann könne auch in moderne Technik investiert werden. Und das
diene dann nicht nur dem Klimaschutz, so Steinbrück, sondern
auch noch der Sicherung von Arbeitsplätzen.
Die Pläne von Bundesumweltminister Jürgen Trittin, Gaskraftwerke
im Emissionshandel günstiger zu stellen als Kohlenkraftwerke,
würden nordrhein-westfälischen Anforderungen nicht gerecht.
"Wir setzen alles daran, diesen Entwurf vor einer Meldung an
die EU-Kommission in Brüssel zu ändern", sagte Steinbrück.
In der Tennishalle fand Steinbrück dankbare Zuhörer. Applaus
gab es nicht nur von Kraftwerkern, Kumpels und Anlagenbauern, sondern
auch von Steinbrücks Parteifreunden. SPD-Kreisparteichef Guido
van den Berg, Europa-Kandidat Hans-Peter Lafos und Landratskandidat
Bernhard Hadel hatten morgens um fünf vor den Kraftwerkstoren
Flugblätter verteilt, die sich "gegen den Ausstieg aus
der Verstromung von Braun- und Steinkohle" wendeten.
Gastgeber Erwin Winkel, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei
RWE Power, hatte vor Steinbrücks Rede daran erinnert, dass
Bundeskanzler Schröder in Niederaußem im Wort stehe:
Bei der Inbetriebnahme des ersten Blockkraftwerks mit optimierter
Anlagentechnik (BoA) vor anderthalb Jahren habe er zugesagt, dass
es für RWE Power keine zusätzliche Belastung durch den
Emissionshandel geben werde.
Und der Vorstandsvorsitzende von RWE Power, Berthold Bonekamp, erneuerte
die Position seines Unternehmens, die milliardenteuren Pläne
für den Bau weiterer BoA-Blöcke auf Eis zu legen, wenn
es bei den Zusatzbelastungen für die Kohleverstromung bleibe.
"Der Genehmigungsantrag für Boa bleibt in der Schublade",
sagte der gesundheitlich angeschlagene Bonekamp, der seine Rede
abbrechen musste.
Der Bürgerprotest gegen die Erweiterung des Niederaußemer Kraftwerks
ging hingegen fast völlig unter. Wacker hielten die Niederaußemer ihr
Transparent hoch: "Hier keine BoA-Konzentration".
RWE legt BoA-Pläne auf Eis.
Kölner Stadt-Anzeiger
27.02.2004
Das Genehmigungsverfahren sollte ursprünglich am 1. März
beginnen.
RHEIN-ERFT-KREIS - Die Pläne für den Bau eines zweiten
Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Grevenbroich-Neurath
werden nicht, wie nach Angaben von RWE vorgesehen, Anfang März
zur Genehmigung bei den Behörden eingereicht. RWE wird die
Anträge zunächst zurückhalten, sagte Konzernchef
Harry Roels gestern auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens
in Essen. Wenn die Pläne von Umweltminister Jürgen Trittin
zum Handel mit Schadstoffemissionen umgesetzt werden sollten, dann
"würden wir aus Kostengründen keinen Euro mehr in
neue Kohlekraftwerke in Deutschland investieren", so Roels.
Damit liegen die Milliarden-Investition zunächst auf Eis, "weil
es keine Investitionssicherheit gibt". Im Gegensatz zur Bundesregierung
entstünde durch Trittins Pläne zur nationalen Umsetzung
des EU-Schadstoffhandels eine zu große wirtschaftliche Belastung
etwa für die Braunkohle. Trittins Pläne seien "ein
Förderprogramm für die Gasverstromung". Roels kritisiert
den Umweltminister, weil er den Schadstoffausstoß von Gaskraftwerken
zum Maßstab für die Abgabe auf CO-Emissionen mache. Der
Konzernchef machte aber deutlich, dass er auf die Zusage der Regierung,
die den jeweils besten Stand der Technik für jeden Energieträger
einzeln berücksichtigen will, vertraue. "Nur unter diesen
Voraussetzungen können wir über den Bau neuer Kraftwerke
entscheiden."
Für Gesprächsstoff sorgte gestern schon der geplante Wechsel
im Vorstand von RWE Power. Für Berthold Bonekamp soll Dr. Gert
Maichel zum 1. April die Führung des Unternehmens, zu dem die
Braunkohletagebaue und die Kraftwerke im Revier gehören, übernehmen.
Nein bedeutet keine Absage.
Kölner Stadt-Anzeiger
07.02.2004
Die Bürgerinitiative freut sich über einen "erfolgreichen
Zwischenschritt".
BERGHEIM / KÖLN - Das Verfahren zur Erweiterung des Niederaußemer
Kraftwerkgeländes wird nicht eröffnet. Das beschloß
der Regionalrat am Freitag den 06.02.04 mit Stimmen von CDU und
Grünen gegen SPD und FDP. Gleichzeitig stellte Regionalrats-Vorsitzender
Gerhardt Lorth (CDU) klar: "Es gibt keine Fraktion, die das
Kraftwerkserneuerungsprogramm von RWE Power in Frage stellt. Es
gibt hinreichend plangesicherte Bereiche für weitere BoA-Blöcke."
Auch Regierungspräsident Jürgen Roters appellierte an
die Mitglieder: "Unabhängig von dieser Abstimmung tragen
wir eine gemeinsame Verantwortung. Das Kraftwerkserneuerungsprogramm
umzusetzen ist eines der größten Investitionsvorhaben
unseres Landes."
CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Götz kritisierte, die Sorgen
der Anwohner seien vom Kraftwerksbetreiber nicht ausreichend berücksichtigt
worden. Die CDU vermiest einen Zeitplan zu Abschaltung und Abbruch
der alten Blöcke und zu Ort und Zeit von neuen BoA-Projekten:
"Wir sind seit einem Jahr keinen Schritt weiter gekommen."
Bisher seien BoA-Blöcke nur in Niederaußem und Neurath
geplant. Als nächstes soll ein Doppelblock in Neurath entstehen.
In Niederaußem südlich der Landstraße 279 sind
drei weitere BoA-Blöcke vorgesehen, von denen der erste laut
RWE Power frühestens 2014/15 ans Netz geht.
Für die SPD nahm der Bergheimer Hans Peter Wolle Stellung.
Er sprach sich dafür aus, in das Änderungsverfahren des
Gebietsentwicklungsplanes einzusteigen. Die Interessen aller beteiligten
Gruppen könnten innerhalb dieses Verfahrens abgewogen werden.
Dass die CDU ein solches Verfahren verhindere, sei "keine sachgerechte
Entscheidung" und "außerordentlich peinlich".
Dabei habe RWE Power schon weit reichende Erklärungen abgegeben,
etwa darüber, dass keine Konzentration von Kraftwerksstandorten
geplant sei, Kohlemengen begrenzt würden und ein Gutachten
über mögliche Verschattungen von Orten gemacht würde.
Der Grüne Horst Becker hielt hingegen die Informationen von
RWE Power keineswegs für ausreichend: "Aus Sicht der Bevölkerung
muss klar sein, welche Anlagen entstehen und welche ersetzt werden.
Und es muss klar sein, wann das geschieht." Es gelte zu untersuchen,
ob RWE Power plane, höhere Strommengen zu verkaufen.
Rudolf Fink (FDP) widersprach. RWE Power habe die Fragen ausreichend beantwortet:
"Weitere können innerhalb des Verfahrens beantwortet werden."
Es sei wichtig, "dass möglichst bald Planungssicherheit
besteht".
Joachim Gille von der Bürgerinitiative Big Ben freute sich:
"Wir sind zufrieden, aber das war nur ein Zwischenschritt."
Er applaudierte auf der Besucherempore laut für einen Beitrag
von Professor Erhard Möller von der CDU-Fraktion. Der erklärte:
"Natürlich ist es theoretisch möglich, innerhalb
eines formellen Verfahrens viele Dinge zu klären. Aber die
Erfahrung vor Ort widerspricht dem, denn normalerweise wird zunächst
grundsätzlich eine Klärung herbeigeführt. Im Verfahren
selbst werden nur noch Kleinigkeiten geklärt." Möller
gab weiter zu bedenken, dass alte Anlagen später womöglich
dazu benutzt werden könnten, um Abfall zu verbrennen.
Joachim Gille und Walter Winkelius entrollten im Sitzungssaal der
Bezirksregierung ein Plakat der Bürgerinitiative Big Ben.
Vesper staunt über BoA.
Kölnische Rundschau
06.02.2004
KÖLN / BERGHEIM - Während gestern Morgen in Niederaußem
prominente Landesgrüne ihre Aufwartung im Braunkohlenkraftwerk
mit optimierter Anlagentechnik (BoA) machten, lehnten ihre Parteifreunde
im Regionalrat zusammen mit der CDU die Einleitung des Verfahrens
zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans ab. Vorerst werden
also in Niederaußem keine neuen Flächen für weitere
Kraftwerksblöcke reserviert.
NRW-Bauminister Michael Vesper zeigte sich beim Besuch im BoA-Block
mit den Erweiterungsplänen nicht vertraut. Vesper staunte:
"Wir haben von hier aus nicht nur den Kölner Dom gesehen,
sondern auch diese beeindruckende Kraftwerkstechnik."
(Kommentar Big BEN: Hr. Vesper hat dabei leider die Dörfer
im Umfeld des Kraftwerks übersehen - das kann bei soviel "Weitblick"
schnell passieren, er sollte aber nicht vergessen das hier auch
Menschen wohnen - Menschen die unter der Belastung des Kraftwerks
leiden. Übrigens waren diese Dörfer schon vorher da, manche
über tausend Jahre früher. Das Kraftwerk wurde an bzw.
zwischen die Dörfer Auenheim, Niederaußem und Rheidt-Hüchelhoven
gebaut und nicht umgekehrt.)
Reiner Priggen, der energiepolitische Sprecher der Grünen in
der Landtagsfraktion, sprang für den Minister bei der Frage
ein, die den Bürgern vor Ort unter den Nägeln brennt:
"Als wichtige Versorgungsgrundlage sehen auch die Grünen
die Braunkohleverstromung", sagte Priggen, aber auch: "5
Blöcke sind nicht nötig."
Priggen: Ob es allerdings nötig sei, einen Riegel von vier
bis fünf neuen BoA-Kraftwerken zu errichten, bezweifle er:
"Es müsste sich eine vernünftigere Lösung finden
lassen."
Die Vorstandsmitglieder Dietrich Böcker und Johannes Lambertz
sowie Kraftwerksleiter Theo Tippkötter begleiteten den Besuch
beim Rundgang. Sie hörten gern, dass Vesper der Braunkohlenverstromung
Zukunft einräumt: "Wir wollen, dass die Kraftwerksentwicklung
hier weitergeht."
Die RWE-Vertreter befürchten jedoch, Kohlenkraftwerke könnten
zu teuer werden, wenn die EU-Politik sie über den Emissionshandel
im Vergleich mit Gaskraftwerken benachteilige. Dann werde sich RWE
Power eventuell aus der Braunkohlenverstromung zurückziehen,
sagte Lambertz.
Das würde sich die Bürgerinitiative gegen die Erweiterung
des Kraftwerksstandortes "Big BEN" gar nicht wünschen,
aber sie feierte den Beschluss des Regionalrates in Köln. Sprecher
Hans-Joachim Gille: "Der Antrag ist vom Tisch."
Kein RWE-Zeitplan.
Kölnische Rundschau
03.02.2004
KÖLN / BERGHEIM - Die CDU-Mehrheit im Regionalrat Köln
will einen Antrag der RWE Power AG zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes
(GEP) im Bereich Bergheim-Niederaußem erneut ablehnen. Die
Änderung wäre notwendig, um weitere Braunkohlen-Kraftwerksblöcke
mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Niederaußem auf neuem
Gelände bauen zu können.
Da das Unternehmen zurzeit kein Gesamtkonzept und keinen zeitlichen
Ablauf für das Kraftwerkserneuerungsprogramm und den Abriss
der Altanlagen vorlegen könne, sei "auch die zwingende
Notwendigkeit der Einleitung eines GEP-Änderungsverfahrens"
nicht nachgewiesen, schreibt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Regionalrat,
Stefan Götz. Hinreichende Planungssicherheit habe RWE Power
durch die vorhandenen Kraftwerksstandorte.
RWE Power sieht sich in einer neunseitigen Erklärung außerstande,
derzeit einen exakten Zeitplan vorzulegen.
Der Regionalrat tagt am Freitag, 6. Februar, um 10.30 Uhr im Gebäude
der Bezirksregierung Köln.
CDU: Neue Blöcke nur bei Abbruch.
Kölner Stadt-Anzeiger
03.02.2004
Die CDU-Fraktion will am Freitag im Regionalrat gegen die Erweiterung
des Kraftwerksgeländes in Niederaußem stimmen.
BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - Zwar unterstützt die CDU, die im
Regionalrat die absolute Mehrheit hat, grundsätzlich das Kraftwerkserneuerungsprogramm
von RWE Power. Es sei jedoch im Einzelfall zu prüfen, "wie
die Belastung für die betroffenen Bürger in einem vertretbaren
Rahmen gehalten werden kann", teilte Fraktionsvorsitzender
Stefan Görtz gestern mit. Die BoA-Blöcke sollten dezentral
auf das Braunkohlerevier verteilt werden, sagt die CDU: "Das
bedeutet, dass auch eine entsprechende Planung zu Neubau, Stilllegung
und Abriss für alle vier Standorte - Neurath, Frimmersdorf,
Niederaußem und Weisweiler zwingend vorgelegt werden muss."
Neue BoA-Blöcke sollen nur da gebaut werden, "wo durch
Abriss alter Anlagen Freiflächen für Neuerrichtungen entstehen",
schlägt die CDU vor. Deshalb wird die Einleitung eines Gebietsentwicklungsplan-Änderungsverfahrens
am Standort Niederaußem "zum jetzigen Zeitpunkt"
abgelehnt.
Der erste BoA-Block steht bereits in Niederaußem, die Blöcke
II und III sollen in Neurath errichtet werden. Im Gegenzug sollen
zwölf 150-Megawatt-Blöcke in Frimmersdorf stillgelegt
und abgebrochen werden, schreibt die CDU: "Im Hinblick auf
die Dezentralisierung wäre es daher auch möglich, an dem
bestehenden Kraftwerksstandort Frimmersdorf die BoA-Blöcke
IV und V zu errichten." Von den dann noch in der Planung verbleibenden
fünf BoA-Blöcken sollen laut CDU zwei weitere in Neurath
gebaut werden: "Die restlichen müssten sich dann auf Weisweiler
und Niederaußem verteilen." Für Niederaußem
bedeute das nach Auffassung der Christdemokraten, dass entweder
keine drei zusätzlichen erforderlich sind oder "aufgrund
der geänderten zeitlichen Abfolge diese Blöcke auf dem
bestehenden Kraftwerksgelände errichtet werden können",
weil auch dort im Laufe der Zeit alte Kraftwerksblöcke vom
Netz genommen und abgebaut werden sollen.
|