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Mehrere Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid schickt ein großes
Kohlekraftwerk jährlich in die Atmosphäre. Ein Weg die Emissionen zu senken ist es,
bei gleichbleibendem Kohleeinsatz, Kraftwerke mit immer höherem Wirkungsgrad zu
entwickeln, die den Brennstoff besser ausnutzen.
Viel weiter noch geht die Vision von einer "abgasfreien" Kohleverstromung. Das bei der
Verbrennung unweigerlich entstehende Kohlendioxid soll aufgefangen und tief unter der
Erde oder dem Meeresgrund gespeichert werden, zum Beispiel in leeren Erdöl- oder
Erdgasspeichern oder in Salzwasser führenden Gesteinsschichten.
Von den deutschen Kraftwerksbetreibern haben RWE und Vattenfall Europe
angekündigt, CO2-freie Kohlekraftwerke errichten zu wollen.
Zwar bedeutet dieses Verfahren auf den ersten Blick einen Zugewinn für die Luftreinhaltung,
man muss aber die gesamte Prozesskette anschauen. Dabei zeigt sich, dass das Absondern des
CO2 sehr viel Energie kostet und mit erheblichen Wirkungsgradeinbußen verbunden ist,
es muss also mehr Kohle verbrannt werden.
Außerdem ist nicht klar, wie sich das Kohlendioxid auf Dauer im Untergrund verhalten wird.
Immerhin besteht die Gefahr des allmählichen Ausgasens und das würde den klimapolitischen
Effekt dieser CO2-freien Kraftwerke womöglich unbemerkt zunichte machen. Weit gefährlicher
noch als das allmählichen Ausgasen des gespeicherten Kohlenstoffdioxids wäre ein plötzliches
zutage treten. Dadurch würden hohe CO2-Konzentrationen erreicht werden, die erstickend wirken.
All das erschwert die Suche nach geeigneten Lagerstätten, denn der sichere Verbleib des Gases
muss natürlich gesichert sein.
Die unterirdischen Speicher müssen langfristig und aufwändig auf mögliche Leckagen überwacht
werden. Mit der Technologie der Klimagas-Abtrennung wird die Verantwortung kommenden
Generationen aufgebürdet.
Im Kampf gegen die Klimakatastrophe wollen Konzerne und Politiker CO2 unterirdisch
verklappen. Viele preisen die Technik als Rettung - doch tatsächlich ist sie noch weit
von der Marktreife entfernt. Und kommt möglicherweise zu spät.
Wieso CO2 nicht einfach zu vergraben ist, (PDF-Datei 100KB)
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In 2005 hält RWE CO2-Abscheidungstechnologien und somit das "CO2-freie Kraftwerk"
noch für eine Vision die erst jenseits 2020 machbar scheint. Doch schon im Herbst 2008 sieht man das bei RWE
vollkommen anders und verkündet euphorisch den Bau eines Braunkohlekraftwerk mit CO2-Abscheidung in Hürth bei
Köln.
Nach RWE Angaben soll das Kraftwerk mit 450 Megawatt Bruttoleistung bereits Ende 2014 fertiggestellt sein.
Etwa 90 Prozent des im Kraftwerksprozess entstehenden CO2 könnten abgetrennt werden. Aufgrund des hohen
Eigenverbrauchs des Kraftwerks (ca. 120 Megawatt) wird dessen Nettowirkungsgrad unter 40% liegen.
Das anfallende CO2 soll mittels einer 500km langen Pipeline quer durch Deutschland bis nach Schleswig Holstein
verpumpt und dort in den Boden verpresst werden. Ein höchst umstrittenes Vorhaben, in Norddeutschland will man
den "CO2 Müll" aus NRW nicht haben.
CO2 freies BKW Hürth in den Medien, (PDF-Datei 1,0MB)
Sammlung von Medienberichten zum RWE Vorhaben.
DER STERN wußte es bereits im Mai 2008, lange vor der offiziellen Bekanntgabe.
CO2 freies BKW Hürth, (PDF-Datei 43KB)
RWE Presseinformation zum CO2 freien Kraftwerk vom 29.08.2008.
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Innovationen zur Klimavorsorge: Horizonte
Auszug aus einer in 2005 erschienenen RWE-Informationsschrift:
"Power Perspektiven 2005"

Abscheidung und Speicherung derzeit noch zu teuer
Die Option einer weiteren Reduzierung der CO2-Emissionen über die Effizienz-
steigerung hinaus kann möglicherweise durch Technologien zur Abscheidung und
Speicherung von CO2 entwickelt und großtechnisch eröffnet werden.
In den letzten Jahren wurden verstärkt solche Technologien für den Einsatz im Kraftwerksbereich
untersucht. Die Abtrennungsprozesse, die bereits in Raffinerien eingesetzt wurden, sind ein
möglicher Technologiepfad zur CO2-Abtrennung in konventionellen Kraftwerken.
Parallel dazu wird die Verbrennung mit reinem Sauerstoff, der entweder in einer
Luftzerlegungsanlage erzeugt oder durch geeignete Membrantechnik einem Gas-
gemisch entnommen wird, auf Laborebene entwickelt.
Bei diesem - auch als Oxyfuel bekannten - Prozess besteht das Rauchgas nach Kondensation
des Wasserdampfanteils nahezu vollständig aus CO2.
Die Einhaltung der Temperatur in der Brennkammer des Dampferzeugers erfolgt durch
Rauchgasrezirkulation. Bei Wirbelschichtanlagen kann die Temperatur teilweise durch
geeignete Ascherezirkulation geregelt werden. Zurzeit wird diese Technologie auch in
Deutschland im labortechnischen Maßstab näher untersucht.
Zudem besteht die Möglichkeit, feste Brennstoffe durch Vergasung in ein Synthesegas
umzuwandeln und dieses noch vor der Verbrennung von CO2 zu befreien.
Das Vergasungskombikraftwerk erlaubt eine thermodynamisch besonders vorteilhafte Ausgestaltung
dieser Variante. Auch diese Technologie steht zurzeit im Mittelpunkt der Untersuchungen in
Deutschland und weltweit.
Deutlicher Anstieg der Stromgestehungskosten
Wichtig ist, dass diese Entwicklung einhergeht mit der Klärung der langzeitsicheren Speicherung
des CO2. Die Konzepte sehen vor, das CO2 in ehemaligen Öl- oder Gaslagerstätten oder in tiefen
Salzwasser führenden Schichten, den so genannten Aquiferen, flüssig zu lagern.
Ungeachtet der Tatsache, dass die CO2-Abscheidung und -Speicherung nicht
genügend untersucht und noch nicht endgültig gelöst sind, sind die CO2-Abscheidungs- und
Vermeidungstechnologien wirtschaftlich unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen noch
nicht vertretbar.
Mit den günstigsten Annahmen werden die Stromgestehungskosten durch CO2-Abtrennung, -Transport und
-Einlagerung um etwa 70 Prozent im Vergleich zum heutigen Niveau ansteigen, während sich der
Wirkungsgrad verschlechtert und die Reichweite der Ressourcen deutlich abnehmen wird.
In zahlreichen F&E-Projekten arbeiten Betreiber, Hersteller und Universitäten zusammen, um die
CO2-Abscheidungs- und Vermeidungstechnologien und somit die Vision des CO2-freien Kraftwerks
zu einer realistischen Langfristoption jenseits 2020 zu machen.
Fazit:
Durch den Einsatz heute verfügbarer moderner Kohlekraftwerkstechnik sind erhebliche CO2-Minderungen
erreichbar. Zu diesem Weg gibt es somit keine sinnvolle Alternative für eine effiziente Klimavorsorge.
Ob und inwieweit eine darüber hinausgehende Abtrennung und Einlagerung des CO2 nach 2020 zur
Verfügung stehen, wird entscheidend von der Machbarkeit der sicheren Einlagerung und der öffentlichen
Akzeptanz abhängen.
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Noch Mitte 2005 nennt RWE Power CO2-freie Kohlekraftwerke eine Vision die sich
frühestens nach 2020 erfüllen könnte. Bis dahin müßten noch umfangreiche Entwicklungen sowohl in der
Kraftwerkstechnik als auch in der CO2-Speichertechnik stattgefunfen haben. Der nötige zusätzliche
Aufwand zur CO2-Abtrennung und CO2-Lagerung sei nach heutigem Kenntnisstand enorm.
Nachteile der CO2-Abtrennung gegenüber der effizientesten heutigen Technik:
- Erhöhung der spezifischen Kapitalkosten eines Kraftwerks um etwa den Faktor 2.
- Steigerung der Stromerzeugungskosten um 80-150%.
- Steigerung des Ressorcenverbrauch aufgrund der Wirkungsgradeinbuße
um bis zu einem Drittel.
Für eine umfassende Information zum Thema CO2-Minderung klicken Sie bitte auf:
Hier finden Sie alle Seiten der RWE-Information "Power Perspektiven 2005"
zum Thema CO2-freies Kraftwerk.
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